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AddUp und die DGA vereinen Frankreichs Metall-AM-Ökosystem

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • 29. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Am 18. Dezember 2025 lud AddUp gemeinsam mit der französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction Générale de l'Armement) rund 100 Schlüsselakteure aus der Verteidigungs-, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie zu einem ganztägigen Branchenevent ein. Ziel war es, das französische Ökosystem für metallischen additiven Aufbau (Additive Manufacturing, kurz AM) zu bündeln und eine gemeinsame nationale Lieferkettenstrategie zu entwickeln. Die Veranstaltung fand auf dem Gelände von AddUp statt und gilt als Meilenstein für die strategische Positionierung Frankreichs im globalen Wettbewerb um industrielle AM-Kompetenz. Laut Hersteller-Pressemeldung soll das Momentum dieser Zusammenkunft die nächsten Entwicklungsphasen der Branche maßgeblich prägen.




Inhaltsverzeichnis




Hintergrund: Warum dieser Event jetzt?

Metallischer 3D-Druck hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenverfahren zu einem strategischen Produktionswerkzeug entwickelt. Gerade in sicherheitskritischen Branchen wie Verteidigung, Luft- und Raumfahrt wächst der Bedarf an großformatigen, hochleistungsfähigen Metallbauteilen kontinuierlich. Gleichzeitig stehen Hersteller unter Druck, ihre Lieferketten resilienter und unabhängiger zu gestalten. Vor diesem Hintergrund ist ein koordiniertes nationales Ökosystem keine Kür, sondern eine industriepolitische Notwendigkeit.

Die Beteiligung von Benoît Laroche de Roussane, Direktor für Verteidigungsindustrie bei der DGA, sowie Vertreter von Safran, Naval Group, MBDA und Sirius Space Services unterstreicht, dass es sich nicht um eine reine Technologieschau handelte, sondern um einen ernsthaften strategischen Dialog zwischen Behörden und Industrie. Das gemeinsame Fazit der Teilnehmer: Metallischer 3D-Druck ist keine Innovation mehr im Labor, sondern ein Paradigmenwechsel in der industriellen Fertigung.




Das MASSIF-Projekt: Großformat-AM für strategische Teile

Herzstück des Events war die Präsentation des MASSIF-Projekts (Métal Additif pour des Structures de grande taille et à Intégration de Fonctions). Das Vorhaben wird von Bpifrance und dem französischen Investitionsprogramm France 2030 gefördert und zielt darauf ab, ein Metalldrucksystem der nächsten Generation zu entwickeln, das Bauvolumen von bis zu 1,5 m × 1,5 m × 2 m ermöglicht. Solche Dimensionen sind für die Herstellung von Strukturbauteilen in Flugzeugen, Raketen oder Marinesystemen relevant, die bisher nur durch konventionelle Fertigungsverfahren realisierbar waren.

Besucher konnten bei AddUp die ersten Testbänke für MASSIF besichtigen sowie frühe Entwicklungsfortschritte der FormUp 750 begutachten, die als erste Maschine aus diesem Projekt hervorgeht. In der Praxis bedeutet das: Frankreich investiert gezielt in die Fähigkeit, sicherheitskritische Großbauteile künftig additiv und damit flexibler, schneller und mit weniger Materialverschnitt herzustellen. Laut AddUp-Pressemeldung ist MASSIF eine direkte Antwort auf konkrete und dringende industrielle Bedarfe.




FormUp 350, FormUp 750 und Modulo 400 im Fokus

Neben dem MASSIF-Ausblick präsentierte AddUp seine bestehenden Systeme: die FormUp 350 (LPBF, Laser Powder Bed Fusion, also laserbasiertes Pulverbettschmelzen) und die Modulo 400 (DED, Directed Energy Deposition, gerichtetes Energieabscheiden). Beide Verfahren ergänzen sich in der Praxis: LPBF eignet sich für filigrane, hochpräzise Bauteile, während DED größere Volumina und Reparaturanwendungen abdeckt.

Die Demonstrationen betonten laut Veranstaltungsbericht insbesondere drei Aspekte: Produktivität, Arbeitssicherheit und Digitalisierung. Gerade der Sicherheitsaspekt ist im Umgang mit Metallpulvern (fein verteilte Partikel, die brand- und explosionsgefährlich sein können) ein oft unterschätzter Faktor, dem AddUp offenbar besondere Aufmerksamkeit widmet.




Keynotes und Roundtables: Stimmen aus der Industrie

Das Programm umfasste hochrangige Keynotes und Podiumsdiskussionen. François-Xavier Foubert von Safran thematisierte die wachsende Nachfrage nach Großformat-AM-Systemen in der Triebwerks- und Strukturfertigung. Florian Galliano (MBDA), Jean-François Sabre (Naval Group), Antoine Fourcade (Sirius Space Services) und Julien Marcilly (AddUp) diskutierten in einer Roundtable-Runde operative Erfahrungen und langfristige Perspektiven zur AM-Adoption.

Frédéric Sanchez, Präsident der Fives Group (Mutterkonzern von AddUp), bekräftigte das Engagement des Konzerns für industrielle Wettbewerbsfähigkeit und technologische Führerschaft. Jean-Dominique Senard, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Fives, nahm ebenfalls teil und signalisierte damit die strategische Rückendeckung auf höchster Unternehmensebene. Das gemeinsame Leitmotiv aller Beiträge: Ohne enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Industrie und Technologiepartnern lässt sich ein zukunftsfähiges AM-Ökosystem nicht aufbauen.




Preis und Verfügbarkeit

Das MASSIF-Projekt befindet sich noch in der Entwicklungsphase; konkrete Preise oder Markteinführungstermine für die FormUp 750 wurden auf dem Event nicht kommuniziert. Für die bereits verfügbaren Systeme FormUp 350 und Modulo 400 nennt AddUp auf Anfrage individuelle Angebote, da Industrieanlagen dieser Klasse typischerweise im sechsstelligen bis siebenstelligen Euro-Bereich liegen und stark von Konfiguration und Abnahme abhängen. Ein offizieller Listenpreis für MASSIF-basierte Systeme ist bisher nicht bestätigt.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer im Bereich industrieller Metall-AM nach Alternativen zu AddUp sucht, findet mehrere etablierte Anbieter, die ähnliche Verfahren und Zielgruppen bedienen:


  • NXG XII 600 von Nikon SLM Solutions: Eines der leistungsfähigsten LPBF-Systeme am Markt mit 12 Lasern und einem Bauvolumen von 600 mm × 600 mm × 600 mm. Besonders geeignet für Luft- und Raumfahrtanwendungen mit hohem Durchsatzbedarf. Preislich im oberen Industriesegment angesiedelt.

  • Concept Laser M LINE von GE Additive / Colibrium Additive: Skalierbare LPBF-Plattform mit Fokus auf Automatisierung und Serienproduktion. Starke Integration in digitale Fertigungsumgebungen, was sie für Verteidigungskunden mit hohen Qualitätssicherungsanforderungen interessant macht.

  • TruPrint 5000 von Trumpf: Deutsches LPBF-System mit 3-Laser-Konfiguration und integrierter Vorheizung bis 500 °C, was die Verarbeitung von Hochtemperaturlegierungen wie Inconel oder Titan deutlich erleichtert. Etabliert in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie.




Aktueller Status und Markterwartung

Das Event vom Dezember 2025 ist ein klares Signal, dass Frankreich den metallischen 3D-Druck als industriepolitisches Instrument begreift. Mit der Förderung durch Bpifrance und France 2030 fließen staatliche Mittel in ein Technologiefeld, das bislang von deutschen, amerikanischen und britischen Anbietern dominiert wird. MASSIF könnte mittelfristig dazu beitragen, diese Lücke zu schließen, sofern die Entwicklung im Zeitplan bleibt.

Für den Markt insgesamt ist die Botschaft eindeutig: Großformat-Metall-AM wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, insbesondere in der Verteidigung und Raumfahrt. Anbieter, die frühzeitig Systemlösungen für Bauvolumen jenseits eines Kubikmeters anbieten können, dürften sich erhebliche Wettbewerbsvorteile sichern. AddUp positioniert sich mit MASSIF genau in diesem Segment.





Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist dieses Event mehr als eine Branchenkonferenz: Es zeigt, dass staatliche Stellen wie die DGA metallischen 3D-Druck nicht mehr als Zukunftstechnologie betrachten, sondern als operativ relevantes Werkzeug für die Versorgungssicherheit. Das ist eine Reifung, die ich in der Branche schon länger erwartet habe. Das MASSIF-Projekt ist technisch ambitioniert, und ein Bauvolumen von 1,5 m × 1,5 m × 2 m würde tatsächlich neue Anwendungsfelder erschließen, die heute noch konventionellen Verfahren vorbehalten sind. Ob die Zeitpläne eingehalten werden, bleibt abzuwarten; Großformatprojekte dieser Art haben in der Vergangenheit häufig Verzögerungen erlebt. Für Mittelständler, die Zulieferer in der Luft- und Raumfahrt sind, ist das Signal dennoch wichtig: Wer AM-Kompetenz aufbaut, wird künftig bevorzugter Lieferant sein. Ich würde empfehlen, die Entwicklung von MASSIF und der FormUp 750 aufmerksam zu verfolgen, denn sie könnte den Markt für Großbauteile in Europa nachhaltig verändern.

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