Golftaschen als Kunstobjekte, Vollfarbiger 3D-Druck im Sportdesign
- Sascha Surbanoski

- vor 5 Tagen
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LIV Golf und Cleeks Golf Club haben mit der Art of Golf 2026 Collection ein ungewöhnliches Kunstprojekt auf die Beine gestellt: An jedem der 14 Turniere der Saison wird eine individuell gestaltete Golftasche als Kunstobjekt präsentiert, das die kulturelle Umgebung des jeweiligen Austragungsorts widerspiegelt. Um die Reichweite dieser Kunstwerke zu vergrößern, wurde der Druckspezialist Mimaki beauftragt, halbskalige Repliken sowie limitierte Sammlerstücke herzustellen.
Inhaltsverzeichnis
Das Bauteil und der Anwendungsfall
Im Mittelpunkt des Projekts stehen maßstabsgetreue Nachbildungen der Golftaschen im Verhältnis 1:2, also halbskalig. Jede Tasche ist ein Unikat, das laut TCT Magazine die künstlerische Handschrift des jeweiligen Designers sowie den kulturellen Kontext des Turnierorts aufgreift. Zusätzlich zu den Repliken entstanden limitierte Sammlerstücke, die exklusiv an den LIV-Golf-Events erhältlich sind.
Die Herausforderung bestand darin, komplexe Farbverläufe, feine grafische Details und dreidimensionale Oberflächenstrukturen originalgetreu abzubilden. Herkömmliche Fertigungsverfahren wie Spritzguss oder manuelle Bemalung wären für eine solche Kombination aus Geometrie und Farbtiefe kaum wirtschaftlich umsetzbar gewesen, insbesondere bei kleinen Stückzahlen und 14 verschiedenen Designs.
Warum wurde auf 3D-Druck gesetzt?
Der entscheidende Grund für den Einsatz von 3D-Druck liegt in der Kombination aus Individualisierung und kleiner Losgröße. Für jedes der 14 Turniere wird ein eigenes Design benötigt, das sich in Farbe, Form und kulturellem Motiv unterscheidet. Eine klassische Serienfertigung über Werkzeuge oder Formen würde bei diesen Stückzahlen unverhältnismäßig hohe Rüstkosten verursachen.
Hinzu kommt die Anforderung an die Farbgenauigkeit: Die Kunstwerke sollen die visuelle Sprache der beteiligten Künstler authentisch transportieren. Vollfarb-3D-Druck erlaubt es, Farbverläufe und Muster direkt im Druckprozess zu integrieren, ohne nachträgliche Lackier- oder Bemalungsschritte. Das spart Zeit und reduziert das Risiko von Qualitätsschwankungen zwischen den einzelnen Stücken.
Verfahren und Material im Detail
Mimaki setzt für dieses Projekt seine Vollfarb-3D-Drucktechnologie ein. Das Unternehmen ist bekannt für PolyJet-ähnliche Systeme (ein Verfahren, bei dem flüssige Photopolymere schichtweise aufgetragen und per UV-Licht ausgehärtet werden), die eine sehr hohe Farbauflösung ermöglichen. Konkret arbeitet Mimaki mit seinem 3DUJ-System, das bis zu 10 Millionen Farbtöne darstellen kann und damit im Markt für Vollfarb-3D-Druck zu den leistungsfähigsten Lösungen zählt.
Die verwendeten Materialien sind UV-härtende Kunstharze (Photopolymere), die nach dem Druck eine glatte, detailreiche Oberfläche ergeben. Für Sammlerstücke und Ausstellungsobjekte ist das ein Vorteil, da keine aufwendige Nachbearbeitung nötig ist, um eine präsentationsreife Oberfläche zu erzielen. Die Farbinformationen werden direkt aus digitalen Designdaten übernommen, was eine 1:1-Umsetzung der künstlerischen Vorlage ermöglicht.
Was wurde konkret verbessert?
Der offensichtlichste Gewinn liegt in der Umsetzungsgeschwindigkeit: Statt aufwendiger handwerklicher Fertigung oder teurer Werkzeugkosten können neue Designs direkt aus der digitalen Datei produziert werden. Für ein Projekt mit 14 unterschiedlichen Designs über eine gesamte Turniersaison ist das ein erheblicher logistischer Vorteil.
Die Farbgenauigkeit und Detailtreue der gedruckten Repliken erlaubt es, die Kunstobjekte als eigenständige Sammlerstücke zu positionieren, nicht nur als technische Nachbildungen. Das erhöht den wahrgenommenen Wert der limitierten Auflage. Belastbare Zahlen zu Kosteneinsparungen oder Produktionszeiten wurden in der verfügbaren Quelle nicht veröffentlicht, was bei einem Kunstprojekt dieser Art nicht ungewöhnlich ist.
Eine Herausforderung bleibt die Materialrobustheit: Photopolymere sind im Vergleich zu technischen Kunststoffen wie PA12 oder ABS weniger belastbar und können bei längerer UV-Exposition vergilben. Für Ausstellungsstücke in kontrollierten Innenräumen ist das vertretbar, für den Außeneinsatz müssten zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen werden.
Übertragbarkeit für den Mittelstand
Das LIV-Golf-Projekt zeigt einen Anwendungsfall, der über den Sport- und Kunstbereich hinaus relevant ist: Vollfarb-3D-Druck für Messe-Exponate, Produktmodelle, Architekturmodelle oder Marketingobjekte. Überall dort, wo kleine Stückzahlen mit hoher visueller Individualität gefragt sind, kann dieses Verfahren klassische Fertigungswege ersetzen oder ergänzen.
Für einen Mittelständler bedeutet das konkret: Wer regelmäßig Prototypen, Musterteile oder Präsentationsmodelle in unterschiedlichen Farbvarianten benötigt, kann durch Vollfarb-3D-Druck Werkzeugkosten und Durchlaufzeiten deutlich reduzieren. Die Einstiegshürde liegt weniger in der Technologie selbst als in der Qualität der digitalen Designdaten, denn ohne saubere 3D-Modelle mit korrekten Farbinformationen lässt sich das Potenzial nicht ausschöpfen.
Wer solche Bauteile als Prototypen oder Ausstellungsstücke fertigen lassen möchte, sollte frühzeitig klären, welche Farbräume und Oberflächengüten das jeweilige System unterstützt. 3ddrucklife.de berät bei der Verfahrensauswahl und kann einschätzen, welches Verfahren für den jeweiligen Einsatzbereich wirtschaftlich sinnvoll ist.
Persönliches Fazit
Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, was Vollfarb-3D-Druck heute leisten kann, wenn er im richtigen Kontext eingesetzt wird. Kunstobjekte, Sammlerstücke, Messemodelle: Das sind Bereiche, in denen die Technologie ihre Stärken voll ausspielen kann, weil Farbtiefe und Individualität wichtiger sind als mechanische Belastbarkeit.
Was mich an diesem Projekt überzeugt, ist die konsequente Nutzung des Verfahrens für genau das, wofür es gemacht ist. Kein Versuch, technische Bauteile damit zu ersetzen, sondern ein klarer Fokus auf visuelle Qualität und Kleinserienfertigung. Das ist eine Herangehensweise, die ich in der Praxis leider noch zu selten sehe.
Für Unternehmen, die ähnliche Anforderungen haben, lohnt sich ein genauer Blick auf die verfügbaren Vollfarb-Systeme. Die Technologie ist ausgereift, die Hürden liegen heute vor allem in der Datenvorbereitung und der realistischen Einschätzung der Materialeigenschaften. Wer das im Griff hat, kann damit echten Mehrwert schaffen.




