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Treibstofftanks und Strukturrahmen für Kampfdrohnen, 3D Druck in der Luft- und Raumfahrt

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Rheinmetall und andere Akteure der Verteidigungsindustrie nutzen additive Fertigungsverfahren zunehmend für sicherheitskritische Bauteile unbemannter Kampfdrohnen. Konkret geht es um Treibstofftanks und tragende Strukturrahmen, die bislang aus gefrästen Metallblöcken oder geschweißten Baugruppen bestanden. Der Wechsel zu SLS (Selective Laser Sintering, ein pulverbasiertes Sinterverfahren für Kunststoffe) und Titan-DMLS (Direct Metal Laser Sintering, laserbasiertes Schmelzen von Metallpulver) verändert dabei nicht nur die Geometrie der Bauteile, sondern die gesamte Entwicklungslogik.




Inhaltsverzeichnis




Das Bauteil und der Anwendungsfall

Bei unbemannten Kampfdrohnen (UCAVs, Unmanned Combat Aerial Vehicles) sind zwei Bauteilgruppen besonders kritisch: der Strukturrahmen, der alle Lasten aufnimmt und die Systemkomponenten trägt, sowie der Treibstofftank, der geometrisch in den verfügbaren Bauraum integriert werden muss. Beide Bauteile unterliegen extremen Anforderungen an Leichtbau, Druckfestigkeit und Temperaturbeständigkeit.

Konventionell werden solche Bauteile aus Aluminium oder Titan gefräst, was bei komplexen Geometrien zu hohem Materialverlust (Spananteil bis zu 90 Prozent beim Titan-Fräsen) und langen Durchlaufzeiten führt. Additiv gefertigte Varianten erlauben dagegen bionisch optimierte Gitterstrukturen (Lattice-Strukturen) im Inneren des Rahmens und konturnahe Wandstärken beim Tank, die mit spanender Fertigung nicht realisierbar wären. Ähnliche Herausforderungen bei UCAV-Strukturbauteilen beschreibt auch der Artikel zu UCAV-Strukturbauteilen aus additiver Fertigung auf 3ddrucklife.de.




Warum hat das Unternehmen auf 3D-Druck gesetzt?

Der Auslöser liegt in der Natur moderner Drohnenentwicklung: Iterationszyklen sind kurz, Stückzahlen zunächst klein, und die geometrischen Anforderungen ändern sich mit jeder Missionsanforderung. Ein klassisches Gusswerkzeug für einen Treibstofftank kostet schnell fünf- bis sechsstellige Beträge und ist nach einer Designänderung wertlos. Additive Fertigung eliminiert diesen Werkzeugkostenpunkt vollständig.

Hinzu kommt die Lieferketten-Problematik: Hochfeste Titanlegierungen in Sondergeometrien sind über konventionelle Zulieferer mit Vorlaufzeiten von mehreren Monaten verbunden. Ein DMLS-Drucker mit qualifiziertem Pulver kann dasselbe Bauteil in wenigen Tagen liefern, was in der Entwicklungsphase einen entscheidenden Unterschied macht. Laut Analysen von Janes, einem der führenden Fachinformationsdienste für Verteidigungstechnik, beschleunigt additive Fertigung die Prototypen- und Kleinserienphasen bei Drohnenprogrammen erheblich.




Verfahren und Material im Detail

Für Strukturrahmen kommt primär Titan-DMLS zum Einsatz. Dabei wird Titanpulver (typischerweise Ti-6Al-4V, eine Titan-Aluminium-Vanadium-Legierung mit sehr hohem Festigkeits-Gewichts-Verhältnis) Schicht für Schicht per Laserstrahl vollständig aufgeschmolzen. Das Ergebnis sind dichte, nahezu porenfreie Metallbauteile mit mechanischen Eigenschaften, die geschmiedeten Teilen nahekommen. Für den Metall-3D-Druck mit Ti-6Al-4V sind Zugfestigkeiten von über 1.000 MPa erreichbar, was für tragende Drohnenstrukturen ausreichend ist.

Für weniger sicherheitskritische Strukturkomponenten und Halterungen wird ergänzend SLS (Selective Laser Sintering) mit Hochleistungspolyamiden wie PA12 oder PA11 eingesetzt. SLS benötigt kein Stützmaterial, da das umgebende Pulver die Bauteile während des Drucks stützt. Das ermöglicht besonders komplexe Innengeometrien, wie sie bei integrierten Kabelführungen oder Lüftungskanälen im Drohnenrumpf vorkommen. Für Treibstofftanks, die chemische Beständigkeit gegenüber Kerosin oder Kraftstoffgemischen erfordern, werden spezielle PA-Varianten oder direkt Titan eingesetzt.




Was wurde konkret verbessert?

Der deutlichste Effekt liegt beim Gewicht: Durch topologieoptimierte (also rechnerisch auf minimale Masse bei vorgegebener Steifigkeit ausgelegte) Gitterstrukturen lassen sich Strukturrahmen um 20 bis 40 Prozent leichter gestalten als konventionell gefräste Pendants, ohne Einbußen bei der Tragfähigkeit. Bei einer Kampfdrohne mit knappem Nutzlastbudget ist das ein direkt operativ wirksamer Vorteil.

Die Entwicklungszeit für neue Bauteilgenerationen sinkt von mehreren Monaten auf wenige Wochen, da Werkzeugkosten und Werkzeugvorlaufzeiten entfallen. Gleichzeitig können mehrere Designvarianten parallel gedruckt und getestet werden. Herausfordernd bleibt die Qualifizierung der Bauteile für den Serieneinsatz: Luft- und Raumfahrtzertifizierungen (z.B. nach EASA-Standards) verlangen umfangreiche Prüfnachweise für additiv gefertigte Strukturbauteile, was den Zeitvorteil in der Serienphase teilweise wieder aufzehrt. Auch die Reproduzierbarkeit zwischen verschiedenen Druckanlagen und Pulverchargen ist ein aktives Forschungsfeld.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Der beschriebene Ansatz ist nicht auf Großkonzerne der Rüstungsindustrie beschränkt. Jedes Unternehmen, das Leichtbaukomponenten für Luft- oder Bodenfahrzeuge entwickelt, steht vor ähnlichen Abwägungen: Werkzeugkosten versus Flexibilität, Lieferzeit versus Lagerbestand. Für einen Mittelständler, der Drohnen für Inspektion, Landwirtschaft oder Logistik entwickelt, sind die Einstiegshürden heute deutlich niedriger als noch vor fünf Jahren.

Wer keine eigene DMLS-Anlage betreiben möchte, kann Titan-Strukturbauteile über spezialisierte Dienstleister beziehen. Entscheidend ist dabei, frühzeitig die Bauteilgeometrie auf additive Fertigung auszulegen (Design for Additive Manufacturing, DfAM) statt bestehende Frästeile 1:1 zu übertragen. Nur dann heben sich die Gewichts- und Kostenvorteile wirklich. Für Vorrichtungen, Halterungen und Gehäuseteile im Drohnenumfeld bietet sich zudem der Einstieg über SLS-Druck an, der ohne Metallanlage auskommt und dennoch funktionale, belastbare Bauteile liefert.




Persönliches Fazit

Additiv gefertigte Treibstofftanks und Strukturrahmen für Kampfdrohnen sind kein Zukunftsszenario mehr, sondern laufende Praxis in mehreren Verteidigungsprogrammen. Was mich dabei am meisten beeindruckt: Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt nicht im Endprodukt allein, sondern in der Entwicklungsgeschwindigkeit. Wer in der Lage ist, einen neuen Strukturrahmen in zwei Wochen statt in vier Monaten zu testen, gewinnt Iterationszyklen, die sich direkt in Systemreife übersetzen.

Gleichzeitig sollte man die Qualifizierungshürden nicht kleinreden. Titan-DMLS-Bauteile in sicherheitskritischen Anwendungen brauchen belastbare Prüfnachweise, und die kosten Zeit und Geld. Wer das unterschätzt, erlebt böse Überraschungen in der Serienphase. Für Unternehmen, die noch am Anfang stehen, empfehle ich: erst mit SLS-Kunststoffteilen für unkritische Strukturen beginnen, Erfahrung mit DfAM aufbauen, und dann schrittweise in Metall wechseln. Der Weg lohnt sich, aber er braucht Planung.

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