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3D gedruckte Muskeln für Roboter

Autorenbild: Sascha Surbanoski
Sascha Surbanoski
vor 5 Tagen
3 Min. Lesezeit

Die De Montfort University Leicester (DMU) will klären, ob sich künstliche Muskeln für weiche Roboter per 3D Druck herstellen lassen. Dr Meisam Abdi hat dafür eines von nur acht Stipendien der Royal Academy of Engineering und des Leverhulme Trust für 2026/27 erhalten. Das geht aus einem Bericht von 3D Printing Industry hervor. Ziel ist ein Bauteil, das sich bewegt und seine Umgebung wahrnimmt. Zusätzlich soll es kleine Mengen Strom gewinnen.




Inhaltsverzeichnis




Was das Projekt untersucht

Das Stipendium finanziert Vertretungen für die Lehre. Dadurch kann Abdi bis zu ein Jahr fast ausschließlich forschen. Laut 3D Printing Industry will er 3D gedruckte Strukturen aus smarten Materialien entwerfen und testen. Der künstliche Muskel soll drei Funktionen vereinen: Bewegung erzeugen, die Umgebung erfassen und aus Vibration oder mechanischer Bewegung Energie ernten.

Die Arbeit beginnt am Rechner. Per computergestützter Konstruktion und Simulation (CAE) vergleicht Abdi Kombinationen aus piezoelektrischen, leitfähigen und tragenden Materialien in verschiedenen Architekturen. Die vielversprechendsten Entwürfe werden anschließend gedruckt. Im Labor wird dann gemessen, wie sie auf elektrische Anregung reagieren.

Menschliches Muskelgewebe soll dabei nicht nachgebaut werden. Abdi setzt auf sogenannte architektierte Strukturen: Ihre Geometrie bestimmt, wie sie sich verhalten. Er will prüfen, ob sich durch Material und Geometrie Eigenschaften erzeugen lassen, die in der Natur nicht vorkommen.




Das Problem mit piezoelektrischen Materialien

Piezoelektrische Materialien bilden elektrische Ladung, wenn sie verformt werden. Umgekehrt ändern sie ihre Form unter einem elektrischen Feld. Damit eignen sie sich sowohl als Antrieb (Aktor) als auch als Sensor.

Der Haken: Die leistungsfähigsten Varianten sind steif und spröde. Viele gängige Typen enthalten außerdem Blei. Das passt schlecht zu einem weichen, flexiblen und möglichst nachhaltigen Muskel, wie der Bericht beschreibt.

Abdi will das mit angepassten Materialzusammensetzungen lösen. Dazu kommen eigens entworfene, gedruckte Zellstrukturen (Gitter mit definierten Hohlräumen). Die nötige Leistung soll erreicht werden, ohne dass die Struktur ihre Weichheit verliert. Wie gut das gelingt, zeigt sich erst in den Labortests.




Warum Roboter weicher werden sollen

Die meisten Roboter bestehen noch aus starren mechanischen Teilen. Sie sollen aber zunehmend neben Menschen arbeiten: in Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Haushalten und Betrieben. Dort wären weichere und anpassungsfähigere Maschinen sicherer. Lebender Muskel dient als Vorbild, weil er Bewegung, Wahrnehmung und Reaktion auf Reize gleichzeitig leistet.

Abdi räumt laut dem Artikel ein, dass mehrere Muskelfunktionen in einer künstlichen Struktur eine große Herausforderung bleiben. Das Fellowship-Ziel ist deshalb bescheiden formuliert: ein Prototyp, der zeigt was möglich ist. Er soll die Basis für weitere Forschung legen. Ein marktreifes Produkt ist das noch nicht.




Andere Ansätze aus Harvard und MIT

Abdi ist nicht der Einzige, der Muskelverhalten in gedruckte Materialien einbauen will. Nach Angaben von 3D Printing Industry hat das Labor von Jennifer Lewis in Harvard mit rotierendem Multimaterialdruck haarfeine Filamente erzeugt. Sie biegen und kontrahieren sich wie biologischer Muskel. Dafür wird ein aktiver Flüssigkristall Elastomer mit einem passiven Elastomer gepaart. Die Formänderung wird also schon beim Drucken einprogrammiert.

Am MIT entstand ein Biofabrikationsverfahren für Muskelgewebe mit mehreren Faserrichtungen. Ein gedruckter Stempel prägt Rillen in ein weiches Hydrogel. Diese Rillen steuern, wie Muskelzellen wachsen. Das Team sieht muskelbasierte Aktoren als energieeffiziente Alternative zu starren Komponenten.

Beide Ansätze unterscheiden sich vom DMU Projekt. Harvard programmiert das Verhalten über Material und Druckprozess. Das MIT arbeitet mit lebenden Zellen. Abdi setzt auf Geometrie und piezoelektrische Verbundstrukturen. Einen Überblick, wie sich Eigenschaften verschiedener Druckwerkstoffe unterscheiden, gibt eine Übersicht zu 3D Druck Materialeigenschaften.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist das ein sauber begrenztes Grundlagenprojekt. Es verspricht keinen Serienroboter und sagt offen, dass die Kombination aus Bewegung, Sensorik und Energiegewinnung schwierig ist. Für den Mittelstand ändert sich kurzfristig nichts. In der Praxis arbeiten wir bei flexiblen Bauteilen heute mit Werkstoffen wie TPU und die sind weit von piezoelektrischen Verbunden entfernt. Spannend finde ich den Gedanken, Eigenschaften über die Geometrie statt nur über den Werkstoff zu steuern. Ob sich steife Piezokeramik so tatsächlich weich genug machen lässt, bleibt für mich offen. Der Prototyp wird das zeigen müssen.

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