Partstogo stärkt Aerospace-Kompetenz: Additive Fertigung für die Luftfahrt
- Sascha Surbanoski

- vor 3 Tagen
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Inhaltsverzeichnis
Partstogo aus Karlsbad ist ein 3D-Druck-Dienstleister, der sich auf industrietaugliche Bauteile spezialisiert hat. Mit der Verpflichtung von Pärtel-Peeter Kruuv als Aerospace-Experten signalisiert das Unternehmen, dass es den Sektor Luftfahrt künftig systematisch bedienen will. Das ist kein kleiner Schritt: Aerospace gilt als einer der anspruchsvollsten Abnehmerbereiche für additive Fertigung.
Das Bauteil und der Anwendungsfall
Im Aerospace-Bereich geht es selten um ein einzelnes Bauteil, sondern um eine Klasse von Komponenten: Halterungen, Kanalführungen, Gehäuseteile, Werkzeuge und Vorrichtungen für die Flugzeugmontage sowie funktionale Ersatzteile für Kabinen- und Systemkomponenten. Diese Teile müssen engen Toleranzen genügen, zertifizierungsfähig sein und häufig aus Hochleistungswerkstoffen bestehen. Partstogo positioniert sich laut MM MaschinenMarkt als Partner für genau diese industrietauglichen Anforderungen.
Pärtel-Peeter Kruuv bringt spezifisches Branchenwissen mit, das über allgemeine 3D-Druck-Kompetenz hinausgeht: Kenntnisse über Zulassungsprozesse, Materialqualifikationen und die besonderen Anforderungen der Luftfahrtnormen. Dass ein Dienstleister gezielt solche Expertise aufbaut, zeigt, wie ernst der Sektor die additive Fertigung inzwischen nimmt. Ähnliche Entwicklungen im Maschinenbau beleuchtet auch der Artikel zu den 3D-Druck-Trends 2026 im Maschinenbau.
Warum hat das Unternehmen auf 3D-Druck gesetzt?
Die Luftfahrtbranche steht vor einem strukturellen Problem: Viele Bauteile werden in sehr kleinen Stückzahlen benötigt, müssen aber höchste Qualitätsstandards erfüllen. Konventionelle Fertigungsverfahren wie Fräsen oder Gießen rechnen sich bei Losgröße 1 bis 50 kaum, und die Werkzeugkosten sind prohibitiv hoch. Hinzu kommen lange Lieferketten und der wachsende Druck, Gewicht einzusparen.
3D-Druck löst mehrere dieser Probleme gleichzeitig: keine Werkzeugkosten, kurze Durchlaufzeiten, geometrische Freiheit für Leichtbaustrukturen. Für Partstogo bedeutet die Erweiterung in Richtung Aerospace, dass das Unternehmen nicht nur Standardaufträge abwickeln, sondern auch komplexe, normkritische Projekte begleiten will. Der Einsatz eines dedizierten Fachmanns für diesen Bereich ist dabei ein klares Signal an potenzielle Kunden aus der Luftfahrtindustrie.
Verfahren und Material im Detail
Die Primärquelle nennt keine spezifischen Verfahren für die Aerospace-Projekte von Partstogo. Aus dem Kontext industrietauglicher Luftfahrtbauteile lassen sich jedoch typische Verfahren ableiten: SLS (Selective Laser Sintering, ein Pulverbettverfahren ohne Stützmaterial, das isotrope Teile aus Hochleistungspolymeren wie PA12 oder PEKK erzeugt) und der Metall-3D-Druck via DMLS (Direct Metal Laser Sintering, ein laserbasiertes Pulverbettverfahren für Titan, Inconel oder Aluminiumlegierungen) sind in der Luftfahrt besonders relevant.
Materialien wie PEEK (Polyetheretherketon, ein Hochleistungsthermoplast mit sehr guter Chemikalienbeständigkeit und Temperaturstabilität) oder faserverstärkte Kunststoffe spielen ebenfalls eine Rolle, wenn es um Kabinenanwendungen geht. Die Materialauswahl ist im Aerospace-Bereich eng mit den Zulassungsanforderungen verknüpft: Nur qualifizierte Werkstoffe dürfen in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt werden. Partstogo muss hier entsprechende Nachweise und Prüfprotokolle liefern können.
Was wurde konkret verbessert?
Konkrete Kennzahlen zu abgeschlossenen Aerospace-Projekten nennt die verfügbare Quelle nicht. Das ist bei einer strategischen Personalentscheidung dieser Art nicht ungewöhnlich: Der Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs läuft in der Regel über Monate, bevor belastbare Projektergebnisse kommuniziert werden können.
Was sich bereits jetzt sagen lässt: Die Entscheidung, einen Aerospace-Spezialisten fest einzubinden, reduziert für Kunden das Risiko, mit einem Dienstleister zu arbeiten, der die branchenspezifischen Anforderungen nicht kennt. In der Praxis bedeutet das kürzere Abstimmungsschleifen bei Zulassungsfragen, weniger Iterationen bei der Bauteilqualifikation und eine verlässlichere Einschätzung, welche Geometrien und Materialien für eine Zertifizierung geeignet sind. Das spart Zeit und damit Kosten, auch wenn sich das noch nicht in publizierten Zahlen niederschlägt.
Übertragbarkeit für den Mittelstand
Für mittelständische Unternehmen aus dem Maschinenbau oder der Zulieferindustrie, die Komponenten für die Luftfahrt fertigen oder entwickeln, ist die Entwicklung bei Partstogo ein relevantes Signal. Der Einstieg in Aerospace-Anwendungen mit additiver Fertigung erfordert mehr als einen guten Drucker: Es braucht Materialkenntnis, Prozessdokumentation und im Idealfall einen Partner, der die Zulassungslogik kennt.
Wer als Mittelständler Prototypen oder Kleinserien für die Luftfahrt realisieren will, sollte frühzeitig klären, welche Normen (z.B. AS9100, NADCAP) für das jeweilige Bauteil gelten und ob der Dienstleister entsprechende Qualifikationen vorweisen kann. Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Partner wie Partstogo kann hier den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Zulassungsprozess und einem kostspieligen Umweg ausmachen. Auch 3ddrucklife.de unterstützt bei der Auswahl geeigneter Verfahren und Materialien für anspruchsvolle Industrieanwendungen.
Persönliches Fazit
Die Entscheidung von Partstogo, gezielt Aerospace-Kompetenz aufzubauen, ist aus meiner Sicht ein konsequenter Schritt. Die Luftfahrtbranche ist kein einfacher Markt: Die Einstiegshürden sind hoch, die Anforderungen an Dokumentation und Materialqualifikation sind es auch. Aber genau deshalb lohnt sich die Spezialisierung, denn wer diese Hürden einmal überwunden hat, arbeitet mit Kunden, die langfristige Partnerschaften suchen und bereit sind, für Qualität zu zahlen.
Was mich an diesem Schritt überzeugt, ist nicht die Personalentscheidung an sich, sondern was sie signalisiert: Partstogo denkt in Branchen, nicht nur in Verfahren. Das ist genau die Denkweise, die 3D-Druck-Dienstleister brauchen, um aus dem Prototypen-Geschäft in die echte Serienproduktion zu wachsen. Für Kunden aus dem Maschinenbau, die Zulieferteile für die Luftfahrt entwickeln, ist das eine gute Nachricht: Es gibt zunehmend Partner, die nicht nur drucken können, sondern auch verstehen, was in der Luftfahrt gefordert wird. Ob Partstogo dieses Versprechen in konkreten Projektergebnissen einlösen kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Richtung stimmt.



