top of page

Grenzebach gründet eigenständige AM-Tochter, 3D-Druck als Kerngeschäft

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 6 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit


Inhaltsverzeichnis


Grenzebach, ein mittelständischer Maschinenbauer mit Wurzeln in der Glas-, Holz- und Baustoffverarbeitung, hat seinen Additive-Manufacturing-Bereich als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. Der Schritt ist kein Zufall: Er markiert einen strategischen Wendepunkt, bei dem 3D-Druck nicht länger als Nebenprojekt gilt, sondern als tragfähiges Kerngeschäft behandelt wird.




Der Anwendungsfall: Additive Manufacturing als eigenständiger Geschäftsbereich

Bei Grenzebach geht es nicht um ein einzelnes Bauteil, das per 3D-Druck gefertigt wird. Der Anwendungsfall ist struktureller Natur: Ein etablierter Industriekonzern hat über Jahre intern Kompetenzen im Bereich der additiven Fertigung aufgebaut und entscheidet sich nun, diese Kompetenz in eine separate Gesellschaft zu überführen. Das ist ein Modell, das in der Branche selten, aber zunehmend zu beobachten ist.

Grenzebach hat sich dabei auf großformatige und industriell relevante Fertigungsverfahren konzentriert, die weit über das hinausgehen, was klassische Prototypen-Dienstleister anbieten. Im Fokus stehen Anwendungen für die Serienproduktion und für Branchen, die hohe Anforderungen an Maßhaltigkeit, Materialfestigkeit und Prozesssicherheit stellen. Ähnliche Entwicklungen im Bereich industrieller Metallverarbeitung durch additive Verfahren beschreibt auch der Artikel über Metall-3D-Druck von AddUp, der zeigt, wie Hersteller ihre AM-Kompetenz gezielt ausbauen und kommunizieren.




Warum hat Grenzebach diesen Schritt gewählt?

Die Ausgliederung eines Geschäftsbereichs als eigenständige Gesellschaft ist kein rein operativer Schritt, sondern ein strategisches Signal. Innerhalb eines großen Konzerns kämpfen neue Technologiebereiche häufig um Ressourcen, Budgets und interne Aufmerksamkeit. Als eigenständiges Unternehmen kann die AM-Einheit eigene Prioritäten setzen, schneller auf Marktveränderungen reagieren und gezielt externe Investoren oder Kunden ansprechen, ohne durch Konzernstrukturen gebremst zu werden.

Ein weiterer Treiber dürfte die wachsende Nachfrage nach industriellen AM-Lösungen sein. Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilindustrie oder der Luft- und Raumfahrt suchen zunehmend nach spezialisierten Partnern, die nicht nur Drucker verkaufen, sondern ganzheitliche Fertigungslösungen liefern. Ein eigenständiges Unternehmen kann diese Positionierung glaubwürdiger vertreten als eine interne Abteilung eines Generalisten. Dass Grenzebach diesen Weg geht, deutet darauf hin, dass der interne AM-Bereich bereits eine kritische Größe erreicht hat, die eine eigenständige Marktbearbeitung rechtfertigt.




Verfahren und Technologiefokus im Detail

Grenzebach hat sich im Bereich der additiven Fertigung auf großformatige Anwendungen spezialisiert. Konkret setzt das Unternehmen auf Verfahren, die für industrielle Maßstäbe geeignet sind, darunter Ansätze aus dem Bereich der drahtbasierten additiven Fertigung (WAAM, Wire Arc Additive Manufacturing: ein Verfahren, bei dem Schweißdraht durch einen Lichtbogen aufgeschmolzen und schichtweise aufgetragen wird) sowie weitere DED-Technologien (Directed Energy Deposition, also gerichtete Energieabscheidung). Diese Verfahren eignen sich besonders für metallische Großbauteile, bei denen konventionelle Fertigungsmethoden wie Fräsen oder Gießen an wirtschaftliche oder geometrische Grenzen stoßen.

Der Vorteil dieser Technologien liegt in der Möglichkeit, sehr große Bauteile mit vergleichsweise geringem Materialverlust herzustellen. Im Gegensatz zu subtraktiven Verfahren (Fräsen, Drehen), bei denen Material abgetragen wird, baut WAAM das Bauteil schichtweise auf. Das reduziert den Rohstoffeinsatz erheblich, was bei teuren Metallen wie Titan oder hochlegierten Stählen wirtschaftlich relevant ist. Für Unternehmen, die Metall-3D-Druck in ihre Prozesskette integrieren wollen, ist dieser Aspekt oft der entscheidende Einstiegspunkt.




Was wurde konkret verbessert?

Belastbare Zahlen zu Kosteneinsparungen oder Durchlaufzeiten hat Grenzebach im Rahmen der Ausgliederungsmeldung nicht veröffentlicht. Was sich jedoch aus dem strukturellen Schritt ableiten lässt: Die neue Eigenständigkeit soll die Reaktionsfähigkeit erhöhen und den Zugang zu neuen Märkten erleichtern. Für Kunden bedeutet das potenziell kürzere Entscheidungswege und eine fokussiertere Beratung, weil das Unternehmen ausschließlich auf AM spezialisiert ist.

Herausfordernd bleibt die Frage der Skalierung. Industrielle AM-Verfahren wie WAAM sind technisch anspruchsvoll und erfordern qualifiziertes Personal sowie aufwendige Nachbearbeitungsschritte (Wärmebehandlung, spanende Nachbearbeitung). Diese Komplexität ist ein bekanntes Hemmnis bei der breiteren Marktdurchdringung. Ob die neue Gesellschaft diese Hürden schneller überwinden kann als eine interne Abteilung, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Was lässt sich aus dem Grenzebach-Schritt für mittelständische Unternehmen ableiten? Zunächst das Offensichtliche: Nicht jeder Mittelständler kann oder sollte eine eigene AM-Tochter gründen. Aber das Modell zeigt, dass additive Fertigung inzwischen eine Reife erreicht hat, die eigenständige Geschäftsmodelle trägt. Wer als Mittelständler AM-Kompetenz aufbauen will, sollte prüfen, ob das intern oder über externe Dienstleister sinnvoller ist.

Für viele Unternehmen ist der pragmatischere Weg die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister, der die Technologie, das Material-Know-how und die Nachbearbeitungskompetenz bereits mitbringt. Das gilt besonders für Anwendungen im Bereich Ersatzteile oder Vorrichtungen, wo die Stückzahlen oft zu gering sind, um eine eigene Anlage wirtschaftlich zu betreiben. Der Einstieg über einen Dienstleister ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln, Prozesse zu validieren und dann fundiert zu entscheiden, ob eine Eigeninvestition sinnvoll ist.

Wer konkrete Bauteile oder Anwendungsfälle prüfen möchte, kann über den Preisrechner auf 3ddrucklife.de eine erste Kostenschätzung erhalten, ohne sofort in eine Beratung einsteigen zu müssen.




Persönliches Fazit

Die Ausgliederung des AM-Bereichs bei Grenzebach ist ein interessantes Signal, weil sie zeigt, dass 3D-Druck im industriellen Umfeld erwachsen geworden ist. Wenn ein etablierter Maschinenbauer seinen AM-Arm verselbstständigt, dann nicht aus Spieltrieb, sondern weil das Marktpotenzial eine eigenständige Unternehmensstruktur rechtfertigt.

Gleichzeitig sollte man den Schritt nicht überbewerten. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: Die neue Gesellschaft muss beweisen, dass sie am Markt bestehen kann, Kunden gewinnt und die technischen Herausforderungen großformatiger AM-Verfahren zuverlässig beherrscht. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Aus meiner Praxis als 3D-Druck-Dienstleister sehe ich solche Ausgliederungen als positives Zeichen für die Branche insgesamt. Sie erhöhen den Wettbewerb, treiben die Spezialisierung voran und signalisieren potenziellen Kunden, dass AM kein Nischenthema mehr ist. Für Mittelständler, die noch zögern, ist das ein weiterer Grund, sich ernsthaft mit additiver Fertigung auseinanderzusetzen, auch wenn der eigene Einstieg bescheidener beginnt als bei einem Konzern wie Grenzebach.

bottom of page