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Anycubic Photon P1 Max im Test Großer Resindrucker unter 900 Euro

Autorenbild: Sascha Surbanoski
Sascha Surbanoski
13. Okt.
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Okt.

Quelle: Anycubic
Quelle: Anycubic

Der Anycubic Photon P1 Max ist ein MSLA Resindrucker (Masked Stereolithography: ein LCD blendet das UV Licht Schicht für Schicht aus) mit 18,3 Litern Bauvolumen. Laut einer Pressemeldung des Herstellers richtet er sich an fortgeschrittene Anwender, Studios und kleine Serien. Ein ausführlicher Praxistest hat ihn mit großen Figuren und einer vollen Bauplatte voller Miniaturen geprüft. Das Ergebnis fällt klar aus: fehlerfreie Drucke, ein paar handfeste Kritikpunkte und ein Preis unter 900 Euro.




Inhaltsverzeichnis




Das Wichtigste im Überblick

  • Bauraum: 285,5 x 214 x 300 mm (18,3 Liter) im Format 4:3

  • Display: 14 Zoll groß mit 12K Auflösung (monochrom) und 24,8 µm Pixelgröße

  • Lichtquelle: LightTurbo 4.0 mit über 92 Prozent Lichtgleichmäßigkeit

  • Trennfolie: Wave Release Technology mit strukturierter Oberfläche

  • Harztank: 1900 ml mit Heizung bis 35 °C

  • Z Achse: C7 Kugelumlaufspindel (±0,01 mm) und duale Linearschienen

  • Gewicht: 23,1 kg

  • Extras: Innenraumkamera mit Zeitraffer und Abluftanschluss für AirPure 2.0

  • Preis: regulär unter 900 Euro




Aufbau, Maße und Anschlüsse

Das Gehäuse ist mattweiß und wird von einer fast schwarzen Schutzhaube abgedeckt. Mit 23,1 kg ist der Drucker ausgesprochen schwer und massiv gebaut. Anycubic hat deshalb seitliche Griffmulden für den Transport eingearbeitet.

Geschlossen misst das Gerät 430 mm in der Breite und 414 mm in der Tiefe bei 625 mm Höhe. Die Haube klappt nach oben und hinten auf. Im Betrieb wachsen damit die Höhe auf rund 850 mm und die Tiefe auf etwa 650 mm. Das sollte vor dem Kauf eingeplant werden. Wer ein Regal oder einen Tisch mit wenig Luft nach oben hat und die Haube nicht öffnen kann, bekommt ein Problem.

Touchscreen und Netzschalter sitzen vorne rechts. Auf der Rückseite liegt der Anschluss für das optionale Abluftsystem AirPure 2.0 mit Schlauch nach draußen. Kritik gibt es am USB Port. Er sitzt seitlich und kostet bei eng nebeneinander stehenden Druckern unnötig Stellplatz.




Bauraum und Wave Release Technology

Das Format von 285,5 x 214 x 300 mm ist mit 4:3 bewusst breiter als das übliche 16:9. Tiefere Objekte lassen sich so effizienter auf der Bauplatte platzieren. Mit 18,3 Litern übertrifft das Volumen sogar das von FDM Druckern wie dem Bambu Lab X1C um fast zwei Liter.

Bei großen Druckflächen ist die Abzugskraft das größte Risiko. Anycubic setzt deshalb auf die Wave Release Technology. Die Folie im Harztank hat eine wellige und genoppte Struktur. Im Praxistest wird die Ablösekraft mit unter 500 g angegeben. Bei einer normalen NFEP Folie seien es bis zu 3500 g. Die Herstellermeldung nennt vorsichtiger eine Reduzierung um mehr als 60 Prozent.

In der Praxis bedeutet das weniger Fehldrucke und weniger Belastung für filigrane Strukturen. Theoretisch bleibt ein kleines Risiko für Schärfeverluste durch die Struktur der Folie. Im Test zeigte sich davon nichts. Mehr zum Zubehör steht in einem Beitrag über den Wave Release Film.




Belichtung, Bauplatte und Z Achse

Die Belichtung übernimmt das System LightTurbo 4.0. Es besteht aus einer COB Lichtquelle (mehrere LED Chips auf einem Träger) und einer asphärischen Fresnellinse. Der Kollimationswinkel liegt bei höchstens 3 Grad und die Lichtgleichmäßigkeit über 92 Prozent. Die Bildschirmeinheit ist federnd gelagert. Sie gibt beim Verdrängen des zähen Harzes nach. Das kann zu etwas dickeren ersten Schichten führen.

Die Bauplatte besteht aus geschliffenem SUS304 Edelstahl und wiegt 3,8 kg. Die Ebenheitstoleranz liegt unter 80 µm. Kritisiert wird die flache Oberseite. Überschüssiges Harz sammelt sich dort und läuft nicht ab. Außerdem fehlen Durchgangsbohrungen. Sie würden den Strömungswiderstand beim Eintauchen ins Harz deutlich senken.

Die Z Achse ist verwindungssteif gebaut. Eine C7 Kugelumlaufspindel mit einer Wiederholgenauigkeit von ±0,01 mm und zwei massive Linearschienen führen die schwere Platte. Ein robuster Hebelverschluss hält sie spielfrei. Laut Hersteller blockiert die geschlossene Haube mehr als 99,99 Prozent des UVA Umgebungslichts.




Bedienung, Kamera und heizbarer Tank

Die Ersteinrichtung läuft über einen Assistenten auf dem Display. Er führt durch Netzwerk und Sprache. Als Slicer (Software, die das Modell in Schichten zerlegt) dient Anycubics Photon Workshop mit direkter WLAN Übertragung. Alternativ lässt sich ChituBox nutzen.

Der Harztank fasst 1900 ml und hat eine Heizung bis 35 °C. Vor jedem Druck läuft eine Vorabprüfung. Sie kontrolliert die Bauplatte und sucht nach ausgehärteten Resten im Tank. Danach misst sie den Füllstand und temperiert das Harz. Dabei fährt die Platte auf und ab und verteilt die Wärme. Laut Hersteller verarbeitet das Gerät Harze bis 8000 cps und reicht für ein einzelnes 300 mm Modell ohne Nachfüllen.

Rechts über dem Tank sitzt eine Kamera mit zwei LED Leuchten für Zeitrafferaufnahmen. Eine KI Fehlererkennung soll per Firmware ab Version 5.0.9.8 folgen. Zum Testzeitpunkt mit Version 5.0.9.4 war sie noch deaktiviert. Zeitraffer lassen sich nicht über den Slicer laden. Sie müssen am Drucker per USB Stick als MP4 exportiert werden. Das gelbliche LED Licht lässt die Aufnahmen sehr warm wirken.

Einen ersten Überblick zur Ankündigung gibt der Beitrag zum Photon P1 Max mit großem Bauraum.




Das zeigt der Praxistest

Der erste Druck ging schief. Es kam zu massiven Ablösungen. Die Ursache lag nach Angabe des Testers nicht am Gerät. Er hatte überlagertes Harz verwendet das vom Hersteller zuvor zurückgerufen worden war und eine mangelhafte Viskosität hatte.

Zum Aufräumen nutzte er die Wannenreinigung im Menü. Der Screen belichtet dabei 10 bis 50 Sekunden vollflächig. Reste verbinden sich zu einer zusammenhängenden Schicht am Boden. Sie lässt sich mit einem Silikonspatel in einem Stück abziehen. Als Zubehör empfiehlt er eine große Silikonmatte als Unterlage.

Mit frischem grauem Harz gelang ein Testdruck einer Alien Schnecke auf Anhieb. Die Figur löste sich sauber von der Platte und war sehr scharf. Die Belichtungsparameter passten also.

Danach folgte eine mehrteilige Statue von Sauron aus Der Herr der Ringe. Der P1 Max druckte sie über viele Stunden problemlos. Gesliced wurde sie im Photon Workshop mit Stützstrukturen. Der Tester entfernte die Supports direkt nach dem Druck im ungehärteten Zustand mit Skalpell und Zange. In diesem Zustand lösen sie sich leichter und ohne Schäden an feinen Konturen. Das Ergebnis hatte gestochen scharfe Details und glatte Oberflächen. Rüstungsteile und Sockel passten fehlerfrei zusammen.

Für die Feinheit wurde die gesamte Bauplatte mit Dutzenden Tabletop Miniaturen aus Kriegern und Wölfen gefüllt. Bei MSLA bleibt die Druckzeit unabhängig von der Zahl der Figuren gleich. Alle Miniaturen kamen fehlerfrei und scharf heraus. Selbst feine Waffen und Gesichtszüge waren sauber abgebildet. Für Kleinserien ist das Gerät damit gut geeignet. Wer mit Resin erst einsteigen will findet Hintergründe in einem Beitrag zum Photon S.




Nachbearbeitung mit der Wash & Cure 3 Max

Zum Nachbearbeiten kam die Station Wash & Cure 3 Max zum Einsatz. Sie hat 15,1 Liter Nutzvolumen bei Korbmaßen von 305 x 165 x 300 mm. Sie braucht einen 4 Liter Kanister Isopropanol (mindestens 95 Prozent) und einen 5 Liter Kanister Frischwasser.

Das Modell dreht sich im Korb und wird zuerst mit IPA besprüht. Das IPA fließt zurück in den Kanister. Danach folgt eine Klarspülung mit den vollen 5 Litern Wasser. Es landet in einem Abwasserbehälter und muss als Sondermüll entsorgt werden. Zum Schluss härten seitliche UV Lampen mit 405 nm drei Minuten nach. Der ganze Ablauf dauert 15 bis 16 Minuten.

Der größte Kritikpunkt: Waschen und Härten lassen sich nicht einzeln anwählen. Supports können deshalb nicht zwischen den Schritten entfernt werden. Das bremst den Workflow bei Modellen die man lieber ungehärtet abstützen und trennen möchte.




Vor und Nachteile

Vorteile:


  • Großer Bauraum im Format 4:3

  • Fehlerfreie und sehr scharfe Drucke bei großen Modellen und voller Platte

  • Stark reduzierte Abzugskräfte durch Wave Release Folie

  • Beheizter Tank und stabile Z Achse

  • Stabile und schwere Bauplatte aus Edelstahl

  • Preis unter 900 Euro


Nachteile:


  • Hoher Platzbedarf bei geöffneter Haube (rund 850 mm Höhe und 650 mm Tiefe)

  • Seitlicher USB Port

  • Keine Abtropfschrägen und keine Durchgangsbohrungen in der Bauplatte

  • KI Fehlererkennung zum Testzeitpunkt noch nicht aktiv

  • Zeitraffer nur per USB Stick exportierbar

  • Wash & Cure 3 Max trennt Waschen und Härten nicht




Preis und Verfügbarkeit

Regulär kostet der Anycubic Photon P1 Max unter 900 Euro. Der Tester stuft das angesichts von Größe, 12K Auflösung, Z Achse und Tankheizung als sehr fair ein. Die Presale Preise nannte der Hersteller in einer Meldung vom 22. Juli 2026 in drei Stufen: 849 US Dollar bis 3. August, 899 US Dollar vom 4. bis 11. August und 959 US Dollar vom 12. bis 31. August. Jeweils waren drei Boni enthalten. Ab dem 1. September entfielen sie.

Zum zehnten Geburtstag der Marke vor einiger Zeit hat Anycubic gegenüber Testern angekündigt DLP Drucker wie den Photon Ultra aufgrund der Marktentwicklung nicht weiterzuführen. Die Firma setzt künftig stärker auf KI, automatisierte Systeme und ein einheitliches Betriebssystem. Neue Produkte sollen zur Messe Formnext im November folgen.




Vergleichbare Produkte

Anycubic hat selbst einen Bezugspunkt im Programm. Der Photon Mono M7 Max ist ebenfalls ein großer MSLA Drucker und wird in Bildung, Medizin und Bau eingesetzt. Er gehört zu einer älteren Generation als der P1 Max.


  • Halot Reihe von Creality: Creality bietet eigene MSLA Resindrucker an. Konkrete Modelle und Bauräume sollten vor einem Vergleich direkt beim Hersteller geprüft werden.




Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen

Zum P1 Max selbst gibt es bislang kaum eigene Diskussionen, am ehesten lassen sich verwandte Beiträge heranziehen. Im Beitrag einer Tabletop-Community geht es um Anycubics Water Wash Resin 2.0 für bemalbare D&D-Figuren. Das passt zum Praxistest mit der vollen Miniaturen-Bauplatte und zeigt, dass für solche Anwendungen die Wahl des Harzes und die Nachbearbeitung genauso zählen wie der Drucker. Eine Diskussion zur Photon Ultra als erstem Resindrucker betrifft dagegen ein kleineres Einsteigermodell. Sie ist daher nur bedingt übertragbar, denn der P1 Max richtet sich laut Hersteller an fortgeschrittene Anwender.

Wer sich das kleinere Schwestermodell ansehen möchte, findet in einem Video einen deutschsprachigen Test zum Anycubic Photon P1. Die Ergebnisse gelten nicht automatisch für die Max-Variante mit größerem Bauraum und Tankheizung. Belastbare Erfahrungsberichte aus dem Alltag, etwa zur Haltbarkeit der Wave Release Folie oder zum Verhalten der Heizung, stehen noch aus.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist der Photon P1 Max ein ernstzunehmendes Werkzeug für Kleinserien und große Figuren. Der Bauraum von 18,3 Litern und die geringe Abzugskraft nehmen Resindruck viel von seiner Fehleranfälligkeit. Für Prototypen und Modelle im Mittelstand ist ein Preis unter 900 Euro schwer zu schlagen. Ich würde aber den Platzbedarf bei geöffneter Haube und den Umgang mit Resin samt Sondermüll früh einplanen. Die fehlenden Bohrungen in der Bauplatte und die noch nicht aktive KI Erkennung sind Kleinigkeiten gegen die gelieferte Druckqualität. Ob die Wave Release Folie auf Dauer so robust bleibt wie versprochen müssen längere Einsätze zeigen. Eine belastbare Aussage dazu gibt es bisher nicht.

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