AddUp erweitert seinen Medical Advisory Board für Metall-AM im Gesundheitswesen
- Sascha Surbanoski

- 29. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

AddUp, der französisch-amerikanische Hersteller von Metall-Additiv-Fertigungsanlagen, hat am 3. November 2025 seinen erneuerten Medical Advisory Board für die Periode 2025 bis 2026 vorgestellt. Das Beratungsgremium besteht aus fünf Fachleuten mit Hintergrund in medizinischer Geräteentwicklung, Regulierungskonformität, chirurgischer Innovation und Markterschließung. Ziel ist es, AddUps Positionierung im Medizintechnikmarkt strategisch zu festigen und die Entwicklung sicherer, normenkonformer Metall-AM-Anwendungen voranzutreiben, die Patientenergebnisse und Effizienz im Gesundheitswesen verbessern sollen.
Inhaltsverzeichnis
Hintergrund: Warum ein Medical Advisory Board?
Der Medizintechnikmarkt gilt als einer der anspruchsvollsten Abnehmer für Metall-Additiv-Fertigung. Implantate, Instrumente und patientenspezifische Bauteile müssen nicht nur geometrisch präzise sein, sondern auch strenge regulatorische Anforderungen erfüllen, etwa nach FDA-Richtlinien in den USA oder nach MDR (Medical Device Regulation) in Europa. Ein Advisory Board aus Branchenexperten hilft einem Maschinenhersteller wie AddUp, diese Anforderungen frühzeitig in die Produktentwicklung und Vermarktungsstrategie einzubinden, statt sie nachträglich anzupassen. Laut Hersteller-Pressemeldung ist der Medizinbereich für AddUp ein zentraler Wachstumsmarkt.
Die drei neuen Boardmitglieder im Überblick
Neu in den Board aufgenommen wurden Andy Christensen, Ed Domanski und David Morrow. Andy Christensen gilt als Pionier im Bereich medizinisches 3D-Drucken: Er begann seine Arbeit bereits Mitte der 1990er Jahre, gründete das auf Gesundheitsanwendungen spezialisierte Unternehmen Medical Modeling und war maßgeblich daran beteiligt, die ersten FDA-zugelassenen orthopädischen und spinalen Titanimplantate aus dem 3D-Drucker auf den Markt zu bringen. Medical Modeling wurde 2014 von 3D Systems übernommen, um deren Healthcare-Sparte aufzubauen.
Ed Domanski bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung als globaler MedTech-Manager mit, unter anderem in den Bereichen Orthopädie, Robotik und digitale Chirurgie. Er hat nach eigenen Angaben über zwei Milliarden US-Dollar an kommerziellem Wachstum verantwortet und Frühphasentechnologien bis zur klinischen Marktreife begleitet. David Morrow wiederum verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Medizintechnik und war unter anderem an der Akquisition und Kommerzialisierung des ersten Portfolios an 3D-gedruckten orthopädischen Implantaten von Johnson & Johnson beteiligt.
Bestehende Mitglieder: Kontinuität in R&D und Regulierung
Bereits seit 2023 im Board vertreten sind Sam Onukuri und Jan Triani. Onukuri war früher Leiter der 3D-Printing-Innovation-Gruppe bei Johnson & Johnson und bringt über 30 Jahre Erfahrung in Materialwissenschaft, Bioprinting und translationaler Forschung mit. Jan Triani ist spezialisiert auf Qualitätssicherung und regulatorische Angelegenheiten (QA/RA) für Medizinprodukte: Sie hat zwei vollständige Qualitätsmanagementsysteme aufgebaut, fünf FDA-Inspektionen begleitet und mehr als 20 FDA-Einreichungen verfasst, darunter 510(k)-Anträge und HDEs (Humanitarian Device Exemptions). Ihr Schwerpunkt der letzten sieben Jahre liegt auf additiv gefertigten, patientenspezifischen Implantaten.
Einordnung: Was bedeutet das für Metall-AM im Medizinbereich?
Metall-Additiv-Fertigung (also das schichtweise Aufbauen von Metallbauteilen, typischerweise per Laser Powder Bed Fusion oder Directed Energy Deposition) hat im Medizinbereich bereits konkrete Anwendungen gefunden: Hüftpfannen, Wirbelkörperersatz und Schädelimplantate aus Titan werden heute serienmäßig additiv gefertigt. Die Herausforderung liegt weniger in der Technologie selbst als in der Nachweisführung gegenüber Behörden und in der Skalierung auf reproduzierbare Produktionsprozesse.
Genau hier setzt ein Advisory Board an: Die Mitglieder können helfen, regulatorische Strategien frühzeitig zu entwickeln, klinische Anforderungen in Maschinenspezifikationen zu übersetzen und Vertriebswege in einem stark regulierten Markt zu erschließen. Für AddUp, das mit seinen FormUp- und BeAM-Anlagen (BeAM ist die DED-Sparte des Unternehmens) sowohl LPBF als auch Directed Energy Deposition abdeckt, ist das ein strategisch nachvollziehbarer Schritt.
Preis und Verfügbarkeit
Die Einrichtung des Medical Advisory Boards ist eine strategische Maßnahme und kein Produkt mit Listenpreis. AddUps Metall-AM-Anlagen (FormUp 350 und FormUp 350 Evolution sowie die BeAM-DED-Systeme) sind im industriellen Preissegment angesiedelt; konkrete Preise nennt AddUp auf Anfrage. Ein offizieller Preis für neue Produkte oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit diesem Board ist bisher nicht bestätigt. Interessenten können sich direkt über die AddUp-Website informieren.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Wer im Bereich Metall-AM für medizinische Anwendungen nach Alternativen zu AddUp sucht, findet mehrere etablierte Anbieter mit eigenen Beratungs- und Zertifizierungsstrukturen:
NXG XII 600 von Nikon SLM Solutions: Nikon SLM Solutions (ehemals SLM Solutions) bietet LPBF-Systeme mit bis zu zwölf Lasern und legt einen starken Fokus auf Prozessvalidierung für regulierte Branchen, darunter Medizintechnik und Luft- und Raumfahrt. Die Systeme sind für Hochvolumen-Produktion ausgelegt und eignen sich für Unternehmen, die skalierbare Fertigungslinien aufbauen wollen.
Colibrium Additive (ehemals GE Additive): Die aus GE Additive hervorgegangene Colibrium Additive bietet LPBF-Maschinen der Concept-Laser-Linie sowie umfangreiche Prozessberatung. Der Hersteller hat langjährige Erfahrung mit FDA-konformen Fertigungsprozessen und arbeitet eng mit medizinischen Geräteherstellern zusammen. Preislich bewegt sich das Angebot im oberen Industriesegment.
TruPrint-Serie von Trumpf: Trumpf adressiert mit seinen TruPrint-Anlagen explizit den Medizintechnikmarkt und bietet Systeme mit integrierter Qualitätssicherung (Multilayer Quality Control) sowie Unterstützung bei der Validierung nach ISO 13485 (Qualitätsmanagementsystem für Medizinprodukte). Besonders für mittelständische Medizintechnikunternehmen in Europa ist Trumpf ein häufig genannter Partner.
Aktueller Status und Markterwartung
Der Markt für additiv gefertigte Medizinprodukte wächst kontinuierlich. Analysten gehen davon aus, dass insbesondere patientenspezifische Implantate und Instrumente in den nächsten Jahren stärker auf additive Fertigung umgestellt werden, da die Technologie geometrische Freiheiten bietet, die konventionelle Zerspanung nicht leisten kann. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck: Die FDA hat eigene Leitlinien für additiv gefertigte Medizinprodukte veröffentlicht, und in Europa verschärft die MDR die Anforderungen an Nachweise und Dokumentation.
AddUp positioniert sich mit dem erneuerten Advisory Board als Anbieter, der nicht nur Maschinen verkauft, sondern auch bei der Entwicklung produktionsreifer, normenkonformer Prozesse begleitet. Ob diese Strategie im hart umkämpften Medizintechnikmarkt aufgeht, wird sich in den nächsten ein bis zwei Jahren zeigen, wenn konkrete Referenzprojekte und Zulassungen folgen müssen.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist die Einrichtung eines solchen Advisory Boards ein strategisch sinnvoller Schritt, der zeigt, dass AddUp den Medizintechnikmarkt ernst nimmt. In der Praxis erlebe ich bei Kunden aus dem Medizinbereich immer wieder, dass die eigentliche Hürde nicht die Drucktechnologie ist, sondern die Nachweisführung gegenüber Behörden und die Validierung der Prozesse. Genau dafür braucht man Leute wie Jan Triani oder Sam Onukuri im Boot. Was mich etwas nachdenklich stimmt: Ein Advisory Board ist zunächst eine Absichtserklärung. Entscheidend wird sein, ob AddUp in den nächsten Monaten konkrete FDA-Clearances oder MDR-Zertifizierungen für Bauteile vorweisen kann, die auf seinen Anlagen gefertigt wurden. Die Zusammensetzung des Boards ist jedenfalls überzeugend, die Lebensläufe sprechen für sich. Ich werde die Entwicklung beobachten und bin gespannt, welche Referenzprojekte AddUp in den nächsten zwölf Monaten kommuniziert.



