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Flashforge Creator 5 Pro: Enclosed Tool-Changer mit vier Werkzeugköpfen

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • 26. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Quelle: Flashforge
Quelle: Flashforge

Flashforge hat mit dem Creator 5 Pro einen neuen FDM-Drucker (Fused Deposition Modeling, also schichtweises Aufschmelzen von Kunststoff) vorgestellt, der auf einem echten Tool-Changer-System basiert. Das bedeutet: Statt eines einzelnen Druckkopfes mit Wechseldüse oder eines IDEX-Systems (Independent Dual Extrusion, zwei unabhängige Achsen) wechselt der Drucker zwischen vier vollständig separaten Werkzeugköpfen. Das ist für ein Tool-Changer-System mit geschlossenem Bauraum ein bemerkenswert niedriger Einstiegspunkt.




Inhaltsverzeichnis




Was ist ein Tool-Changer und warum ist das relevant?

Ein Tool-Changer-System unterscheidet sich grundlegend von einem klassischen Mehrfarb-Setup. Anstatt mehrere Filamente durch einen einzigen Druckkopf zu führen (wie beim Bambu Lab AMS-System) oder zwei Köpfe auf einer gemeinsamen Achse zu betreiben (IDEX), parkt der Drucker den aktuell nicht benötigten Kopf in einer Halterung und nimmt sich den nächsten. Jeder Kopf hat seine eigene Heizung, Düse und Kühlung.

Das hat einen entscheidenden praktischen Vorteil: Es gibt keine Farbvermischung im Hotend, weil jedes Material seinen eigenen Weg hat. Purge-Türme (Abfallblöcke aus Filament, die beim Farbwechsel gedruckt werden, um den Kopf zu reinigen) werden deutlich kleiner oder entfallen ganz. Für Anwendungen mit Stützmaterial aus wasserlöslichem PVA oder HIPS neben dem Hauptmaterial ist das besonders wertvoll.



Technische Ausstattung des Creator 5 Pro

Der Creator 5 Pro kommt mit einem vollständig geschlossenen Gehäuse, was ihn für temperaturempfindliche Materialien wie ABS, ASA oder PC (Polycarbonat) geeignet macht. Vier unabhängige Werkzeugköpfe lassen sich in einem Druckjob kombinieren, was theoretisch bis zu vier verschiedene Materialien oder Farben in einem einzigen Objekt ermöglicht. Das Druckbett ist beheizbar, was für die genannten technischen Materialien Pflicht ist.

Konkrete Bauraum-Maße und maximale Drucktemperaturen hat Flashforge zum Zeitpunkt dieser Meldung noch nicht vollständig kommuniziert. Was bekannt ist: Das System arbeitet mit einem kartesischen Aufbau (XY-Bewegung des Bettes, Z-Bewegung des Portals), was bei Tool-Changern die gängigste Konstruktionsform ist, da die Köpfe präzise in einer festen Parkposition andocken müssen. Für ein Flashforge Creator 5 Pro Filament PLA 1.75mm eignen sich Standard-1,75-mm-Spulen, wie sie für FDM-Drucker üblich sind.




Mehrfarbdruck ohne Purge-Tower

Der größte Vorteil des Tool-Changer-Ansatzes liegt im Materialwechsel. Wer mit einem AMS-ähnlichen System (Automatic Material System, ein Filament-Wechsler, der mehrere Spulen in einen Kopf speist) arbeitet, kennt das Problem: Bei jedem Farbwechsel muss das Hotend gespült werden, was Filament kostet und Zeit frisst. Bei vier separaten Köpfen entfällt dieses Spülen weitgehend.

In der Praxis bedeutet das sauberere Farbübergänge, weniger Materialverschwendung und kürzere Druckzeiten bei mehrfarbigen Objekten. Besonders für technische Teile mit Stützmaterial aus einem anderen Kunststoff (etwa PVA, das sich in Wasser auflöst) ist das ein echter Vorteil. Ein PVA Filament 1.75mm wasserlöslich lässt sich in einem der vier Köpfe einlegen, während die anderen drei Köpfe das Hauptmaterial übernehmen. Das vereinfacht die Nachbearbeitung erheblich.




Preis und Verfügbarkeit

Der Flashforge Creator 5 Pro ist ab 829 Euro erhältlich. Für ein Tool-Changer-System mit geschlossenem Gehäuse und vier Werkzeugköpfen ist das ein vergleichsweise niedriger Einstiegspreis. Vergleichbare Open-Source-Tool-Changer-Systeme wie der E3D ToolChanger oder selbst gebaute Voron-Varianten kosten in der Regel deutlich mehr, wenn man Bausatz und Komponenten zusammenrechnet.

Auf Amazon ist Flashforge Creator 5 Pro aktuell noch nicht gelistet; der Drucker ist primär über den Flashforge-Webshop und autorisierte Händler verfügbar. Ein offizieller Starttermin für den deutschen Markt wurde noch nicht kommuniziert. Wer den Drucker vorbestellen oder nähere Informationen erhalten möchte, findet aktuelle Details auf der Flashforge-Website.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer einen Mehrfarb- oder Mehrkomponenten-FDM-Drucker sucht, findet aktuell einige Alternativen, die in ähnlichen oder angrenzenden Klassen spielen:


  • Bambu Lab X1 Carbon von Bambu Lab: Hochgeschwindigkeits-FDM-Drucker mit AMS-System für bis zu 16 Farben (über mehrere AMS-Einheiten). Kein echter Tool-Changer, aber sehr ausgereiftes Multi-Material-System. Preis ab ca. 1.199 Euro mit AMS. Stärke: Geschwindigkeit und Ökosystem. Schwäche: Purge-Tower bei Farbwechseln nötig.

  • Original Prusa XL von Prusa Research: Echter Tool-Changer mit bis zu fünf Köpfen, großem Bauraum (360 x 360 x 360 mm) und offener Plattform. Preis ab ca. 1.999 Euro (Bausatz). Stärke: Bewährtes Tool-Changer-Konzept, große Community. Schwäche: Deutlich teurer als der Creator 5 Pro.

  • Raise3D Pro3 Plus von Raise3D: IDEX-Drucker (zwei unabhängige Köpfe) mit geschlossenem Gehäuse und großem Bauraum, ausgerichtet auf professionelle und industrielle Anwender. Preis ab ca. 3.999 Euro. Stärke: Robustheit, Industrietauglichkeit. Schwäche: Nur zwei Köpfe, kein echter Tool-Changer.




Aktueller Status und Markterwartung

Der Flashforge Creator 5 Pro trifft auf einen Markt, der gerade stark in Bewegung ist. Bambu Lab hat mit dem AMS-System den Mehrfarbdruck für Einsteiger demokratisiert, aber das Purge-Tower-Problem nie vollständig gelöst. Prusa hat mit dem XL gezeigt, dass Tool-Changer auch für Prosumer funktionieren, aber zu einem deutlich höheren Preis.

Flashforge positioniert den Creator 5 Pro mit 829 Euro als erschwingliche Alternative, die das Tool-Changer-Prinzip in eine geschlossene, alltagstaugliche Form bringt. Ob die Umsetzung in der Praxis überzeugt, wird sich zeigen, sobald erste unabhängige Tests vorliegen. Die Ankündigung zeigt aber, dass der Wettbewerb im Segment der Mehrkomponenten-Drucker weiter zunimmt, was langfristig den Preisdruck auf teurere Systeme erhöhen dürfte.




Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen

Zum Flashforge Creator 5 Pro sind zum Zeitpunkt dieser Meldung noch keine ausführlichen Community-Diskussionen auf Reddit oder in einschlägigen Foren dokumentiert. Das ist bei einer frischen Ankündigung nicht ungewöhnlich. Auf Plattformen wie Reddit (r/3Dprinting) dürfte die erste Reaktion erfahrungsgemäß zweigespalten sein: Einerseits wird der Preis von 829 Euro für ein Tool-Changer-System positiv aufgenommen werden, andererseits werden Fragen zur Präzision des Kopfwechsels, zur Wiederholgenauigkeit und zur Softwareunterstützung laut werden. Genau diese Punkte sind bei Tool-Changern die kritischen Schwachstellen, die über den Praxisnutzen entscheiden. Sobald erste Testberichte erscheinen, wird sich zeigen, ob Flashforge die mechanischen Herausforderungen eines Tool-Changers in dieser Preisklasse überzeugend gelöst hat.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist der Flashforge Creator 5 Pro eine der interessanteren Ankündigungen der letzten Monate im FDM-Segment. Tool-Changer-Systeme haben in der Praxis bei meinen Kunden immer dann überzeugt, wenn es um technische Teile mit Stützmaterial oder um Mehrkomponenten-Baugruppen geht, bei denen saubere Materialübergänge zählen. Der Preis von 829 Euro ist für dieses Konzept bemerkenswert niedrig.

Was mich vorsichtig stimmt: Die Wiederholgenauigkeit beim Kopfwechsel ist das Herzstück eines jeden Tool-Changers. Wenn der Kopf nach dem Parken und Wiederaufnehmen auch nur um wenige Hundertstel Millimeter versetzt sitzt, entstehen Schichtversätze, die das Druckergebnis ruinieren. Das ist ein mechanisches Problem, das sich nicht durch Software allein lösen lässt. Ob Flashforge das in dieser Preisklasse zuverlässig hinbekommt, müssen unabhängige Tests zeigen. Ich werde den Creator 5 Pro auf dem Radar behalten und sobald Testmuster verfügbar sind, eine eigene Einschätzung liefern.

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