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Kupfer-Kühlplatten für Elektronik, 3D-Druck in der Thermaltechnik

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
3D-gedruckte Kühlplatte aus reinem Kupfer für Elektronikkühlung, additiv gefertigt, Metall-3D-Druck
Quelle: Voxel Matters / University of Illinois

Die University of Illinois hat mit einem Forschungsteam gezeigt, dass sich Kühlplatten aus reinem Kupfer additiv fertigen lassen, und das mit einer Qualität, die für den Einsatz in der Leistungselektronik relevant ist. Das klingt nach einem Laborergebnis, hat aber direkte Implikationen für alle, die mit Wärmemanagement in engen Bauräumen zu kämpfen haben.




Inhaltsverzeichnis




Das Bauteil und der Anwendungsfall

Bei den gefertigten Bauteilen handelt es sich um sogenannte Cold Plates (Kühlplatten): flache, von einem Kühlmedium durchströmte Metallplatten, die direkt auf wärmeentwickelnde Elektronikkomponenten montiert werden. Sie leiten die entstehende Wärme aktiv ab und verhindern Überhitzung. Einsatzgebiete reichen von Leistungsmodulen in Elektrofahrzeugen über Hochleistungsrechner bis hin zu Industriesteuerungen.

Das Besondere an der Arbeit des Illinois-Teams: Die Kühlplatten bestehen aus nahezu reinem Kupfer. Kupfer hat unter allen technischen Metallen die zweithöchste Wärmeleitfähigkeit nach Silber, ein entscheidender Vorteil für Kühlapplikationen. Gleichzeitig ist reines Kupfer für den Metall-3D-Druck notorisch schwierig zu verarbeiten, weil es Laserstrahlung stark reflektiert und sich thermisch anders verhält als Stahl oder Aluminium.




Warum hat das Team auf 3D-Druck gesetzt?

Konventionell gefertigte Kühlplatten entstehen durch Fräsen, Löten oder Strangpressen. Diese Verfahren stoßen an Grenzen, sobald die Kühlkanalgeometrie komplex wird: Mäanderförmige, dreidimensional verzweigte oder auf einen spezifischen Hotspot abgestimmte Kanäle lassen sich mit subtraktiven Methoden kaum wirtschaftlich herstellen. Jede Änderung am Kanal-Layout erfordert neue Werkzeuge oder Vorrichtungen.

Additive Fertigung erlaubt es, die Kanalgeometrie direkt aus der Simulation zu übernehmen und ohne Mehrkosten zu realisieren. Für ein Forschungsteam, das verschiedene Geometrien vergleichen will, ist das ein erheblicher Vorteil: Iterationen kosten keine neuen Werkzeuge, sondern nur Druckzeit.




Verfahren und Material im Detail

Das Team nutzte ein pulverbettbasiertes Laserverfahren (Powder Bed Fusion, kurz PBF), bei dem ein Hochleistungslaser Kupferpulver Schicht für Schicht aufschmilzt und so das dreidimensionale Bauteil aufbaut. Die Herausforderung bei Kupfer liegt in seiner hohen Reflektivität: Konventionelle Infrarot-Laser werden zu einem großen Teil zurückgeworfen, was die Energieeffizienz senkt und die Prozessstabilität erschwert. Neuere Anlagen setzen deshalb auf Grünlicht-Laser (Wellenlänge ca. 515 nm), die von Kupfer deutlich besser absorbiert werden.

Das verwendete Material ist reines Kupfer (Cu) mit einer Reinheit, die eine Wärmeleitfähigkeit nahe dem Materialoptimum ermöglicht. Legierungen wie CuCrZr oder Bronze wären einfacher zu drucken, würden aber die thermische Leitfähigkeit spürbar reduzieren. Die Entscheidung für Reinkupfer ist also bewusst und zielt auf maximale Kühlleistung, auch wenn sie den Prozess anspruchsvoller macht.




Was wurde konkret verbessert?

Die gedruckten Kühlplatten erreichten laut dem Forschungsteam eine Wärmeleitfähigkeit, die mit konventionell hergestellten Kupferbauteilen vergleichbar ist. Das ist kein Selbstläufer: Additiv gefertigte Metallteile weisen häufig eine höhere Porosität auf, die die thermischen und mechanischen Eigenschaften verschlechtert. Dass dies bei Reinkupfer im PBF-Prozess gelingt, ist ein relevanter Fortschritt.

Darüber hinaus konnten Kühlkanalgeometrien realisiert werden, die mit Fräsen oder Löten nicht herstellbar gewesen wären. Konkrete Zahlen zu Durchflussraten, Druckabfall oder Temperaturdifferenzen wurden in der öffentlich zugänglichen Berichterstattung nicht vollständig veröffentlicht. Ehrlich gesagt bleibt die Datenlage hier noch dünn: Das Ergebnis ist ein Proof of Concept mit industrieller Relevanz, aber noch kein serienreifes Fertigungsverfahren.

Als Herausforderung bleibt die Prozessstabilität bei Reinkupfer. Porosität, Rissbildung und Oberflächenrauheit im Innern der Kühlkanäle sind Faktoren, die für einen Serieneinsatz weiter optimiert werden müssen. Nachbearbeitungsschritte wie Heißisostatisches Pressen (HIP) oder elektrochemisches Polieren der Kanalinnenwände sind denkbar, erhöhen aber Aufwand und Kosten.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Für Unternehmen, die Leistungselektronik entwickeln oder einsetzen, ist dieser Ansatz mittelfristig relevant. Wer heute Kühlplatten zukauft oder fräsen lässt, kann mit additiver Fertigung zwei Dinge gewinnen: erstens schnellere Iterationen in der Entwicklungsphase, zweitens optimierte Geometrien im Serienbauteil. Beides setzt voraus, dass die thermische Simulation und das CAD-Modell eng verzahnt sind.

Die Investition in eine eigene Kupfer-fähige PBF-Anlage ist für die meisten Mittelständler nicht wirtschaftlich. Der sinnvollere Weg ist die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister, der Erfahrung mit reaktiven und hochreflektiven Metallen mitbringt. Typische Stolpersteine sind dabei die Bauteilnachbearbeitung, die Qualitätssicherung der Innenkanäle und die Zertifizierung für sicherheitskritische Anwendungen. Wer prüfen möchte, ob ein solches Bauteil für den eigenen Anwendungsfall wirtschaftlich sinnvoll ist, kann die Kosten über den Preisrechner von 3ddrucklife.de abschätzen.

Für Prototypen und Kleinserien ist der Einstieg heute schon möglich. Bei größeren Stückzahlen muss der Kostenvergleich mit konventioneller Fertigung sorgfältig geführt werden, da PBF-Anlagen mit Kupfer noch zu den kostenintensiveren Verfahren gehören.




Persönliches Fazit

Ich finde diesen Use-Case aus mehreren Gründen bemerkenswert. Kupfer im 3D-Druck ist kein Neuland, aber Reinkupfer mit wettbewerbsfähigen thermischen Eigenschaften herzustellen, war lange ein offenes Problem. Dass ein Universitätsteam das jetzt reproduzierbar zeigt, ist ein echter Schritt nach vorne.

Was mich als Praktiker interessiert: Wie sehen die Innenkanäle nach dem Druck aus? Rauheit und Porosität entscheiden darüber, ob eine Kühlplatte im Betrieb zuverlässig bleibt oder ob Ablagerungen und Druckverluste das Bauteil langfristig kompromittieren. Hier fehlen mir noch belastbare Langzeitdaten.

Für die Industrie ist das Signal trotzdem klar: Wärmemanagement ist einer der vielversprechendsten Anwendungsbereiche für Metall-3D-Druck, weil die Geometriefreiheit direkt in bessere Kühlleistung übersetzt werden kann. Wer in der Leistungselektronik, im E-Mobility-Bereich oder in der Hochleistungsrechentechnik tätig ist, sollte diesen Entwicklungsstrang im Blick behalten. Die Technologie ist noch nicht serienreif für alle Anwendungen, aber der Abstand zur Praxistauglichkeit wird kleiner.

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