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eufyMake Wartungssystem: Aktuelle Regeln und geplante Verbesserungen

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 7 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit
eufyMake Drucker-Wartungssystem, Pressebild AnkerMake
Quelle: eufyMake / AnkerMake

eufyMake, die unter dem Dach von Anker neu positionierte Druckermarke, hat einen detaillierten Blogbeitrag veröffentlicht, der das Wartungssystem seines Tintenstrahl-basierten 3D-Druckers von Grund auf erklärt. Hintergrund ist offenbar eine häufige Nutzerfrage: Warum verbraucht der Drucker Tinte, ohne dass gedruckt wird? Die Antwort liefert das Unternehmen nun in Form einer strukturierten Übersicht aller Wartungsroutinen, inklusive Zeitangaben, Tintenmengen und einem Ausblick auf geplante Optimierungen. Laut Hersteller-Meldung sollen diese Maßnahmen langfristig smarter, schneller und tinteneffizienter werden.




Inhaltsverzeichnis




Erstbefüllung beim ersten Start

Beim allerersten Einschalten oder nach einem Werksreset führt der Drucker eine initiale Tintenbefüllung durch. Dabei wird zunächst eine Schutzflüssigkeit ausgespült, die den Druckkopf während des Transports feucht hält, anschließend werden die internen Schläuche mit Tinte gefüllt. Dieser Vorgang dauert rund 27 Minuten und verbraucht pro Farbkanal 15 ml Tinte (davon 9,3 ml zum Ausspülen der Schutzflüssigkeit und 5,7 ml für spätere Drucke) sowie 4,67 ml Reinigungsflüssigkeit.

Wichtig zu wissen: Das Wechseln einer Tintenkartusche löst diesen Prozess nicht erneut aus. eufyMake gibt an, aktuell eine überarbeitete Initialisierungsmethode zu testen, die den Tintenverbrauch bei gleichbleibender Druckqualität reduzieren soll.




Vorbereitungs-Priming vor jedem Druck

Vor jedem einzelnen Druckauftrag führt der Drucker ein kurzes Priming (Vorbereitung des Druckkopfs, um gleichmäßigen Tintenfluss sicherzustellen) durch. Dieser Schritt dauert 2 Minuten und 30 Sekunden und verbraucht pro Farbkanal 0,2 ml Tinte. Er ist nicht im angezeigten Tintenverbrauch eines Projekts enthalten.

Das Priming soll Farbkonsistenz ab der ersten Schicht gewährleisten und Druckfehler reduzieren. Als geplante Verbesserung nennt eufyMake ein intervallbasiertes Priming, das nicht mehr vor jedem Job, sondern nur nach längeren Druckpausen ausgelöst wird. Das würde den Tintenverbrauch für Vieldrucker spürbar senken.




Automatische Wartungsroutinen

Das System unterscheidet drei automatische Wartungsarten, die je nach Nutzungsintensität greifen. Der Flash Clean (kurze Auffrischung, ca. 5 Sekunden, 0,0002 ml Tinte pro Kanal) wird alle 10 Minuten im Leerlauf ausgeführt. Er ist so minimal, dass er in der Praxis kaum ins Gewicht fällt.

Der automatische Deep Clean (Tiefenreinigung) greift bei intensiver oder täglicher Nutzung: Wenn innerhalb der letzten drei Kalendertage keine Tiefenreinigung oder Befeuchtung stattgefunden hat, startet der Drucker um Mitternacht einen 45-minütigen Reinigungszyklus. Dabei werden pro Kanal 1,5 ml Reinigungsflüssigkeit und beim anschließenden Druckstart 1,5 ml Tinte verbraucht. Für gelegentliche Nutzer oder bei längerer Pause greift stattdessen die automatische Befeuchtung (Moisturizing): Bleibt der Drucker mehr als einen Kalendertag inaktiv, wird um Mitternacht ein 7,5-minütiger Befeuchtungszyklus gestartet (1,83 ml Befeuchtungsflüssigkeit, 1,33 ml Reinigungsflüssigkeit pro Kanal). Beim nächsten Druckstart kommen dann nochmals 1,5 ml Tinte und 1,83 ml Reinigungsflüssigkeit hinzu.

eufyMake kündigt an, künftig flexiblere Optionen für Tiefenreinigung und Befeuchtung bereitzustellen, damit Nutzer die Wartungsintervalle besser an ihren eigenen Druckplan anpassen können. Quelle: eufyMake Hersteller-Meldung.




Manuelle Reinigungsoptionen

Neben den automatischen Routinen stehen drei manuelle Reinigungsstufen zur Verfügung, die bei sichtbaren Druckproblemen wie Farbabweichungen oder Streifen eingesetzt werden können. Der Flash Clean (unter 30 Sekunden, 0,0002 ml Tinte) eignet sich für eine schnelle Auffrischung. Der Medium Clean (2 Minuten 30 Sekunden, 0,2 ml Tinte) stabilisiert die Ausgabe bei leichten Qualitätsproblemen. Der Deep Clean (9 Minuten, 1,5 ml Tinte und 1,83 ml Reinigungsflüssigkeit pro Kanal) ist für hartnäckige Verstopfungen oder schwerwiegende Druckfehler gedacht.

Die abgestufte Struktur ist sinnvoll: Nutzer werden so angehalten, zunächst die schonendste Methode zu versuchen, bevor sie auf die ressourcenintensivere Tiefenreinigung zurückgreifen. In der Praxis bedeutet das, dass ein Deep Clean nur dann nötig sein sollte, wenn Flash und Medium Clean keine Verbesserung gebracht haben.




Sicheres Abschalten und Langzeitpause

Für längere Nutzungspausen empfiehlt eufyMake, den Drucker nicht einfach vom Strom zu trennen, sondern den Power-Button 5 Sekunden gedrückt zu halten. Der Drucker führt dann einen 7,5-minütigen Befeuchtungszyklus durch (1,83 ml Befeuchtungsflüssigkeit, 1,33 ml Reinigungsflüssigkeit pro Kanal), der den Druckkopf für die Ruhephase schützt. Solange der Drucker in diesem befeuchteten Zustand bleibt, wird keine zusätzliche Flüssigkeit verbraucht.

Beim nächsten Einschalten nach einer solchen Pause werden dann 1,5 ml Tinte und 1,83 ml Reinigungsflüssigkeit pro Kanal für die Wiederherstellung benötigt. Für den normalen Alltag empfiehlt der Hersteller, das Gerät eingeschaltet zu lassen, damit die automatischen Wartungsroutinen reibungslos greifen können. Das ist ein Hinweis, der für viele Nutzer ungewohnt klingt, bei Tintenstrahldruckern aber seit Jahrzehnten gängige Praxis ist.




Preis und Verfügbarkeit

Die beschriebenen Wartungsroutinen beziehen sich auf den aktuell verfügbaren eufyMake Tintenstrahldrucker. Ein konkreter Produktpreis für das Gerät selbst wird in der Hersteller-Meldung nicht genannt. Für das geplante Large-Capacity Ink Supply System (Großkapazitäts-Tintensystem) nennt eufyMake als Verfügbarkeitszeitraum Q3 2026. Dieses System soll durch ein größeres Tintenvolumen bei leicht erhöhten Hardwarekosten pro Kartusche die Kosten pro Milliliter Tinte um über 50 Prozent senken. Ein offizieller Preis für das neue Tintensystem ist bisher nicht bestätigt.

Wer sich für das eufyMake Studio und seine Softwarefunktionen interessiert, findet weitere Informationen in unserem Bericht zum eufyMake Studio Update mit Konturerkennung und Local Mode.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Der eufyMake-Drucker ist mit seinem Tintenstrahl-Ansatz für 3D-Druck ein Sonderfall im Markt. Wer nach Geräten sucht, die ebenfalls auf Transparenz bei Wartungsroutinen und Betriebskosten setzen, findet in folgenden Herstellern interessante Vergleichspunkte:


  • Raise3D Pro3 von Raise3D: FDM-Industriedrucker mit detaillierter Dokumentation zu Wartungsintervallen und Druckkopfpflege. Stärke: robuste Dual-Extrusion, transparente Servicestruktur. Preisrahmen: ab ca. 3.500 Euro. Geeignet für professionelle Anwender und Mittelstand.

  • Zortrax M300 Dual von Zortrax: Polnischer FDM-Drucker mit klar definierten Wartungszyklen und eigenem Filament-Ökosystem. Stärke: zuverlässige Druckergebnisse, gute Dokumentation. Schwäche: proprietäres Material. Preisrahmen: ab ca. 2.000 Euro.

  • Adventurer 5M Pro von FlashForge: Consumer-naher FDM-Drucker mit automatischer Druckkopfreinigung und Selbstkalibrierung. Stärke: einsteigerfreundlich, gute App-Integration. Preisrahmen: ab ca. 400 Euro. Für Nutzer, die unkomplizierte Wartungsautomatik suchen.




Aktueller Status und Markterwartung

Die Veröffentlichung dieser Wartungsdokumentation ist ein ungewöhnlicher, aber nachvollziehbarer Schritt. Tintenstrahl-basierte 3D-Drucker sind im Markt noch eine Nische, und viele Nutzer kommen aus der FDM- oder Resin-Welt, wo Wartungsroutinen deutlich weniger komplex sind. Die Transparenz über Tintenmengen und Zeitaufwände hilft, realistische Erwartungen zu setzen.

Das angekündigte Large-Capacity Ink Supply System für Q3 2026 ist die interessanteste Ankündigung: Eine Kostenreduktion von über 50 Prozent pro Milliliter Tinte wäre ein erheblicher Schritt, um den laufenden Betrieb wirtschaftlicher zu machen. Ob das System die versprochene volle Kompatibilität mit bestehenden Wartungsroutinen hält, wird sich in der Praxis zeigen müssen. Die Ankündigung flexiblerer Wartungsoptionen für Nutzer mit planbaren Druckrhythmen ist ebenfalls ein sinnvoller Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit. Einen weiteren Einblick in das eufyMake-Ökosystem bietet unser Bericht zur Make It Real Plattform von AnkerMake.






Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist diese Dokumentation längst überfällig. Wer einen Tintenstrahldrucker in einem professionellen Umfeld einsetzt, muss die laufenden Betriebskosten kalkulieren können, und dazu gehören eben auch die Wartungsverbräuche. Dass eufyMake diese Zahlen jetzt offen auf den Tisch legt, ist ein Zeichen von Reife im Produktmanagement. In der Praxis bei meinen Kunden aus dem Mittelstand würde ich allerdings darauf hinweisen, dass die Summe der Wartungsverbräuche bei niedrigem Druckvolumen schnell ins Gewicht fällt: Wer den Drucker nur gelegentlich nutzt, zahlt prozentual mehr für Wartung als für tatsächliche Drucke. Das intervallbasierte Priming und die flexibleren Reinigungsoptionen, die eufyMake ankündigt, sind daher keine Komfort-Features, sondern wirtschaftlich relevante Verbesserungen. Das Large-Capacity-System für Q3 2026 klingt vielversprechend, aber ich würde erst nach konkreten Preisen und unabhängigen Tests urteilen. Insgesamt: ein solider Schritt in Richtung Transparenz, dem hoffentlich bald die angekündigten technischen Verbesserungen folgen.

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