Bambu Lab R1: 55 Watt CO2 Laser mit automatischer Kalibrierung

Der Bambu Lab R1 ist der erste eigenständige Laser des Herstellers. Er arbeitet mit einer 55 Watt CO2 Laserröhre (eine gasgefüllte Röhre mit einer Wellenlänge von 10.600 nm) und einer Arbeitsfläche von 600 x 300 mm. Aus den 3D Druckern der Marke stammen Motorencoder und eine Vibrationskompensation. Dazu kommen zwei Kameras, Linienlaser und eine automatische Spiegelkalibrierung. Der Preis liegt bei 2.499 Euro.
Der Artikel ordnet die technischen Daten ein und fasst die Beobachtungen aus Praxistests zusammen. Er zeigt auch die Punkte, an denen das Gerät Grenzen hat. Das sind vor allem die Software und die Lautstärke.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste im Überblick
55 Watt CO2 Laserröhre mit 600 x 300 mm Arbeitsfläche
Maße 940 x 560 x 300 mm bei 33,5 kg Gewicht
Encodermotoren auf der X und Y Achse: bis 20.000 mm/s² Beschleunigung und bis 1.000 mm/s Verfahrgeschwindigkeit (in der Praxis meist etwa 500 mm/s)
Zwei Kameras mit einer visuellen Positionierungsgenauigkeit von unter 0,2 mm
Linienlaser für automatische Höhenmessung und 3D Scan gekrümmter Oberflächen
Vollautomatische Spiegelkalibrierung in etwa einer Minute
Geschlossen Laserklasse 1. Mit Riser Base oder Förderband Laserklasse 4
Steuerung per Touchscreen, USB, WLAN und LAN oder Bambu Suite. LightBurn wird nicht unterstützt
Betriebslautstärke rund 65 dBA aus 1 m Entfernung
Preis: 2.499 Euro
Die Zahlen stammen aus den Angaben der Herstellerseite zum R1 und aus Praxistests. Technisch fallen starke Parallelen zu Geräten von xTool auf. Das gilt für die Kamerafunktionen und den Aufbau der Software.
Aufbau, Maße und Erstinstallation
Der R1 kommt in einem großen Karton und wiegt 33,5 kg. Das Auspacken ist zu zweit deutlich einfacher. Mit 940 x 560 x 300 mm baut er etwas kompakter als der xTool P2S mit 1.000 x 639 x 268 mm.
Zuerst müssen die Transportsicherungen an den Achsen und am Laserkopf entfernt werden. Danach wird der externe Abluftventilator auf der Rückseite eingeklickt. Er befördert die Dämpfe über einen Schlauch nach draußen. Wer in einem geschlossenen Raum arbeitet kann Luftfilter wie den E1 Pro oder Filter von Drittherstellern anschließen.
Die interne Wasserkühlung wird vor dem ersten Start mit dem mitgelieferten Frostschutzmittel und 1,5 Litern destilliertem Wasser befüllt. Das Wasser liegt nicht bei und muss separat besorgt werden. Im Lieferumfang sind außerdem Schläuche und ein Kalibrierungsblock.
Bewegung, Kameras und Oberflächenscan
Die Bewegungssteuerung ist von den 3D Druckern übernommen. Encoder messen die Position auf der X und Y Achse. Eine dynamische Vibrationskompensation glättet Richtungswechsel des Laserkopfes. Das erlaubt laut Hersteller eine Beschleunigung von bis zu 20.000 mm/s² und eine gleichmäßige Gravurtiefe bis 1.000 mm/s. Bei Gravuren wird in der Praxis meist mit etwa 500 mm/s gearbeitet.
Für die Motivausrichtung hat der R1 eine Übersichtskamera im Deckel (Birds Eye) und eine Detailkamera direkt am Laserkopf. Damit erreicht das System eine Genauigkeit von unter 0,2 mm. Der Hersteller nennt die Kombination aus Kameras und Lasern TriSense.
Linienlaser messen den Fokus automatisch. Sie scannen auch unebene Werkstücke wie Schalen oder Löffel. Aus den Höhendaten entsteht eine Punktwolke (eine Menge von Messpunkten im Raum). Die Z Achse passt sich während der Bearbeitung dieser Oberfläche an. Ein Vision Encoder soll die absolute Bewegungsgenauigkeit über die ganze Arbeitsfläche innerhalb von 0,1 mm halten.
Touchscreen, Anbindung und Spiegelkalibrierung
Die Ersteinrichtung läuft menügeführt über den Touchscreen am Gerät. Die Verbindung zum PC geht per Bambu Cloud oder lokal im LAN mit IP Adresse und Zugangscode. Auch ein USB Kabel funktioniert.
Besonders ist die Spiegelkalibrierung. Bei CO2 Lasern muss der Strahlweg über mehrere Spiegel justiert werden. Das kostet normalerweise Testschüsse und Geduld. Beim R1 wird ein kleiner Sensor auf den Laserkopf gesteckt. Er misst den Strahl und korrigiert die Ausrichtung über Motoren in etwa einer Minute.
Der beiliegende Kalibrierungsblock gleicht zusätzlich Kameras und Laserkopf visuell ab. Auf dem Display lässt sich der Ablauf live verfolgen. Dort steht auch der Gerätestatus.
Präzision und Fokus im Praxistest
Für den Präzisionstest wurde eine 5,5 cm hohe Kartonschachtel in den Innenraum gestellt. Die Detailkamera erfasste Kanten und Schriften ohne Verzerrung. Die Gravur saß millimetergenau. Bei einer Holzschatulle gelang die automatische Fokussierung und Zentrierung ebenfalls fehlerfrei.
Ein doppelter Gravurdurchgang zeigte keinen sichtbaren Versatz an feinen Kanten. Das führen Tester auf die Motorencoder zurück. Die maximale Werkstückhöhe ohne Lamellen liegt bei rund 6 bis 7 cm. Für höhere Teile gibt es die Riser Base bis 20 cm.
Schnitt und Gravur in Acryl, Glas und Holz
CO2 Laser eignen sich gut für transparentes und farbiges Acryl sowie für Glas und Holz. Gegossenes GS Acryl in 3 mm Stärke schneidet der R1 sauber mit 10 mm/s. Bei hoher Leistung sind bis zu 25 mm/s möglich. Extrudiertes XT Acryl schmiert und zieht Fäden. Davon raten die Tester ab.
Bei transparentem Acryl braucht die automatische Fokusmessung manchmal Hilfe. Etwas blaues Malerkrepp auf dem Material vermeidet Reflexionen. Bis zu 10 mm GS Acryl lassen sich trennen wenn der Fokus manuell etwas tiefer gesetzt wird. Die Herstellerseite nennt dagegen 20 mm Acryl in einem Durchgang. Dort steht ein Hinweis auf Bedingungen. Welche das sind geht aus dem Seitentext nicht hervor. Als Zubehör werden Linsen mit längerem Fokus für dickeres Material angeboten.
Echtglas lässt sich mit 250 mm/s und einem Zeilenabstand von 0,11 mm sehr detailreich gravieren. 3 mm starkes Lindensperrholz schneidet der R1 mit 30 mm/s. Dank Air Assist (ein Luftstrom an der Schnittstelle) bleiben die Kanten sauber und kaum verkohlt. Der Hersteller gibt für schwarzes Walnusssperrholz bis zu 18 mm in einem Durchgang an.
Bei Holzgravuren erwiesen sich 200 bis 300 mm/s als detailreicher als die Werkseinstellungen. Passende Parameter lassen sich über Kalibrierungsmatrizen in Bambu Suite ermitteln. Eine gekrümmte Gravur auf einem Holzlöffel gelang über den 3D Scan präzise. Vorlagen können direkt von MakerWorld geladen werden. Bambu Materialien erkennt der R1 per QR Code und stellt Leistung und Geschwindigkeit automatisch ein.
Materialkunde: Was nicht unter den Laser gehört
Die Tester warnen ausdrücklich vor ungeeigneten Kunststoffen. Dazu gehören ABS und PVC. Beim Lasern entstehen hochgiftige Gase wie Blausäure und Chlorgas. Ein Feuerzeugtest zeigt bei ABS die starke Rußentwicklung.
Auch Styropor sowie Verpackungsschaum aus PE oder PU gelten als tabu. Hier entstehen Styrol und andere Dämpfe oder es besteht akute Brandgefahr. Als sichere Alternative für Schaumstoffe wird EVA Schaum empfohlen. Er wird im Cosplay verwendet. Akustikpaneele aus Polyesterfilz lassen sich bei guter Absaugung bearbeiten. Sie dürfen aber nicht chemisch flammhemmend behandelt sein.
Sicherheit, Absaugung und Laserklassen
Öffnet man den Deckel stoppt der Prozess nach wenigen Millimetern sofort. Er lässt sich über das Display an exakt derselben Stelle fortsetzen. Flammensensoren erkennen offenes Feuer im Bauraum und schlagen Alarm. Ein Notaus Schalter und ein Sicherheitsschlüssel gehören ebenfalls dazu. Ein automatisches Löschsystem wird als Zubehör angeboten.
Bei der Absaugung setzt der R1 auf eine Crossflow Belüftung. Frische Luft strömt von einer Seite ein und der Rauch wird auf der anderen Seite abgesaugt. Laut Hersteller setzen die meisten Laser dagegen auf einen einzelnen Abluftlüfter. Der E1 Pro Luftreiniger wird direkt an den Abluftauslass des R1 angeschlossen.
Im geschlossenen Zustand ist der R1 ein Laser der Klasse 1. Mit Erweiterungen wie der Riser Base oder dem Förderband für Material bis 3.000 x 600 mm wird er zu Klasse 4. Der Grund ist die offene Lamellendurchführung beim Förderband. Dann sind zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig. Für den Betrieb in Werkstatt oder Büro ist das eine wichtige Unterscheidung.
Software, Lautstärke und Zubehör
Bambu Suite bietet Vektorfunktionen und Pfadversätze sowie eine Bildnachzeichnung. Projekte lassen sich im internen Speicher ablegen und ohne PC direkt am Display erneut starten. LightBurn wird nicht unterstützt. Wer diese Software gewohnt ist muss umlernen. Die Software richtet sich laut Tests eher an Einsteiger. Das passt zur Linie bei den Einsteiger Druckern von Bambu Lab: viel Automatik und wenig Eingriffsmöglichkeiten. Wie eng der Hersteller sein Umfeld kontrolliert zeigte zuletzt auch der Streit um einen OrcaSlicer Fork.
Die Betriebslautstärke liegt bei rund 65 dBA aus 1 m Entfernung. Das ist vergleichbar mit einem Staubsauger. Die Wasserkühlung läuft auch im Standby hörbar weiter.
Als Zubehör gibt es die Riser Base für Objekte bis 20 cm Höhe und einen Rotationsaufsatz für Rundkörper. Dazu kommt das Fördersystem für Material bis 3.000 x 600 mm. Der Hersteller spricht von Platten bis 3 Meter Länge für Möbel und Regale. Außerdem gibt es austauschbare Linsen (M und L für dickere Schnitte) und den Vision Encoder für die Langzeitpräzision.
Vor und Nachteile
Vorteile:
Vollautomatische Spiegelkalibrierung in etwa einer Minute
Kameras und Linienlaser für präzise Ausrichtung und gekrümmte Oberflächen
Encodermotoren ohne sichtbaren Versatz bei doppelten Durchgängen
Laserklasse 1 im geschlossenen Zustand mit Sicherheitssensoren
Crossflow Belüftung und Anschluss für den E1 Pro
Projekte laufen ohne PC direkt vom Display
Rund 200 Euro günstiger als der xTool P2S
Nachteile:
Keine Unterstützung für LightBurn
Software eher auf Einsteiger ausgerichtet
Rund 65 dBA im Betrieb und hörbare Wasserkühlung im Standby
Destilliertes Wasser muss separat besorgt werden
Bei transparentem Acryl hilft manchmal Malerkrepp für die Fokusmessung
33,5 kg Gewicht erschweren Aufstellung und Transport
Mit Riser Base oder Förderband wird der Laser zu Klasse 4
Preis und Verfügbarkeit
Der Bambu Lab R1 kostet 2.499 Euro. Laut dem Test ist er damit rund 200 Euro günstiger als der xTool P2S. Zubehör wie Riser Base, Rotationsaufsatz oder Förderband wird separat angeboten. Das Gerät lässt sich über die Produktseite des Herstellers bestellen.
Vergleichbare Produkte
xTool P2 55W CO2 Laser: Die Herstellerseite nennt eine Standalone Version mit 16 MP Doppelkamera und Auto Passthrough. Die Arbeitsfläche liegt laut Händlerangabe bei 600 x 305 mm und damit nahe am R1. Der Preis beträgt laut US Seite ca. 2.999 USD. Im Test gilt der R1 technisch als überlegen.
AtomStack Hurricane: Die Arbeitsfläche beträgt 500 x 300 mm und lässt sich mit optionalem Förderer erweitern. Die Kamera hat 5 MP statt der Zwei Kamera Lösung des R1. Im Hersteller Shop stand ein Angebot von 2.699 USD statt 2.929 USD.
OMTech Polar Lite: Das Gerät hat ebenfalls 55 Watt und bis zu 500 mm/s. Es richtet sich stärker an Hobby und Heimnutzung. Die Gravurfläche beträgt 500 x 300 mm. Eine Positionierung per Linienlaser oder Kamera wie beim R1 wird nicht genannt.
Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen
Die öffentliche Diskussion steht noch am Anfang. In einem Thread der Bambu Lab Community wird der R1 als CO2-Laser mit Marktstart am 22. September angekündigt. Der Beitrag liefert vor allem Eckdaten, aber noch keine Langzeiterfahrungen. Kritischer fällt der Testbericht von FauxHammer aus. Schon der Titel beschreibt den 55-Watt-Laser als Kampf gegen die Software. Das deckt sich mit dem Eindruck, dass die Software aktuell die größte Schwachstelle ist. Deutlich positiver ist der Ton im Video von Steve Makes Everything, das Kaufinteressenten rät, vor einem anderen CO2-Laser erst den R1 anzusehen. Das ist eine klare Empfehlung, sie ersetzt aber keinen Vergleich unter gleichen Bedingungen.
Für den praktischen Einstieg lohnt sich das Unboxing von Crafty Kari. Es zeigt Einrichtung und erste Projekte aus Sicht einer Anwenderin, die vor allem kreativ arbeitet. Alle genannten Stimmen stammen aus der frühen Phase nach dem Launch. Wie sich Röhrenlebensdauer, Software-Updates und Lautstärke im Dauerbetrieb entwickeln, bleibt offen.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht löst der R1 das lästigste Problem von CO2 Lasern: die Justage des Strahlwegs. Eine Minute statt Testschüssen ist im Alltag mit wechselnden Bedienern ein echter Vorteil. Kameras und Encoder wirken stimmig und die Sicherheitsausstattung ist ordentlich. Bei 65 dBA und einer Wasserkühlung die im Standby läuft würde ich das Gerät aber nicht in ein Großraumbüro stellen. Die fehlende LightBurn Unterstützung sehe ich skeptisch. Wer Laser schon produktiv nutzt hat dort oft Vorlagen und Routinen. Für Prototypen und Vorrichtungen in Ergänzung zum 3D Druck ist der R1 für 2.499 Euro ein ernstzunehmendes Angebot. Für den Dauerbetrieb im Mittelstand fehlen mir noch Langzeitdaten.





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