top of page

Anycubic Photon S: Alles, was man über den Resin-Klassiker wissen muss

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • 2. Mai
  • 4 Min. Lesezeit
Anycubic Photon S Resin-Drucker, Pressebild von Anycubic
Quelle: Anycubic

Anycubic hat mit dem Photon S einen der bekanntesten Einsteiger-Resin-Drucker auf den Markt gebracht, der seit seiner Vorstellung im Jahr 2019 eine treue Nutzerbasis aufgebaut hat. Das Gerät arbeitet nach dem MSLA-Prinzip (Masked Stereolithography Apparatus), bei dem eine UV-LED-Matrix durch ein LCD-Display belichtet wird, um Schicht für Schicht aus flüssigem Kunstharz (Resin) feste Objekte zu erzeugen. Im Vergleich zum Vorgänger Photon brachte der Photon S vor allem eine doppelte Z-Achsen-Führung mit, was die Druckstabilität spürbar verbesserte. Damit positionierte sich Anycubic früh als zugänglicher Einstiegspunkt in die Welt des Resin-Drucks.




Inhaltsverzeichnis




Technische Grundlagen des Photon S

Der Photon S verfügt über ein 5,5-Zoll-LCD-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln (2K), was einer XY-Auflösung von etwa 47 Mikrometer entspricht. Die Z-Auflösung liegt bei 1,25 Mikrometer, was für feine Details bei Figuren, Schmuck oder technischen Kleinteilen ausreicht. Das Druckvolumen beträgt 115 x 65 x 165 mm, was für einen Einsteiger-Drucker dieser Klasse typisch ist.

Die doppelte lineare Z-Achsenführung war zum Erscheinungszeitpunkt ein klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Vorgänger. Sie reduziert Schichtversatz (sogenannte Layer-Shifting-Fehler) erheblich und macht den Drucker robuster im Dauerbetrieb. Das Gehäuse aus Metall und der UV-Schutzdeckel aus orangefarbenem Acryl runden das solide Gesamtbild ab. Laut Anycubic-Meldung gehört der Photon S zu den meistverkauften Modellen der Photon-Serie.




Firmware und Software

Anycubic stellt für den Photon S eigene Firmware-Updates sowie das Slicer-Programm Anycubic Photon Workshop bereit. Photon Workshop ist eine kostenlose Software, die speziell auf die Photon-Drucker abgestimmt ist und Funktionen wie automatische Stützstruktur-Generierung, Hohlkörper-Erstellung und Belichtungszeit-Kalibrierung bietet. Alternativ unterstützt der Drucker auch Drittanbieter-Slicer wie ChiTuBox, was die Flexibilität erhöht.

Die Firmware-Updates lassen sich über einen USB-Stick einspielen und bringen in der Regel Stabilitätsverbesserungen sowie Anpassungen der Belichtungsparameter. Wer den Drucker langfristig betreiben möchte, sollte die Firmware regelmäßig prüfen. Video-Tutorials zu Installation und Kalibrierung stellt Anycubic direkt im Blog-Bereich der Produktseite bereit.




Material und Resin-Kompatibilität

Der Photon S ist für Standard-UV-Resin mit 405 nm Wellenlänge ausgelegt, was dem gängigen Marktstandard entspricht. Neben dem hauseigenen Anycubic Standard Resin lassen sich prinzipiell auch Resins anderer Hersteller verwenden, solange die Wellenlänge passt. Für den Einstieg empfiehlt sich ein Standard-Resin, da es einfach zu verarbeiten ist und eine gute Detailwiedergabe bietet.

Wer mit dem Photon S arbeitet, sollte unbedingt auf Schutzausrüstung (Handschuhe, Schutzbrille) und ausreichende Belüftung achten, da unausgehärtetes Resin gesundheitsschädlich ist. Für die Nachbearbeitung (Waschen und Aushärten der Drucke) ist eine separate Wash-and-Cure-Station empfehlenswert. Auf Amazon ist Anycubic Wash & Cure Plus für rund 70 Euro gelistet, was die Nachbearbeitung deutlich komfortabler macht. Passendes Verbrauchsmaterial wie Anycubic Standard Resin 1 kg ist ebenfalls dort erhältlich.




Praxiserfahrungen und Einordnung

In der Praxis überzeugt der Photon S durch eine vergleichsweise einfache Inbetriebnahme und eine stabile Druckqualität bei kleinen bis mittelgroßen Objekten. Die Schichtzeiten liegen je nach Resin und Modell zwischen 6 und 10 Sekunden pro Schicht, was für einen 2K-LCD-Drucker dieser Generation normal ist. Neuere Geräte mit Mono-LCD-Displays drucken deutlich schneller, da Mono-Panels eine höhere Lichtdurchlässigkeit aufweisen.

Für Einsteiger, die den Photon S noch besitzen oder gebraucht erwerben möchten, ist er nach wie vor ein solides Gerät. Wer jedoch regelmäßig größere Stückzahlen oder schnellere Druckzeiten benötigt, stößt mit dem älteren 2K-RGB-Display an Grenzen. In diesem Fall lohnt ein Blick auf neuere Modelle der Photon-Mono-Reihe oder auf Geräte der Konkurrenz.




Preis und Verfügbarkeit

Der Anycubic Photon S wurde zum Marktstart für rund 300 Euro angeboten. Heute ist er auf der offiziellen Anycubic-Seite nicht mehr als Neugerät gelistet, da er durch neuere Modelle der Photon-Mono-Reihe abgelöst wurde. Im Gebrauchtmarkt (eBay, Kleinanzeigen) ist er gelegentlich für 80 bis 150 Euro zu finden, was ihn für Einsteiger mit kleinem Budget noch interessant macht. Ein offizieller Neupreis ist aktuell nicht mehr bestätigt, da das Modell als Auslaufmodell gilt.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer nach einem aktuellen Resin-Drucker in einer ähnlichen Klasse sucht, findet heute deutlich leistungsfähigere Optionen zu vergleichbaren oder nur leicht höheren Preisen:


  • Mars 4 von Elegoo: Der Mars 4 bietet ein 6K-Mono-LCD-Display und deutlich schnellere Belichtungszeiten als der Photon S. Preislich liegt er bei rund 150 bis 200 Euro und richtet sich an Einsteiger, die von Anfang an von Mono-Technologie profitieren möchten. Stärke: hohe Detailauflösung, schnelle Druckzeiten. Schwäche: etwas kleineres Druckvolumen als manche Konkurrenten.

  • Sonic Mini 8K von Phrozen: Phrozen ist bekannt für sehr hohe Auflösungen und richtet sich eher an anspruchsvolle Maker und Profis. Der Sonic Mini 8K liefert eine XY-Auflösung von 22 Mikrometer und ist damit für Schmuck, Dentalanwendungen oder hochdetaillierte Figuren geeignet. Preisrahmen: rund 200 bis 300 Euro.

  • Form 4 von Formlabs: Formlabs adressiert mit dem Form 4 den professionellen und industriellen Bereich. Das Gerät arbeitet mit einer proprietären Low-Force-Display-Technologie (LFD) und bietet eine sehr hohe Druckzuverlässigkeit sowie ein breites Materialportfolio. Preislich deutlich höher (ab ca. 4.000 Euro), aber für Unternehmen mit hohen Qualitätsanforderungen eine ernstzunehmende Option.




Aktueller Status und Markterwartung

Der Anycubic Photon S ist offiziell ein ausgelaufenes Modell und wird nicht mehr aktiv vermarktet. Anycubic hat die Photon-Linie konsequent weiterentwickelt und bietet mit der Photon Mono M7 Pro und der Photon Mono M7 Max deutlich leistungsfähigere Nachfolger an, die mit 12K- und 14K-Auflösungen sowie Mono-LCD-Technologie punkten. Firmware und Software-Support für den Photon S laufen noch, dürften aber mittelfristig auslaufen.

Für den Gebrauchtmarkt bleibt der Photon S ein interessantes Einstiegsgerät, solange Ersatzteile (insbesondere das FEP-Folie und das LCD-Display) noch verfügbar sind. Wer langfristig plant, sollte jedoch in ein aktuelles Modell investieren, das von aktivem Support und einer größeren Community profitiert.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht war der Anycubic Photon S ein wichtiger Schritt für die Demokratisierung des Resin-Drucks. Er hat vielen Einsteigern gezeigt, dass hochdetaillierte Drucke nicht zwingend teuer sein müssen. In der Praxis bei meinen Kunden sehe ich jedoch, dass der Drucker heute kaum noch sinnvoll neu angeschafft werden sollte: Die Mono-LCD-Technologie der aktuellen Generation ist in Geschwindigkeit und Lebensdauer schlicht überlegen. Wer noch einen Photon S im Einsatz hat, kann ihn für kleine Projekte und Prototypen weiterhin gut nutzen, sollte aber Ersatzteile (FEP-Folie, LCD) auf Vorrat halten. Für Neueinsteiger empfehle ich, direkt in ein aktuelles Mono-Gerät zu investieren, da der Preisunterschied zum Gebrauchtmarkt oft gering ist, der Qualitätssprung aber erheblich. Die Weiterentwicklung der Photon-Linie zeigt, dass Anycubic die Rückmeldungen der Community ernst nimmt und konsequent verbessert.

bottom of page