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Make It Real von AnkerMake: Die 3D-Modell-Plattform im Überblick

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 6 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
AnkerMake Make It Real Plattform, Pressebild mit 3D Paint Feature
Quelle: AnkerMake

AnkerMake hat mit Make It Real eine eigene Online-Plattform entwickelt, die den gesamten Workflow vom Modell-Entwurf bis zum fertigen Druck abdecken soll. Die Plattform richtet sich sowohl an Einsteiger ohne CAD-Kenntnisse als auch an erfahrene Maker, die schnell druckfertige Dateien benötigen. Drei Kernfunktionen stehen dabei im Mittelpunkt: das Bildkonvertierungs-Tool 3D Paint, der Stadtmodell-Generator CityPrint und eine integrierte Modell-Suche. Laut Hersteller-Meldung sollen alle Werkzeuge in einer einzigen Oberfläche gebündelt sein.




Inhaltsverzeichnis




3D Paint: Von der 2D-Vorlage zum druckbaren Modell

Das Herzstück von Make It Real ist die Funktion 3D Paint. Sie wandelt ein hochgeladenes 2D-Bild automatisch in eine STL-Datei um, die direkt gedruckt werden kann. Das Ergebnis ist ein reliefartiges, mehrfarbiges Objekt, das bis zu sechs Farbwechsel unterstützt. Damit lassen sich beispielsweise Fotos, Logos oder Illustrationen als physische Objekte ausgeben.

Für den Druck empfiehlt AnkerMake Bilder mit hohem Kontrast und klarer Struktur. Monochrome Vorlagen liefern laut Hersteller besonders saubere Ergebnisse, wenn das Ausgangsbild wenig Detailtiefe hat. Die fertige STL-Datei kann direkt an kompatible AnkerMake-Drucker übertragen werden. Anwendungsfälle reichen von personalisierten Geschenken über Wanddekoration bis hin zu Merchandise-Artikeln für Kleinunternehmen.

In der Praxis bedeutet das: Wer keine 3D-Modellierungserfahrung hat, kann mit einem einfachen Foto oder einer Vektorgrafik in wenigen Schritten ein druckfertiges Modell erzeugen. Das senkt die Einstiegshürde erheblich, auch wenn die Ergebnisse naturgemäß von der Qualität der Vorlage abhängen. Laut Hersteller-Angaben sollten fertige Drucke aus mindestens zwei Metern Entfernung betrachtet werden, um die Detailwirkung optimal einzuschätzen.




CityPrint: Stadtmodelle auf Knopfdruck

CityPrint ist ein weiteres Tool innerhalb der Plattform, das geografische Daten in druckbare Stadtmodelle umwandelt. Nutzer wählen einen Kartenausschnitt aus Städten in Europa, Asien und Nordamerika und legen die gewünschte Druckgröße fest. Die Spanne reicht von kompakten 18 x 18 cm bis zu großformatigen Segmenten von 2,52 x 1,08 Metern.

Gerade für Architektur, Stadtplanung oder Bildungsprojekte ist ein solches Tool interessant. Ähnliche Ansätze gibt es zwar auch über OpenStreetMap-basierte Generatoren, aber die direkte Integration in eine Druckplattform vereinfacht den Workflow. Wie detailliert die erzeugten Modelle tatsächlich sind und welche Städte vollständig abgedeckt werden, lässt die Hersteller-Meldung offen.




Integrierte Modell-Suche

Wer kein eigenes Modell erstellen möchte, kann über die Suchfunktion von Make It Real auf Bestände von Plattformen wie Thingiverse und Printables zugreifen, ohne die Oberfläche wechseln zu müssen. Das ist ein praktischer Ansatz, der Zeit spart und die Plattform als zentralen Anlaufpunkt positioniert.

Ob die Suchergebnisse gefiltert, nach Druckbarkeit bewertet oder direkt in den Slicer übertragen werden können, geht aus der verfügbaren Dokumentation nicht hervor. Für Gelegenheitsnutzer dürfte die aggregierte Suche dennoch eine nützliche Ergänzung sein.




Praxistipps für bessere Ergebnisse

AnkerMake gibt in der Plattform-Dokumentation konkrete Hinweise für den Einsatz von 3D Paint. Besonders wichtig: Filament sollte vor dem Druck gut getrocknet sein, da feines Stringing bei Mehrfarb-Reliefs besonders störend wirkt. Beim Farbwechsel empfiehlt der Hersteller, den Extruder gründlich zu spülen (sogenanntes Purging), insbesondere beim Wechsel von dunklen zu hellen Farben.

Diese Hinweise sind nicht neu, aber im Kontext eines automatisch generierten Mehrfarb-Modells besonders relevant. Wer mit einem Drucker ohne automatischen Farbwechsel arbeitet, muss die Wechsel manuell einplanen, was den Druckprozess deutlich aufwendiger macht. Für Einsteiger lohnt es sich, zunächst mit einfachen, kontrastreichen Vorlagen und wenigen Farben zu beginnen.




Preis und Verfügbarkeit

Make It Real ist eine webbasierte Plattform von AnkerMake und steht Nutzern nach Registrierung zur Verfügung. Ein offizieller Preis für die Nutzung der Plattform selbst ist in der Hersteller-Meldung nicht genannt. Es ist davon auszugehen, dass die Grundfunktionen kostenlos zugänglich sind, da AnkerMake die Plattform als Ökosystem rund um seine Drucker positioniert. Ob Premium-Funktionen oder erweiterte CityPrint-Größen kostenpflichtig sind, bleibt zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung unklar.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer nach ähnlichen Plattformen oder Ökosystemen für einfaches 3D-Modellieren und Drucken sucht, findet auf dem Markt einige vergleichbare Ansätze:


  • Bambu Studio von Bambu Lab: Bambu Lab bietet mit Bambu Studio und dem integrierten Makerworld-Portal eine ähnlich geschlossene Umgebung aus Slicer, Modell-Bibliothek und Community. Die Plattform ist besonders stark bei der Druckvorbereitung und eignet sich gut für Nutzer, die bereits einen Bambu-Drucker besitzen. Ein vergleichbares Bildkonvertierungs-Tool fehlt bisher.

  • Snapmaker Luban: Snapmaker bietet mit Luban eine eigene Software-Plattform, die neben FDM-Druck auch Lasergravur und CNC-Fräsen abdeckt. Für Maker, die mehrere Fertigungsverfahren kombinieren wollen, ist das ein klarer Vorteil. Die Modell-Erstellungsfunktionen sind jedoch weniger auf Bildkonvertierung ausgerichtet.

  • ideaMaker von Raise3D: Raise3D setzt mit ideaMaker auf eine professionelle Slicer-Umgebung mit Fokus auf Industrie und Mittelstand. Die Plattform bietet keine vergleichbare Bildkonvertierung, punktet aber mit präziser Druckvorbereitung, Materialverwaltung und Netzwerkintegration für mehrere Drucker gleichzeitig.




Aktueller Status und Markterwartung

Make It Real wurde bereits Ende 2023 eingeführt und wird seither unter dem Markendach eufyMake weiterentwickelt, das Ankers Sparte für Creator und Kleinunternehmen bündelt. Die Plattform ist damit kein reines Konzept mehr, sondern aktiv in Betrieb. Allerdings ist die öffentliche Wahrnehmung außerhalb der AnkerMake-Community bisher überschaubar geblieben.

Der Markt für browserbasierte 3D-Modell-Generatoren wächst, und Ansätze wie 3D Paint zeigen, wohin die Reise geht: weg vom komplexen CAD-Workflow, hin zu zugänglichen Werkzeugen für Nicht-Techniker. Ob AnkerMake mit Make It Real langfristig eine relevante Rolle in diesem Segment spielen kann, hängt davon ab, wie konsequent die Plattform weiterentwickelt wird und ob sie auch druckerunabhängig nutzbar bleibt.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist Make It Real ein interessanter Ansatz, der eine echte Lücke adressiert: Viele Menschen möchten etwas drucken, haben aber weder CAD-Kenntnisse noch die Geduld, sich in komplexe Modellierungs-Software einzuarbeiten. Die 3D-Paint-Funktion ist dabei der überzeugendste Teil, weil sie einen konkreten Mehrwert liefert, den andere Plattformen so nicht bieten. In der Praxis bei Kunden aus dem Mittelstand sehe ich allerdings klare Grenzen: Wer präzise Bauteile oder technische Geometrien benötigt, kommt mit einem Bildkonverter nicht weit. Für Prototypen, Deko-Objekte oder personalisierte Kleinserien kann das Tool jedoch eine sinnvolle Ergänzung sein. Kritisch anzumerken ist, dass die Plattform stark auf das AnkerMake-Ökosystem ausgerichtet wirkt, was die Flexibilität einschränkt. Ich würde Make It Real als Einstiegs-Werkzeug empfehlen, aber nicht als Ersatz für eine vollwertige Modellierungs- und Druckumgebung.

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