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Medizin, Materialwissen und Großformat-Praxis im Fokus

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

BigRep ist einer der wenigen Hersteller, die sich konsequent auf großformatige industrielle 3D-Drucker spezialisiert haben. Der zugehörige Blog des Berliner Unternehmens spiegelt diese Ausrichtung wider: Die aktuellen Beiträge aus dem Frühjahr 2026 zeigen, wie breit das Anwendungsspektrum inzwischen ist. Medizintechnik, Atmosphärenforschung, Materialwissenschaft und praktische Fertigungstipps stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dieser Überblick fasst die wichtigsten Themen zusammen und ordnet sie ein.




Inhaltsverzeichnis




Medizinischer 3D-Druck: Rollstühle und Orthesen im Großformat

Einer der inhaltlich stärksten Beiträge im BigRep Blog vom Mai 2026 widmet sich dem medizinischen Großformat-3D-Druck. Konkret geht es um Rollstuhlrahmen und Skoliose-Brackets (orthopädische Stützschienen), die bisher in aufwendiger Handarbeit gefertigt wurden. Laut dem Beitrag lässt sich die Herstellungszeit für Skoliose-Brackets durch den Einsatz von Large-Format Additive Manufacturing von drei Wochen auf drei Tage reduzieren. Das ist eine Verkürzung um rund 85 Prozent, was in der Patientenversorgung einen erheblichen Unterschied machen kann.

Besonders relevant ist dabei, dass Rollstuhlrahmen und Orthesen in voller Größe in einem einzigen Druckvorgang hergestellt werden können. Das vermeidet Fügestellen, die mechanisch schwächere Punkte darstellen, und vereinfacht die Qualitätssicherung erheblich. In der Praxis bedeutet das: weniger manuelle Nacharbeit, kürzere Lieferketten und eine bessere Anpassbarkeit an individuelle Patientenmaße. Laut BigRep-Blogbeitrag vom 7. Mai 2026 ist das ein konkreter Beleg dafür, dass Großformat-AM nicht nur für Industrie und Automotive relevant ist.




Paravan: Fahrzeuganpassung mit Large-Format AM

Ebenfalls vom 7. Mai 2026 stammt ein Praxisbericht über Paravan, ein Unternehmen, das seit 2005 Fahrzeuge für Menschen mit Behinderungen oder besonderen Bedürfnissen anpasst. Paravan setzt dabei nun auf die großformatigen Additivsysteme von BigRep. Der Bericht zeigt, wie individuell gefertigte Bauteile für Fahrzeuganpassungen direkt aus dem Drucker kommen, ohne den Umweg über teure Spritzgusswerkzeuge.

Das ist ein klassisches Beispiel für den wirtschaftlichen Vorteil von Additive Manufacturing bei kleinen Stückzahlen. Fahrzeuganpassungen für Menschen mit Behinderungen sind per Definition individuell. Jede Lösung ist ein Unikat oder wird in sehr kleiner Serie gefertigt. Konventionelle Fertigungsverfahren sind hier entweder zu teuer oder zu langsam. Der Großformat-3D-Druck schließt diese Lücke.




ABS vs. PETG: Materialwahl für industrielle Anwendungen

Ein weiterer Beitrag vom 22. April 2026 vergleicht ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) und PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) für den industriellen 3D-Druck. Beide Materialien gehören zu den meistgenutzten Thermoplasten im FDM-Bereich (Fused Deposition Modeling, also schichtweises Aufschmelzen von Kunststofffäden). Der Vergleich beleuchtet Festigkeit, Hitzebeständigkeit und typische Einsatzbereiche.

ABS ist bekannt für seine höhere Wärmeformbeständigkeit und mechanische Belastbarkeit, erfordert aber eine beheizte Druckkammer und ist empfindlicher gegenüber Verzug. PETG hingegen ist einfacher zu drucken, chemisch beständiger und eignet sich gut für Teile, die mit Feuchtigkeit oder Lebensmitteln in Kontakt kommen. Für industrielle Anwender ist dieser Vergleich praxisrelevant, weil die Materialwahl direkt die Bauteilqualität und die Prozesssicherheit beeinflusst. Laut BigRep-Blogbeitrag vom 22. April 2026 gibt es kein universell überlegenes Material, sondern immer eine anwendungsspezifische Entscheidung.




3D-Druck in der Lidar-Forschung

Vom 15. April 2026 stammt ein Beitrag über das IAP (Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik), das großformatige 3D-Drucke für Lidar-Systeme (Light Detection and Ranging, also laserbasierte Fernerkundung) einsetzt. Die Herausforderung: Lidar-Systeme für die atmosphärische Fernüberwachung müssen kompakt, leicht und präzise sein. Gleichzeitig müssen sie extremen Umweltbedingungen standhalten.

Der Beitrag zeigt, wie der Großformat-3D-Druck dabei hilft, Gehäuse und Strukturbauteile für diese Systeme in einem Stück zu fertigen. Das reduziert Montageaufwand und verbessert die strukturelle Integrität. Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Additive Manufacturing längst nicht mehr nur in der Produktentwicklung, sondern auch in der Grundlagenforschung angekommen ist.




Übergroße Teile drucken: Segmentierung als Designentscheidung

Der Beitrag vom 7. April 2026 widmet sich einer praktischen Frage, die viele Anwender kennen: Was tun, wenn ein Bauteil nicht auf die Bauplatte passt? Die Antwort von BigRep ist klar: Segmentierung ist keine Notlösung, sondern eine bewusste Designentscheidung. Der Beitrag erklärt, wie große 3D-Drucke sinnvoll aufgeteilt und anschließend sicher zusammengefügt werden.

Das ist besonders relevant für Anwender, die mit Druckern arbeiten, deren Bauraum begrenzt ist. Selbst BigRep-Drucker mit ihren großen Bauräumen stoßen bei manchen Bauteilen an Grenzen. Die richtige Segmentierungsstrategie, inklusive Verbindungsgeometrien und Klebeverbindungen, entscheidet dann über die Qualität des Endprodukts. Dieser Beitrag gehört zu den praktisch nützlichsten im aktuellen Blog-Angebot. Weitere Hintergründe zum industriellen Großformat-3D-Druck bietet auch unser interner Artikel BigRep Blog: Praxiswissen, Anwendungsfälle und News rund um den industriellen 3D-Druck.




Preis und Verfügbarkeit

Der BigRep Blog selbst ist kostenlos zugänglich unter bigrep.com/de/posts/. Die dort vorgestellten Inhalte beziehen sich auf BigRep-Drucker wie den STUDIO G2 oder den ONE, die im industriellen Preissegment ab rund 50.000 Euro aufwärts angesiedelt sind. Ein offizieller Listenpreis für einzelne Modelle wird im Blog nicht direkt kommuniziert. Interessenten werden auf eine direkte Anfrage beim Hersteller verwiesen. Amazon-Affiliate-Links sind für dieses Thema nicht verfügbar.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer im Bereich großformatiger industrieller 3D-Drucker nach Alternativen zu BigRep sucht, findet einige Hersteller, die in ähnlichen Segmenten aktiv sind:


  • Ultimaker (jetzt UltiMaker): Der niederländische Hersteller bietet mit der S-Serie professionelle FDM-Drucker für den industriellen Einsatz. Der Bauraum ist kleiner als bei BigRep, dafür punktet UltiMaker mit ausgereifter Software und einem breiten Materialportfolio. Gut geeignet für Unternehmen, die zuverlässige Serienproduktion in mittlerem Format suchen.

  • Markforged: Markforged ist bekannt für Drucker, die kontinuierliche Faserverstärkung (Carbon, Glasfaser, Kevlar) ermöglichen. Das macht die Teile deutlich steifer und belastbarer als reine Thermoplast-Drucke. Preislich im oberen Mittelfeld bis Industriesegment angesiedelt, besonders interessant für mechanisch hochbeanspruchte Bauteile.

  • BCN3D: Der spanische Hersteller BCN3D bietet mit dem Epsilon-System einen professionellen FDM-Drucker mit IDEX-Technologie (Independent Dual Extrusion, also zwei unabhängig bewegliche Druckköpfe). Das ermöglicht effizientes Drucken mit Stützmaterial und ist für industrielle Kleinserien gut geeignet. Preislich günstiger als BigRep, aber auch mit kleinerem Bauraum.




Aktueller Status und Markterwartung

BigRep positioniert sich mit seinem Blog-Angebot klar als Wissensplattform für industrielle Anwender. Die Themenauswahl der aktuellen Beiträge zeigt, dass der Hersteller gezielt Branchen adressiert, in denen Großformat-AM einen echten Mehrwert bietet: Medizintechnik, Forschung und spezialisierte Fahrzeugtechnik. Das ist eine kluge Strategie, weil diese Segmente weniger preissensibel sind als der Consumer-Markt und stärker auf Prozesssicherheit und Bauteilqualität setzen.

Die Kombination aus Praxisberichten, Materialwissen und konkreten Anleitungen macht den Blog zu einer nützlichen Ressource, die über reine Produktwerbung hinausgeht. Wer sich für den Einstieg in den 3D-Druck interessiert, findet auf 3ddrucklife.de auch einen Überblick in unserem Artikel Die besten 3D-Drucker für Einsteiger 2026: Worauf es wirklich ankommt. Für den industriellen Großformat-Bereich bleibt BigRep einer der wenigen Hersteller, die dieses Segment konsequent bedienen.




Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen

In der 3D-Druck-Community ist BigRep als Hersteller bekannt, wird aber selten intensiv diskutiert, die Geräte sind schlicht außerhalb der Preisklasse der meisten Hobbyisten. Ein viel beachteter Post in r/3Dprinting zeigt einen übergroßen Benchy-Testdruck auf einem BigRep-Gerät; die Reaktionen reichen von Belustigung über die schiere Größe bis hin zu sachlichen Fragen nach Druckzeit und Materialverbrauch, ein Hinweis darauf, dass das Interesse an Large-Format-Druckern durchaus vorhanden ist, die praktische Relevanz für Privatanwender aber begrenzt bleibt.

Auf r/de diskutieren deutschsprachige Nutzer allgemein über Erfahrungen mit 3D-Druck; industrielle Großformatdrucker wie die von BigRep tauchen dort kaum auf, was den Graben zwischen Consumer- und Industriesegment verdeutlicht. Wer sich für medizinische Anwendungen oder Fertigungsoptimierung mit Large-Format AM interessiert, findet in diesen allgemeinen Foren wenig Austausch, spezialisierte Fachforen oder Messen dürften hier ergiebiger sein.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht zeigt der aktuelle BigRep Blog sehr gut, wohin sich der industrielle Großformat-3D-Druck entwickelt: weg vom reinen Prototyping, hin zu echten Endanwendungen in anspruchsvollen Branchen. Der Paravan-Bericht und die medizinischen Anwendungsfälle sind dabei besonders überzeugend, weil sie konkrete Zeitersparnisse und wirtschaftliche Vorteile belegen, nicht nur Potenziale beschreiben. In der Praxis sehe ich bei meinen Kunden aus dem Mittelstand ähnliche Muster: Die Bereitschaft, in Großformat-AM zu investieren, steigt, sobald ein konkreter Anwendungsfall mit messbarem Nutzen vorliegt. Der Materialvergleich ABS vs. PETG ist solide und praxisnah, auch wenn er für erfahrene Anwender wenig Neues bringt. Der Beitrag zur Segmentierung übergroßer Teile ist hingegen wirklich nützlich, weil er eine häufig unterschätzte Designaufgabe systematisch angeht. Insgesamt ist der BigRep Blog eine der wenigen deutschsprachigen Quellen, die industriellen 3D-Druck auf diesem Niveau aufbereiten.

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