3D Druck für junge Patienten von der University of Nottingham

Kinder und Jugendliche, die lange im Krankenhaus liegen, verpassen oft den praktischen Unterricht ihrer Mitschüler. Ein Projekt der University of Nottingham will das ändern: Es bringt 3D Design und 3D Druck an Krankenhausschulen in ganz England. Gleichzeitig soll untersucht werden, ob die Arbeit mit dem Drucker die Genesung nach schwerer Krankheit oder Verletzung unterstützen kann.
Inhaltsverzeichnis
Das Projekt im Überblick
Laut 3D Printing Industry läuft die Initiative drei Jahre und startet an 25 Schulen. Jede Schule erhält einen 3D Drucker und eine Schulung für das Personal. Finanziert wird das Vorhaben durch einen Science Community Grant der Royal Society und den Julia Rausing Trust.
Partner ist die National Association for Hospital Education (NAHE). Angesprochen sind Krankenhausschulen, Medical Pupil Referral Units (Einrichtungen für Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen nicht die reguläre Schule besuchen können) und stationäre Einheiten der Kinder und Jugendpsychiatrie (CAMHS). Die Leitung haben Professor Ruth Goodridge und Dr. Simon Lawes. Ingenieure und Wissenschaftler anderer britischer Universitäten unterstützen die Schulen vor Ort ehrenamtlich.
Die Förderung gehört zu zehn Science Community Grants, die die Royal Society vergeben hat. Sie sollen das Selbstvertrauen von Lehrkräften in MINT Fächern stärken und mehr praktische Naturwissenschaft in den Unterricht bringen.
So läuft ein Programm ab
Jedes Programm dauert ein Schulhalbjahr und folgt einem nutzerzentrierten Designansatz. Die Schüler schauen zuerst auf ihre eigene Umgebung und suchen etwas, das für sie besser funktionieren könnte. Das kann eine Hilfe für eine schwierige Aufgabe sein oder ein persönlicher Gegenstand, der ein Krankenhauszimmer wohnlicher macht.
Danach formulieren sie Anforderungen und eine Designaufgabe. Wie weit sich jemand beteiligt, ist offen: Möglich sind Skizzen und Ideenfindung bis hin zur CAD Konstruktion (Modellieren am Rechner) und zum Druck. Am Ende jedes Halbjahres stellen die Schulen ihre Ergebnisse in einem gemeinsamen Showcase vor.
Welche Druckermodelle und Materialien zum Einsatz kommen, nennt die Meldung nicht. Für solche Umgebungen bieten sich üblicherweise einfache Desktopgeräte an, etwa aus der Anycubic Kobra Reihe. Als Material ist PLA für Schulprojekte gängig. Das ist hier aber eine Einschätzung und keine Angabe aus dem Projekt.
Forschung zur Genesung
Neben den Bildungszielen soll das Projekt prüfen, ob 3D Druck Kindern nach schwerer Krankheit oder Verletzung bei der Erholung hilft. Lehrkräfte an den teilnehmenden Schulen sehen Potenzial bei der kognitiven Rehabilitation nach einer erworbenen Hirnverletzung. Die Arbeit mit Design und Drucker kann Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Reihenfolgedenken und Problemlösen trainieren.
Dafür arbeitet das Team mit dem NIHR HealthTech Research Centre for Rehabilitation zusammen. Es wird vom Nottingham University Hospitals NHS Trust geleitet. Pädagogische und klinische Erfahrung sollen zusammenkommen, um zu verstehen, wie kreative und technikgestützte Tätigkeiten Lernen und langfristige Gesundheit beeinflussen. Ergebnisse gibt es noch nicht. Es ist eine Absicht, kein Befund.
Einordnung: Lehrkräfte statt externe Spezialisten
Das Projekt setzt darauf, das Personal zu schulen statt externe Fachleute einzuladen. Es gibt ein nationales Trainingsprogramm aus Nottingham, Hilfe durch eine lokale Partneruniversität, regelmäßige Webinare und einen jährlichen Workshop vor Ort. So soll der 3D Druck Teil des Alltags werden und nicht nach drei Jahren verschwinden.
Ähnliche Ansätze gibt es woanders. Das DREAM Research Center der New Mexico State University hat nach Angaben von 3D Printing Industry bereits die dritte Gruppe von Lehrkräften geschult. In Abuja in Nigeria entstand ein STEAM und 3D Druck Zentrum, das Desktopdrucker mit strukturierter Ausbildung verbindet. Neu in Nottingham ist die Zielgruppe: Kinder, deren Bildung durch Krankheit unterbrochen ist.
Goodridge sagt, Krankheit lasse die Welt eines Kindes klein wirken. Ein gedrucktes Objekt gebe ein greifbares Erfolgserlebnis in einer Zeit, in der vieles unkontrollierbar scheint.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, dass der Nutzen von 3D Druck nicht nur in Bauteilen liegt. Er liegt auch im Prozess aus Idee, Konstruktion und fertigem Objekt. Aus der Praxis kenne ich, wie viel Motivation entsteht, wenn jemand sein eigenes Teil in der Hand hält. Ob das auch messbar die Genesung stützt, muss die Begleitforschung zeigen. Dazu liegen bislang keine Daten vor. Entscheidend wird sein, ob die geschulten Lehrkräfte den Drucker nach der Förderphase weiter nutzen. Ein Gerät pro Schule und etwas Schulung reichen erfahrungsgemäß nur dann, wenn Wartung und Material langfristig geklärt sind.





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