BigRep Blog: Praxiswissen, Anwendungsfälle und News rund um den industriellen 3D-Druck
- Sascha Surbanoski

- vor 6 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

BigRep betreibt einen der inhaltlich dichtesten Fachblogs im Bereich großformatiger FFF-Drucker (Fused Filament Fabrication). Die Beiträge richten sich an Ingenieure, Konstrukteure und Fertigungsverantwortliche, die additive Fertigung nicht nur ausprobieren, sondern produktiv einsetzen wollen. Aktuelle Themen reichen von Materialwissenschaft über Designmethodik bis hin zu konkreten Anwendungsfällen aus Forschung und Industrie. Das macht den Blog zu einer nützlichen Ressource, die über reine Produktkommunikation hinausgeht.
Inhaltsverzeichnis
ABS vs. PETG: Materialwahl für industrielle Drucke
Einer der meistgeklickten Beiträge im BigRep Blog vergleicht ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) und PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) für den industriellen Einsatz. Beide Materialien sind im FFF-Druck weit verbreitet, unterscheiden sich aber deutlich in Hitzebeständigkeit, Schlagzähigkeit und Verarbeitbarkeit. ABS verträgt höhere Temperaturen, neigt aber zum Verziehen, während PETG einfacher zu drucken ist und eine gute chemische Beständigkeit mitbringt.
Für Fertigungsbetriebe ist diese Entscheidung nicht trivial: Falsch gewähltes Material kann zu Bauteilversagen unter Last oder Wärme führen. Der Beitrag liefert eine strukturierte Entscheidungshilfe, die konkrete Anwendungsbereiche für beide Materialien benennt. Quelle: BigRep Blog.
3D-Druck in der Lidar-Forschung
Ein Praxisbericht zeigt, wie das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) großformatigen 3D-Druck nutzt, um kompakte Lidar-Systeme (Light Detection and Ranging, ein optisches Fernmessverfahren) für die atmosphärische Überwachung zu bauen. Großformatige Drucker ermöglichen es, Gehäuse und Trägerstrukturen in einem Stück zu fertigen, was Montageaufwand und Gewicht reduziert.
Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie additive Fertigung in der Forschung nicht nur Prototypen, sondern funktionale Endteile produziert. Die Kombination aus Designfreiheit und Materialvielfalt macht FFF-Druck für wissenschaftliche Instrumente zunehmend attraktiv. Quelle: BigRep Blog.
Übergroße Teile drucken: Segmentierung als Designentscheidung
Was tun, wenn ein Bauteil größer ist als die Bauplatte des Druckers? BigRep behandelt dieses in der Praxis häufige Problem in einem eigenen Leitfaden. Die Antwort liegt in der Segmentierung: Das Modell wird in Teilstücke aufgeteilt, die einzeln gedruckt und anschließend sicher verbunden werden. Dabei spielen Verbindungsgeometrien, Klebeverbindungen und mechanische Steckverbindungen eine zentrale Rolle.
Wichtig ist, dass Segmentierung keine Notlösung ist, sondern eine bewusste Designentscheidung, die frühzeitig in den CAD-Prozess einfließen sollte. Wer das erst beim Slicen bemerkt, verliert Zeit und Material durch suboptimale Trennfugen.
Silikonformenbau für 3D-gedruckte Master
Ein weiterer Beitrag widmet sich dem Silikonformenbau auf Basis von 3D-gedruckten Mastermodellen. Das Verfahren ist besonders für Kleinserien interessant: Ein gedruckter Master dient als Vorlage für eine Silikonform, aus der anschließend Polyurethan- oder Epoxidbauteile gegossen werden. So lassen sich Materialeigenschaften erzielen, die mit FFF-Druck allein nicht erreichbar wären.
Der Leitfaden beschreibt Materialauswahl, Designtipps für hinterschnittfreie Geometrien und den gesamten Arbeitsablauf. Für Prototypen-Werkstätten und Kleinserienfertiger ist das eine praxisnahe Ergänzung zum reinen Druckbetrieb.
STEP-Dateien in der additiven Fertigung
STEP (Standard for the Exchange of Product model data) ist ein weit verbreitetes CAD-Austauschformat, das parametrische Geometrien verlustfrei überträgt. BigRep erklärt in einem Beitrag, wie STEP-Dateien für den 3D-Druck vorbereitet werden: von der CAD-Konvertierung über die STL-Ausgabe bis hin zur Optimierung für den Slicer.
In der Praxis scheitern viele Druckprojekte an schlechter Datenvorbereitung. Ein sauberer STEP-zu-STL-Workflow reduziert Fehler wie nicht-manifolde Geometrien oder fehlerhafte Normalen, die später zu Druckproblemen führen.
Wärmekriechen beim FFF-Druck
Wärmekriechen (englisch: heat creep) bezeichnet ein Problem, bei dem Wärme aus der Heizzone des Druckkopfs unkontrolliert in den Kühlbereich des Hotends aufsteigt. Das führt zu vorzeitigem Aufschmelzen des Filaments, Verstopfungen und ungleichmäßiger Extrusion. Besonders bei Hochtemperaturmaterialien wie ABS oder ASA ist das ein relevantes Thema.
BigRep beschreibt Ursachen, Symptome und Gegenmaßnahmen: von optimierter Kühlung über Druckgeschwindigkeit bis hin zur Hotend-Geometrie. Für professionelle FFF-Workflows ist das Verständnis dieses Phänomens grundlegend, um stabile Druckergebnisse zu erzielen.
Preis und Verfügbarkeit
Der BigRep Blog ist kostenlos zugänglich unter bigrep.com/de/posts/. Die Inhalte richten sich an professionelle Anwender und sind ohne Registrierung abrufbar. BigRep-Drucker selbst bewegen sich im Preissegment ab mehreren zehntausend Euro und sind primär für industrielle Kunden konzipiert. Konkrete Gerätepreise werden auf Anfrage beim Hersteller kommuniziert.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Wer sich für großformatige industrielle FFF-Drucker und das zugehörige Fachwissen interessiert, findet auch bei anderen Herstellern relevante Ressourcen und Geräte:
Modix Large 3D Printers: Modix bietet großformatige FFF-Drucker für den professionellen Einsatz, die sich durch modulare Bauweise und offenes Filament-System auszeichnen. Die Geräte sind günstiger als BigRep-Systeme, erfordern aber mehr Eigeninitiative bei Einrichtung und Wartung. Geeignet für Maker und kleinere Industriebetriebe mit technischem Know-how.
Markforged: Markforged spezialisiert sich auf Endlosfaser-verstärkte FFF-Drucke (Continuous Fiber Fabrication) und richtet sich klar an industrielle Anwender. Die Systeme drucken mit Kohlefaser, Glasfaser und Kevlar und erzielen damit Bauteileigenschaften, die klassischen FFF-Druckern weit überlegen sind. Preislich im gehobenen Segment, dafür mit starkem Fokus auf Reproduzierbarkeit und Qualitätssicherung.
BCN3D: Der spanische Hersteller BCN3D bietet professionelle FFF-Drucker mit IDEX-Technologie (Independent Dual Extrusion) für Industrie und Bildung. Die Geräte sind gut dokumentiert, und BCN3D pflegt ebenfalls einen informativen Blog mit Praxiswissen zu Materialien und Anwendungsfällen. Preislich zwischen Maker-Segment und Industrieklasse angesiedelt.
Aktueller Status und Markterwartung
BigRep positioniert sich mit seinem Blog klar als Wissensplattform für den industriellen Großformat-FFF-Druck. Die Themen der jüngsten Beiträge zeigen eine Verschiebung hin zu anwendungsnahen Inhalten: Lidar-Forschung, Silikonformenbau und Dateiworkflows sprechen Anwender an, die über erste Experimente hinaus sind und konkrete Produktionsprozesse optimieren wollen.
Im Markt für großformatige Industriedrucker ist BigRep einer der wenigen Anbieter mit Sitz in Deutschland (Berlin), was für europäische Kunden Vorteile bei Support und Lieferzeiten bedeutet. Der Blog dürfte auch 2026 weiter ausgebaut werden, da Content-Marketing im B2B-Segment zunehmend als Vertriebskanal genutzt wird.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist der BigRep Blog einer der wenigen deutschsprachigen Fachblogs im Bereich industrieller FFF-Druck, der wirklich praxisrelevante Inhalte liefert. Themen wie Wärmekriechen oder STEP-Datei-Workflows sind keine Marketing-Texte, sondern echtes Handwerkszeug für den Alltag in der Fertigung. Besonders der Beitrag zur Segmentierung übergroßer Teile trifft einen Nerv: In der Praxis ist das einer der häufigsten Stolpersteine, den viele Einsteiger unterschätzen. Der Materialvergleich ABS vs. PETG ist solide, könnte aber für erfahrene Anwender noch tiefer in Prozessparameter einsteigen. Insgesamt ist der Blog eine empfehlenswerte Leseressource für alle, die FFF-Druck im professionellen Kontext einsetzen, auch wenn man keinen BigRep-Drucker besitzt.



