BigRep Pressemeldungen und Medienkontakt im Überblick
- Sascha Surbanoski

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

BigRep ist einer der wenigen deutschen Hersteller, der sich konsequent auf großformatige FDM-Drucker (Fused Deposition Modeling, also schichtweises Aufschmelzen von Kunststofffilamenten) für industrielle Anwendungen spezialisiert hat. Das Berliner Unternehmen pflegt eine umfangreiche Presseseite, auf der alle offiziellen Meldungen seit 2017 archiviert sind. Ein Blick auf diese Chronik zeigt, wie sich BigRep vom Startup zum börsennotierten Industrieunternehmen entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
Produktgeschichte: Von der ONE bis zur ALTRA 280
Die Pressechronik von BigRep liest sich wie ein Lehrstück über die Entwicklung des industriellen Großformat-3D-Drucks. Frühe Meldungen ab 2017 dokumentieren die Markteinführung des BigRep STUDIO und erste Kooperationen mit Partnern wie BASF und Bosch Rexroth. 2019 folgte der STUDIO G2, 2022 wurde der BigRep PRO offiziell vorgestellt.
Den bislang größten Produktsprung markiert das Jahr 2024: Im Mai stellte BigRep gleich zwei Hochtemperatur-Drucker vor, den ALTRA 280 und den IPSO 105. Beide Maschinen sind auf vollautomatisierte, präzise Fertigung von Industriebauteilen ausgelegt und verarbeiten technische Hochleistungskunststoffe wie PEEK oder PEI (Hochtemperaturpolymere, die in der Luft- und Raumfahrt sowie im Maschinenbau eingesetzt werden). Laut BigRep-Pressemeldung vom Mai 2024 richtet sich die ALTRA 280 explizit an Kunden in Schlüsselindustrien wie Aerospace, Automotive und Energie.
Partnerschaften und Reseller-Netzwerk
Ein roter Faden durch die Pressemeldungen ist der konsequente Ausbau des internationalen Vertriebsnetzes. BigRep hat in den vergangenen Jahren Reseller-Partnerschaften in Polen (get3D), den Benelux-Staaten (MakerPoint), Australien (Alfex CNC) und den USA (3DXTECH) geschlossen. Besonders die Partnerschaft mit 3DXTECH ist für den nordamerikanischen Markt relevant, da 3DXTECH auf Hochtemperaturmaterialien spezialisiert ist und damit gut zur Positionierung der ALTRA-Baureihe passt.
Auch auf Technologieseite setzt BigRep auf Kooperationen: Die Zusammenarbeit mit umati (einem offenen Schnittstellenstandard für Maschinenintegration) aus dem Jahr 2022 zeigt, dass BigRep seine Drucker stärker in vernetzte Produktionsumgebungen einbinden will. Die Partnerschaft mit TETON Simulation zur Integration von SmartSlice in den Slicing-Workflow unterstreicht diesen Ansatz. Laut Hersteller-Pressearchiv wurde zudem 2023 der österreichische Maschinenbauer HAGE3D übernommen, um die Kompetenz im großformatigen offenen Additive Manufacturing zu stärken.
Börsendebüt und Unternehmensstruktur
Im Juli 2024 feierte BigRep SE sein Börsendebüt an der Frankfurter Wertpapierbörse. Das ist für einen deutschen 3D-Druck-Hersteller ein ungewöhnlicher Schritt, der BigRep in eine Reihe mit wenigen börsennotierten Unternehmen der Branche stellt. Bereits im November 2023 hatte BigRep GmbH den ersten Schritt für eine Frankfurter Notierung angekündigt.
Die Umwandlung in eine SE (Societas Europaea, europäische Aktiengesellschaft) und der Börsengang signalisieren, dass BigRep weiteres Wachstumskapital einwerben und die internationale Expansion beschleunigen will. In der Praxis bedeutet das für potenzielle Kunden mehr Transparenz über die Unternehmensfinanzen, aber auch einen höheren Erwartungsdruck an Umsatz- und Margenwachstum.
Neuheiten 2025 und 2026
Auf der Formnext 2025 präsentierte BigRep mehrere neue Produkte und Anwendungen. Besonders auffällig war die Ankündigung des weltweit ersten 3D-gedruckten E-Motorrads, das BigRep auf der Manufacturing World Nagoya in Japan zeigte. Im Oktober 2024 hatte das Unternehmen zudem den DRYCON vorgestellt, eine kombinierte Filament-Trocknungs-, Lager- und Tempermachine (Annealing bezeichnet das kontrollierte Erwärmen und Abkühlen von Bauteilen zur Spannungsreduktion) für industrielle Anwendungen.
Für April 2026 kündigt BigRep den Launch des ONE.5X an, der auf der RAPID + TCT in den USA vorgestellt wird. Gleichzeitig wird eine Pellet-Extrusions-Partnerschaft kommuniziert, was auf eine Erweiterung des Materialsystems in Richtung günstigerer Granulat-Rohstoffe hindeutet. Alle genannten Ankündigungen sind laut BigRep-Presseseite als offizielle PDF-Pressemeldungen abrufbar.
Wer sich für den breiteren Kontext des industriellen 3D-Drucks interessiert, findet auf unserem Überblick zum BigRep Blog weiterführende Praxisinformationen zu Materialien, Anwendungsfällen und Maschinenvergleichen. Einen ähnlich strukturierten Blick auf einen anderen Branchenakteur bietet unser Artikel zu 3D Systems: Aktuelle Pressemeldungen und Neuigkeiten im Überblick.
Preis und Verfügbarkeit
BigRep-Drucker richten sich ausschließlich an professionelle und industrielle Anwender. Die Einstiegsmodelle wie der BigRep STUDIO liegen erfahrungsgemäß im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich, während Hochtemperaturmaschinen wie die ALTRA 280 deutlich darüber angesiedelt sind. Offizielle Listenpreise veröffentlicht BigRep nicht auf der Presseseite; Interessenten werden auf den direkten Vertriebskontakt verwiesen.
Ein offizieller Einzelpreis für die neuen Modelle ONE.5X oder DRYCON ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht bestätigt. Anfragen können direkt über die Hersteller-Website oder über die regionalen Reseller gestellt werden.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Wer großformatige Industrie-3D-Drucker evaluiert, sollte neben BigRep auch folgende Hersteller in Betracht ziehen:
RaiseProIndustrials von Raise3D: Raise3D bietet mit der Pro3-Serie und dem RMF500 industrietaugliche FDM-Drucker mit großem Bauraum und Dual-Extruder-Unterstützung. Die Maschinen sind im Vergleich zu BigRep oft günstiger positioniert und eignen sich gut für mittelständische Fertigungsbetriebe, die in die additive Fertigung einsteigen wollen.
X-Max 3 von Qidi Tech: Qidi Tech adressiert mit dem X-Max 3 einen größeren Bauraum im prosumer-nahen Segment. Die Maschine verarbeitet technische Filamente wie ABS, ASA und TPU zuverlässig, ist aber nicht für Hochtemperaturpolymere wie PEEK ausgelegt. Preiswert und für Einsteiger in den technischen 3D-Druck interessant.
Artisan von Snapmaker: Snapmaker richtet sich mit modularen Multifunktionsmaschinen an Maker und kleine Betriebe. Der Artisan kombiniert 3D-Druck, Lasergravur und CNC-Fräsen in einem Gerät. Für rein industrielle Großformat-Anwendungen ist er nicht ausgelegt, bietet aber eine interessante Einstiegsoption für Werkstätten mit vielseitigem Bedarf.
Aktueller Status und Markterwartung
BigRep hat sich in den vergangenen Jahren vom Berliner 3D-Druck-Startup zu einem börsennotierten Industrieunternehmen mit internationalem Reseller-Netzwerk entwickelt. Die Produktpalette deckt inzwischen ein breites Spektrum ab: vom zugänglicheren STUDIO über den vielseitigen PRO bis hin zu den vollautomatisierten Hochtemperaturmaschinen ALTRA 280 und IPSO 105.
Der Schritt in Richtung Pellet-Extrusion (ONE.5X, April 2026) ist strategisch sinnvoll, da Granulat-Rohstoffe deutlich günstiger sind als Filament und größere Bauvolumina wirtschaftlicher machen. Ob BigRep damit auch preissensitivere Industriekunden gewinnen kann, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die Presseseite bleibt eine verlässliche Quelle, um die Entwicklung des Unternehmens zu verfolgen.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist BigRep einer der wenigen deutschen Hersteller, der den Sprung vom Nischenanbieter zum ernsthaften Industrielieferanten konsequent vollzogen hat. Die Produktpalette ist inzwischen breit genug, um unterschiedliche Anforderungen in Aerospace, Automotive und Maschinenbau abzudecken. Besonders die Hochtemperaturmaschinen ALTRA 280 und IPSO 105 sind für Kunden interessant, die bisher auf teure Spritzgusswerkzeuge oder externe Dienstleister angewiesen waren. In der Praxis sehe ich bei Mittelstandskunden allerdings noch Zurückhaltung, weil die Investitionskosten hoch und die internen Kompetenzen für Hochtemperaturmaterialien oft noch nicht aufgebaut sind. Der Schritt zur Pellet-Extrusion mit dem ONE.5X könnte hier mittelfristig eine Brücke bauen, weil er die Betriebskosten senkt. Ich beobachte die weitere Entwicklung nach dem Börsengang genau: Börsendruck kann Innovation beschleunigen, aber auch dazu führen, dass kurzfristige Quartalsziele langfristige Produktentwicklung überlagern.



