Anycubic Kobra X: Der Bambu Lab A1-Herausforderer mit Multicolor im Druckkopf
- Sascha Surbanoski

- vor 5 Tagen
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Anycubic positioniert den Kobra X als direkten Konkurrenten zum Bambu Lab A1 und setzt dabei auf einen ungewöhnlichen Ansatz: Das Multicolorsystem sitzt nicht als externes Zusatzgerät neben dem Drucker, sondern ist direkt in den Druckkopf integriert. Der Einstiegspreis liegt bei rund 276,69 Euro, was den Kobra X deutlich günstiger macht als viele vergleichbare Multicolor-Setups. Ob das Konzept in der Praxis überzeugt, beleuchtet dieser Artikel auf Basis der verfügbaren Produktinformationen.
Inhaltsverzeichnis
Das Konzept: Multicolor direkt im Druckkopf
Der entscheidende Unterschied des Kobra X zu anderen Multicolor-Druckern liegt in der Bauweise: Während Systeme wie das Bambu Lab AMS (Automatic Material System) das Filament über einen externen Hub zuführen und beim Farbwechsel relativ viel Purge-Material (Spülmaterial zum Reinigen der Düse) erzeugen, soll der integrierte Ansatz des Kobra X diesen Abfall reduzieren. Das Multicolorsystem sitzt direkt am Druckkopf, was kürzere Wechselwege bedeutet. In der Praxis bedeutet das weniger Filamentverbrauch pro Farbwechsel, was bei mehrfarbigen Drucken über längere Zeit spürbar ins Gewicht fallen kann.
Anycubic nennt dieses System intern ACE (Automatic Color Exchange) und verbaut es in einer kompakten Einheit, die ohne großen Aufbauaufwand einsatzbereit sein soll. Wie viele Farben gleichzeitig verarbeitet werden können, hängt von der jeweiligen Konfiguration ab. Laut verfügbaren Produktinformationen unterstützt der Kobra X bis zu vier Filamentfarben in einem Druckvorgang, was für den Heimbereich und kleinere Prototypen vollkommen ausreicht. (Quelle: Anycubic-Blog)
Technische Eckdaten des Kobra X
Der Kobra X basiert auf einer kartesischen Kinematik (Bewegungsachsen in X, Y und Z getrennt geführt) und ist damit kein CoreXY-Drucker wie der Bambu Lab A1. Das hat Auswirkungen auf die maximale Druckgeschwindigkeit: Kartesische Systeme sind in der Regel langsamer als CoreXY-Konstruktionen, dafür oft mechanisch einfacher aufgebaut und wartungsfreundlicher. Der Bauraum des Kobra X liegt bei 220 x 220 x 250 mm, was für den Heimbereich ein solides Standardmaß darstellt.
Die maximale Druckgeschwindigkeit wird mit bis zu 300 mm/s angegeben, wobei realistische Alltagsgeschwindigkeiten erfahrungsgemäß darunter liegen. Das Heizbett erreicht Temperaturen bis 100 Grad Celsius, der Hotend (Schmelzbereich der Düse) bis 260 Grad Celsius. Damit lassen sich gängige Materialien wie PLA, PETG und TPU verarbeiten. ABS und ASA sind aufgrund der fehlenden Einhausung nur eingeschränkt empfehlenswert.
Kobra X vs. Bambu Lab A1: Die wichtigsten Unterschiede
Der Bambu Lab A1 gilt als Referenz im Consumer-Segment für Multicolor-FDM-Druck. Er nutzt CoreXY-Kinematik, druckt schneller und ist in das Bambu-Ökosystem eingebunden, das eine ausgereifte Slicer-Software (Bambu Studio) und Cloud-Funktionen bietet. Der A1 Combo mit AMS lite kostet aktuell deutlich mehr als der Kobra X. Wer also Multicolor-Druck mit möglichst geringem Einstiegsbudget ausprobieren möchte, findet im Kobra X eine preislich attraktive Option.
Auf der anderen Seite bringt Bambu Lab eine ausgereifte Software-Infrastruktur mit, die für Einsteiger besonders komfortabel ist. Anycubic hat mit der eigenen Slicer-Software (Anycubic Slicer) aufgeholt, liegt aber in Sachen Funktionsumfang und Community-Support noch hinter Bambu Studio. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann den Kobra X auch mit Orca Slicer (Open-Source-Slicer mit breiter Drucker-Unterstützung) betreiben. (Quelle: Anycubic-Produktseite)
Preis und Verfügbarkeit
Der Anycubic Kobra X ist laut aktueller Marktbeobachtung für 276,69 Euro erhältlich, unter anderem über den Anycubic-Onlineshop und ausgewählte Händler. Dieser Preis schließt das integrierte Multicolorsystem bereits ein, was ihn im Vergleich zu Setups mit externem Multicolor-Hub günstig positioniert. Auf Amazon ist der Anycubic Kobra S1 Combo als verwandtes Modell mit ACE Pro-System für rund 400 Euro gelistet, falls ein erweitertes Multicolor-Setup gesucht wird.
Wer den Kobra X als Einstieg in den Multicolor-Druck nutzen möchte, bekommt für den Preis ein vollständiges Set ohne versteckte Zusatzkosten für das Farbwechselsystem. Verfügbar ist der Drucker direkt über den Anycubic-Shop sowie über gängige Marktplätze.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Wer den Kobra X mit anderen Multicolor-fähigen FDM-Druckern in ähnlicher Preisklasse vergleichen möchte, findet aktuell drei relevante Alternativen:
Anycubic Kobra S1 Combo: Das größere Geschwistermodell mit ACE Pro-System unterstützt bis zu acht Farben und bietet CoreXY-Kinematik für höhere Druckgeschwindigkeiten. Preislich liegt es eine Stufe über dem Kobra X, richtet sich aber an Nutzer, die mehr Farbkanäle und schnellere Drucke benötigen. Anycubic Kobra S1 Combo
Ultimaker S3 von Ultimaker: Ein professioneller FDM-Drucker mit Dual-Extrusion für zwei Materialien gleichzeitig. Deutlich teurer, aber mit ausgereifter Software (Cura) und zuverlässigem Support für den Unternehmenseinsatz. Für Maker mit Industriebedarf eine solide Wahl.
E2CF von Raise3D: Dual-Extrusion-Drucker für den Profi- und Mittelstandsbereich, der auch faserverstärkte Materialien verarbeitet. Preislich deutlich höher als der Kobra X, aber mit professionellem Ökosystem und Fernüberwachung ausgestattet.
Aktueller Status und Markterwartung
Der Markt für Multicolor-FDM-Drucker im Consumer-Segment wächst spürbar. Bambu Lab hat mit dem A1 und dem AMS-System einen Standard gesetzt, den andere Hersteller nun unter Preisdruck zu unterbieten versuchen. Anycubic verfolgt mit dem Kobra X eine klare Strategie: das integrierte Multicolorsystem als Alleinstellungsmerkmal nutzen und gleichzeitig den Preis unter der Bambu-Schwelle halten.
Ob sich der Ansatz mit dem Multicolorsystem im Druckkopf langfristig durchsetzt, bleibt abzuwarten. Technisch ist das Konzept interessant, weil es den Materialabfall beim Farbwechsel reduziert. Gleichzeitig bedeutet mehr Technik im Druckkopf auch mehr potenzielle Fehlerquellen und ein höheres Gewicht am bewegten Teil, was sich auf die Druckqualität bei hohen Geschwindigkeiten auswirken kann. Der Markt wird zeigen, ob Nutzer den Kompromiss annehmen.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist der Anycubic Kobra X ein interessanter Versuch, Multicolor-Druck für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Das integrierte System im Druckkopf ist technisch ein sinnvoller Ansatz, weil es den Purge-Abfall reduziert, was bei vielfarbigen Projekten tatsächlich relevant ist. In der Praxis bei Kunden aus dem Mittelstand sehe ich allerdings, dass der Preis allein selten das entscheidende Kriterium ist: Zuverlässigkeit, Software-Reife und Support-Qualität spielen mindestens genauso eine Rolle. Bambu Lab hat hier einen klaren Vorsprung aufgebaut, den Anycubic mit dem Kobra X noch nicht vollständig aufholt. Für Maker und Einsteiger, die Multicolor-Druck ausprobieren wollen, ohne viel Geld zu investieren, ist der Kobra X aber eine ehrliche Option. Ich würde empfehlen, die ersten Langzeiterfahrungen der Community abzuwarten, bevor man den Drucker für regelmäßige Produktionsläufe einsetzt.



