eufyMake E1: AMA-Recap zu Lieferterminen, Software und nächsten Schritten
- Sascha Surbanoski

- 29. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
AnkerMake hat unter dem Markennamen eufyMake eine Live-Session abgehalten, in der Hardware-Direktor Cheney und Software-Manager Shiyao direkt mit der Community gesprochen haben. Moderiert von Brandon, gab die Runde ehrliche Einblicke in den Produktionsstatus des eufyMake E1, konkrete Versandzeitpläne und eine Reihe neuer Software-Funktionen. Für alle, die seit dem Kickstarter auf ihren Drucker warten, liefert das AMA (Ask Me Anything) die bisher klarsten Aussagen des Unternehmens.
Inhaltsverzeichnis
Aktueller Produktionsstatus
Cheney gab zum Zeitpunkt des Streams einen konkreten Überblick: 1.635 Drucker-Einheiten wurden bereits produziert und verschickt. Parallel dazu befinden sich 500 Tintensets auf dem Transportweg, und 98 Prozent der Add-ons sowie Materialkits sind bereits in lokalen Lagern weltweit eingetroffen und können den Druckern zugeordnet werden.
Die Produktionslinien wurden nach einer notwendigen Pause wieder vollständig hochgefahren. Die Unterbrechung war nötig, um technische Probleme mit dem Dosiertank und dem Magenta-Tintendruck zu lösen. Laut Cheney soll die Tagesproduktion bis Mitte Januar von 200 auf 500 Einheiten gesteigert werden. Das entspricht einer mehr als Verdopplung der Kapazität innerhalb weniger Wochen. Quelle: eufyMake AMA-Recap (AnkerMake Blog)
Versandzeitplan und Tracking
eufyMake hat für die verschiedenen Regionen klare Zusagen gemacht. Backerinnen und Backer aus den USA und Kanada sollen bis Anfang Februar vollständig beliefert sein. Für Europa, den asiatisch-pazifischen Raum und weitere Regionen startet der erste Batch Mitte Januar, mit vollständiger Auslieferung bis Mitte Februar.
Offizielle Website-Vorbestellungen werden in Batches von Ende Februar bis März abgearbeitet. Gleichzeitig hat eufyMake ein Order-Tracking-System geöffnet, über das Backerinnen und Backer ihren Bestellstatus einsehen können. Die regionalen Tracking-Links sind auf der offiziellen eufyMake-Website verfügbar (z. B. für Deutschland unter eufymake.com/eu-de/ordertrackv2).
Ein wichtiger Hinweis: Das Chinesische Neujahrsfest fällt in die Produktionsphase. Cheney bestätigte, dass die Kapazitäten während dieser Zeit für etwa zwei Wochen reduziert sein werden. Das Ziel ist, alle Backer-Bestellungen noch vor dem Neujahrsfest abzuschließen. Vorbestellungen könnten sich dadurch teilweise in den März verschieben.
Software-Updates für Kreative und Geschäftskunden
Während das Hardware-Team die Produktion hochfuhr, hat Shiyaos Software-Team mehrere substanzielle Updates veröffentlicht. Besonders relevant für den professionellen Einsatz ist der neue Offline-Modus: Nutzerinnen und Nutzer können Designs vollständig ohne Internetverbindung importieren und bearbeiten. Über einen dreifachen Druck auf den Power-Button wechselt der E1 in den AP-Modus (Access Point), der den Drucker in einen lokalen WLAN-Hotspot verwandelt. Das ist praktisch für Craft-Fairs oder Workshops ohne stabile Internetverbindung.
Neu ist außerdem die Zero-Point-Alignment-Funktion. Statt sich auf einen Kamera-Snapshot zu verlassen, können Designs jetzt auf exakte Koordinaten der digitalen Arbeitsfläche eingerastet werden, die den physischen Positionen auf der Druckmatte entsprechen. Das ist vor allem bei Serienproduktion mit Vorrichtungen (Jigs) ein echter Vorteil, weil die Kamera nicht für jeden Druckvorgang neu ausgerichtet werden muss.
Für die Kleinserienfertigung wurde die Reprint-Funktion eingeführt: Statt ein Bild jedes Mal neu zu verarbeiten, überspringt die Maschine Dateiübertragung und Verarbeitung komplett. Einfach die nächste Charge auflegen und auf Reprint drücken. Ergänzt wird das durch ein System-Insights-Dashboard, das den Tintenverbrauch pro Druckjob anzeigt und damit eine Kostenkalkulation ermöglicht. Auch die Wartungshistorie ist jetzt vollständig einsehbar.
Auf der kreativen Seite wurde der Editor deutlich erweitert: Hochauflösende Bilder bis 12.800 Pixel können jetzt importiert werden. Hinzu kommen granulare Steuerungsmöglichkeiten für Texturen, ein Ausschneidewerkzeug für selektive Texturierung und Batch-Texturierung für mehrere Dateien gleichzeitig. Quelle: eufyMake AMA-Recap
Wichtige Fragen aus der Community
Im Q&A-Teil des Streams wurden Fragen aus der Facebook-Gruppe und dem Live-Chat beantwortet. Cheney erklärte, warum die USA bei der Auslieferung priorisiert werden: Unterschiedliche Regionen erfordern unterschiedliche technische Spezifikationen (Strom, Zertifizierungen), und jeder Spezifikationswechsel in der Produktion kostet etwa einen Tag Rüstzeit. Da über 50 Prozent der Backer aus den USA stammen, wurde dort begonnen. Für Europa ist ein erster Batch Mitte Januar geplant.
Shiyao bestätigte außerdem zwei häufig angefragte Software-Funktionen: Die Umschaltung zwischen Zoll und metrischen Maßen sowie die Auto-Fill-Funktion für Batch-Druck (z. B. 20 Schlüsselanhänger automatisch anordnen) kommen im ersten Quartal 2026. Die Gültigkeitsdauer des eufyMake Care Redeem Codes wurde bis zum 28. Februar 2026 verlängert.
Preis und Verfügbarkeit
Der eufyMake E1 war ursprünglich über eine Kickstarter-Kampagne erhältlich. Offizielle Website-Vorbestellungen werden laut AMA ab Ende Februar bis März in Batches ausgeliefert. Ein aktueller Listenpreis für Neubestellungen über die offizielle Website wurde im AMA nicht explizit genannt. Interessierte sollten die Produktseite auf eufymake.com direkt im Blick behalten, da dort auch das Tracking-System für bestehende Bestellungen verfügbar ist.
Alternativen und vergleichbare Produkte
Der eufyMake E1 ist ein Tintendrucker für Objekte und Materialien, kein klassischer FDM- oder Resin-3D-Drucker. Wer nach vergleichbaren Geräten für professionelle Kleinserienfertigung oder kreative Produktion sucht, findet im Markt einige Alternativen aus dem Bereich professioneller Desktop-Fertigungssysteme:
Raise3D E2CF von Raise3D: Professioneller FDM-Drucker mit Dual-Extruder und Kohlefaser-Unterstützung. Richtet sich an Mittelstand und Industrie, die reproduzierbare Teile in kleinen Serien benötigen. Preislich deutlich höher angesiedelt als Consumer-Geräte, dafür mit umfangreichem Software-Ökosystem (ideaMaker).
Markforged Mark Two: Spezialist für Endlos-Faserverbund-Druck (Kohlefaser, Glasfaser, Kevlar). Für Anwendungen, bei denen mechanische Belastbarkeit im Vordergrund steht. Deutlich höherer Einstiegspreis, aber einzigartig in der Materialklasse.
Zortrax M300 Dual: Zuverlässiger FDM-Drucker für den professionellen Einsatz mit großem Bauraum und breiter Materialkompatibilität. Besonders in Europa verbreitet und mit gutem Support-Netzwerk. Geeignet für Unternehmen, die stabile Serienproduktion ohne großen Kalibrieraufwand suchen.
Aktueller Status und Markterwartung
Der eufyMake E1 bewegt sich in einer Nische, die bisher kaum besetzt ist: ein kompakter Tintendrucker für physische Objekte, der den Anspruch hat, industrielle Druckqualität auf ein Zehntel der Größe und des Preises zu bringen. Das AMA zeigt, dass die Entwicklung aufwendiger war als ursprünglich geplant, vor allem wegen der Komplexität des Tintensystems.
Die nun kommunizierten Zeitpläne sind konkret und nachvollziehbar begründet. Ob sie eingehalten werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Das geöffnete Tracking-System ist ein positives Signal für Transparenz. Für den Markt ist interessant, ob eufyMake nach der Backer-Auslieferung auch im regulären Handel Fuß fassen kann, denn dann erst zeigt sich, ob das Produkt eine breitere Zielgruppe anspricht.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist das AMA ein überfälliger, aber gut gemachter Schritt in Richtung Transparenz. Wer Kickstarter-Kampagnen kennt, weiß, dass Verzögerungen bei Hardware-Projekten die Regel und nicht die Ausnahme sind. Dass eufyMake jetzt konkrete Zahlen nennt (1.635 verschickte Einheiten, Produktionsziel 500 pro Tag) und ein Tracking-System öffnet, ist professioneller als bei vielen vergleichbaren Crowdfunding-Projekten.
Besonders interessant finde ich die Software-Updates: Offline-Modus, Zero-Point-Alignment und die Reprint-Funktion klingen nach echten Werkzeugen für den Produktionseinsatz, nicht nach Feature-Kosmetik. In der Praxis entscheidet genau das, ob ein Gerät im Arbeitsalltag bestehen kann. Die angekündigten Funktionen für Q1 2026 (Maßeinheiten-Umschaltung, Auto-Fill) sind ebenfalls sinnvoll und hätten eigentlich von Anfang an dabei sein sollen.
Ob der E1 hält, was er verspricht, lässt sich erst beurteilen, wenn Geräte in größerer Stückzahl in den Händen von Nutzerinnen und Nutzern sind und erste unabhängige Tests vorliegen. Bis dahin bleibt das Produkt spannend, aber noch ohne belastbare Praxisbewertung.




