Carbon auf der Formnext 2026 und weiteren Fachmessen: Der Messekalender im Überblick
- Sascha Surbanoski

- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Carbon hat seinen Messekalender für 2026 veröffentlicht und plant Auftritte auf insgesamt fünf internationalen Fachveranstaltungen. Das Unternehmen aus Redwood City, Kalifornien, ist bekannt für sein CLIP-Verfahren (Continuous Liquid Interface Production), das Harze mit Licht und Sauerstoff aushärtet und deutlich schnellere Druckzeiten als klassische SLA-Verfahren ermöglicht. Die Messepräsenzen richten sich an Fachbesucher aus Industrie, Dentalbranche, Mode und Motorsport.
Inhaltsverzeichnis
TCT 3Sixty in Birmingham
Den Auftakt macht die TCT 3Sixty vom 2. bis 4. Juni 2026 in Birmingham, UK. Die Messe gilt als eine der wichtigsten europäischen Plattformen für additive Fertigung und zieht Fachbesucher aus Industrie, Forschung und Entwicklung an. Carbon wird dort mit einem eigenen Stand vertreten sein und voraussichtlich aktuelle Materialien und Anwendungsbeispiele aus dem CLIP-Ökosystem zeigen. Laut der Carbon-Veranstaltungsseite sind alle Messetermine offiziell bestätigt.
ADT in Nürtingen: Fokus Dentaltechnik
Nur wenige Tage später, vom 4. bis 6. Juni 2026, nimmt Carbon an der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie (ADT) in Nürtingen teil. Die ADT ist eine der führenden deutschsprachigen Fachtagungen für Zahntechnik und Dentallabore. Carbon hat in den vergangenen Jahren gezielt in dentale Anwendungen investiert, darunter Schienen, Prothesenbasisplatten und Kronen aus speziellen Dentalharzen. Dieser Auftritt passt zur Strategie des Unternehmens, additive Fertigung als Standardprozess in der Zahntechnik zu etablieren. Mehr zu Carbons Dental-Engagement findet sich im Bericht Carbon auf der DTS und LMT Lab Day West 2026.
PI Apparel NYC: Additive Fertigung in der Modeindustrie
Am 28. und 29. Juli 2026 ist Carbon auf der PI Apparel NYC im Center 415 in New York City präsent. PI Apparel ist eine Konferenz, die sich auf Technologieinnovationen in der Bekleidungs- und Schuhbranche konzentriert. Carbon hat in diesem Segment bereits Partnerschaften mit Sportartikelherstellern aufgebaut, etwa für gedruckte Zwischensohlen und Polsterstrukturen. In der Praxis bedeutet das, dass Gitterstrukturen (Lattice Structures), die mit CLIP gedruckt werden, mechanische Eigenschaften wie Dämpfung und Rückfederung präzise abstimmen lassen.
MIA CTS in Silverstone: Motorsport und Hochleistungsteile
Vom 14. bis 15. Oktober 2026 folgt die MIA CTS im Silverstone Wing in Northamptonshire, UK. Die Veranstaltung richtet sich an die Motorsportindustrie und deren Zulieferer. Carbon-Technologie wird dort im Kontext von Leichtbauteilen und funktionalen Prototypen positioniert. Gerade im Motorsport sind kurze Iterationszyklen und materialstarke Bauteile gefragt, was CLIP-gedruckten Teilen aus Polyurethan- oder Epoxidharzen in die Karten spielt.
Formnext Frankfurt: Das Jahreshighlight
Den Abschluss bildet die Formnext vom 17. bis 20. November 2026 in Frankfurt am Main. Carbon ist dort in Halle 12.1 am Stand F-109 zu finden. Die Formnext ist die weltweit bedeutendste Fachmesse für additive Fertigung und zieht jährlich über 800 Aussteller und mehr als 35.000 Fachbesucher an. Für Carbon ist die Formnext traditionell die wichtigste Bühne, um neue Materialien, Systemupdates und Industriepartnerschaften einem internationalen Publikum vorzustellen.
Preis und Verfügbarkeit
Carbon vertreibt seine Drucksysteme ausschließlich über ein Abonnementmodell, bei dem Unternehmen Zugang zu Hardware, Software und Materialien erhalten. Ein offizieller Einzelpreis für die Geräte wird nicht kommuniziert; Interessenten wenden sich direkt an Carbon für ein individuelles Angebot. Die Messeauftritte 2026 bieten Gelegenheit, das System vor Ort kennenzulernen und Gespräche mit dem Vertriebsteam zu führen. Alle Termindetails sind auf der Carbon-Veranstaltungsseite abrufbar.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Wer professionelle Harzdrucker für industrielle Anwendungen evaluiert, findet neben Carbon einige weitere etablierte Anbieter in diesem Segment:
Form-Drucker von Formlabs: Formlabs adressiert mit der Form-4-Serie und dem großformatigen Form 3L sowohl Labore als auch industrielle Anwender. Die Geräte sind im Vergleich zu Carbon-Systemen deutlich günstiger in der Anschaffung und ohne Abonnementzwang erhältlich. Besonders stark im Dental- und Medizinbereich.
Markforged: Markforged setzt auf FFF-Technologie mit kontinuierlicher Faserverstärkung (Kohlefaser, Glasfaser) und richtet sich klar an industrielle Endanwender, die hochfeste Teile benötigen. Kein Harzverfahren, aber eine direkte Alternative für funktionale Bauteile in Produktion und Werkzeugbau.
Ultimaker (UltiMaker): UltiMaker positioniert sich mit dem S-Series-Portfolio als zuverlässige FDM-Plattform für Unternehmen. Weniger auf Hochleistungsharze ausgerichtet, aber im Bereich Prototyping und Kleinserienfertigung mit breiter Materialpalette eine solide Wahl für den Mittelstand.
Aktueller Status und Markterwartung
Carbon hat sich in den vergangenen Jahren von einem reinen Technologieanbieter zu einem Plattformunternehmen entwickelt, das Materialentwicklung, Druckhardware und Software aus einer Hand anbietet. Die Konzentration auf Branchen wie Dental, Sportartikel und Automotive zeigt, dass das Unternehmen gezielt dort wächst, wo additive Fertigung echte Prozesskostenvorteile gegenüber Spritzguss oder CNC-Bearbeitung bietet. Der dichte Messekalender 2026 signalisiert, dass Carbon seine internationale Präsenz weiter ausbauen will, insbesondere in Europa. Ob auf der Formnext neue Produkte oder Materialien angekündigt werden, ist bisher nicht bekannt; erfahrungsgemäß nutzt Carbon die Messe jedoch für substanzielle Ankündigungen.
Für Unternehmen, die additive Fertigung in ihre Produktionskette integrieren wollen, lohnt sich ein Besuch an einem der genannten Messestände. Wer sich vorab über carbonfaserverstärkte Materialien im FFF-Bereich informieren möchte, findet im Artikel Xenia bringt carbonfaserverstärktes PPA-Filament für den FFF-3D-Druck eine ergänzende Perspektive auf Hochleistungsmaterialien.
Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen
In der 3D-Druck-Community auf Reddit finden sich bislang keine direkten Diskussionen zu Carbons Messekalender 2026 oder dem CLIP-Verfahren im Kontext der angekündigten Veranstaltungen. Randständig relevant ist ein Thread auf r/3Dprinting, der zwar den Begriff „Carbon" im Titel trägt, sich aber mit einem 3D-druckbaren Actionfiguren-Projekt befasst und keinen Bezug zu Carbon Inc. oder dem CLIP-Verfahren hat. Ähnlich verhält es sich mit einem Beitrag auf r/Damnthatsinteresting über 3D-gedruckte Titan-Bremssättel am Bugatti Chiron, der zwar industriellen 3D-Druck im Hochleistungsbereich thematisiert, einem Segment, das Carbon ebenfalls adressiert –, jedoch keinen direkten Bezug zum Unternehmen oder seinen Messeplänen herstellt.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lagen zu Carbons spezifischen Messeauftritten und dem CLIP-Ökosystem keine konkreten Reddit-Threads vor, die eine belastbare Community-Einschätzung liefern würden. Sobald sich öffentliche Diskussionen, etwa im Vorfeld der TCT 3Sixty oder der Formnext, abzeichnen, wird dieser Abschnitt aktualisiert.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist Carbons Messestrategie für 2026 gut durchdacht. Die Kombination aus Dental-Fachtagung, Modeindustrie-Konferenz, Motorsport-Event und der Formnext zeigt, dass Carbon keine Branche pauschal bedient, sondern gezielt dort auftritt, wo die Zahlungsbereitschaft für additive Fertigung hoch ist. In der Praxis bei meinen Kunden aus dem Mittelstand ist Carbon-Technologie noch selten anzutreffen, weil das Abonnementmodell eine gewisse Einstiegshürde darstellt. Wer aber Stückzahlen im vier- bis fünfstelligen Bereich produziert und auf Spritzgusswerkzeuge verzichten möchte, findet in CLIP eine ernstzunehmende Alternative. Ich empfehle Interessenten, die Formnext-Präsenz in Frankfurt zu nutzen, um konkrete Teile und Materialproben direkt am Stand zu begutachten. Die Faktengrundlage für diesen Artikel ist bewusst schmal gehalten, da die Quellmeldung ausschließlich Terminankündigungen enthält und keine technischen Neuheiten kommuniziert wurden.



