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Freemelt: Machbarkeitsstudie für hitzefeste Metallteile in der Verteidigung

Autorenbild: Sascha Surbanoski
Sascha Surbanoski
vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit
Firmenlogo des schwedischen Metall 3D Druck Unternehmens Freemelt, das Elektronenstrahl Pulverbettschmelzen für Refraktärmetalle einsetzt
Quelle: Freemelt

Der schwedische Metalldruckspezialist Freemelt hat einen Prototypenauftrag von einem nicht genannten Verteidigungsunternehmen mit Standorten in Schweden erhalten. Das geht aus einem Bericht von 3D Printing Industry hervor. Der Auftrag gehört zu einer Machbarkeitsstudie. Sie soll klären, ob additive Fertigung die Leistung von Bauteilen aus Refraktärmetallen verbessern kann. Refraktärmetalle sind Metalle mit sehr hohem Schmelzpunkt wie Wolfram.




Inhaltsverzeichnis




Der Auftrag im Detail

Freemelt fertigt mehrere Bauteilgeometrien zum Testen und Auswerten. Eingesetzt wird das eigene Elektronenstrahl Pulverbettschmelzen (E-PBF). Dabei schmilzt ein Elektronenstrahl im Vakuum Metallpulver Schicht für Schicht auf. Das Verfahren eignet sich für Werkstoffe, die sich mit Laserverfahren nur schwer verarbeiten lassen.

Laut dem Bericht soll die Studie bewerten, wie additive Fertigung die Entwicklung und spätere Produktion qualifizierter Refraktärmetallteile für ausgewählte Verteidigungsanwendungen unterstützt. Materialleistung, Fertigungsqualität und Zuverlässigkeit sind dort kritische Anforderungen. Freemelt Chef Daniel Gidlund sagt, die Studie gehe über die Frage hinaus, ob sich bestehende Bauteile drucken lassen.




Zwei Fragen: Leistung und Qualifizierung

Die Studie stellt zwei Fragen. Können neu gestaltete Refraktärmetallteile in Verteidigungsanwendungen besser funktionieren? Und lassen sie sich nach einem qualifizierten Standard herstellen? Qualifiziert heißt: Das Bauteil erfüllt dokumentiert die Anforderungen des Kunden, oft mit festgelegten Prüfschritten.

In der Praxis bedeutet das einen Wechsel der Perspektive. Es geht nicht darum, ein gefrästes oder gesintertes Teil eins zu eins zu kopieren. Das Design wird für das Druckverfahren neu gedacht. Wie 3D Printing Industry schreibt, zeigten Freemelt und HAMR Industries bereits auf der MILAM 2025 Wolfram Penetratoren. Sie wurden auf einer Freemelt ONE gedruckt und für Einschläge mit hoher Geschwindigkeit ausgelegt.




Einordnung im Umfeld anderer Programme

Die Qualifizierung ist die eigentliche Hürde. Laut demselben Bericht haben America Makes und das National Center for Defense Manufacturing and Machining im Programm PADAM 2.0 sechs Millionen US Dollar an vier Teams vergeben. Diese entwickeln hochtemperaturfeste Legierungen für die additive Fertigung. Das Programm will unvollständige Materialdaten, Prozessschwankungen und anfällige Lieferketten angehen.

Wie lange so etwas dauern kann, zeigt ein Beispiel aus dem Bericht: Elmet Technologies brauchte acht Jahre, um Druckparameter für die Niobiumlegierung C103 auf einer einzelnen Plattform von 3D Systems zu entwickeln. Zu den Metallverfahren dieses Herstellers gibt es einen Überblick zum DMP Metalldruckverfahren. Freemelts Studie setzt auf Bauteilebene an. Sie liegt damit zwischen den Legierungsprogrammen und der Serienfertigung.

Wer sich für Hochtemperaturwerkstoffe im Druck interessiert, findet zudem Hintergründe zu Inconel als etablierter Superlegierung. Wolfram und Niobium liegen thermisch noch einmal deutlich darüber.




Freemelt als Unternehmen

Der Auftrag kommt einen Monat nach einer Bestellung von Fusion for Energy. Dabei geht es um Wolframbauteile für eine Forschungsanlage zur Fusionsenergie. Freemelt arbeitet in zwei Bereichen. Production Systems bietet Anwendungsentwicklung und Service für Kunden, die eigene Metalldruckkapazität aufbauen. Der Bereich Manufacturing fertigt Bauteile, von Design über Qualifizierung und Prüfung bis zur Lieferung.

Als Ziel nennt das Unternehmen ein stärker wiederkehrendes Geschäft und eine europäische Plattform für Metall AM. Zur Größe des Prototypenauftrags macht die Meldung keine Angaben. Auch der Auftraggeber bleibt ungenannt.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist der Auftrag weniger wegen seiner Größe interessant als wegen der Fragestellung. Wer Refraktärmetalle druckt, will meist nicht nur Kosten sparen. Er will Geometrien, die konventionell nicht gehen. In der Praxis bei meinen Kunden scheitert der Einsatz additiver Teile selten am Druck selbst. Meist fehlen Materialdaten und ein nachvollziehbarer Qualifizierungsweg. Ob Freemelts Studie dafür Antworten liefert, lässt sich nach der Meldung nicht sagen. Konkrete Ergebnisse oder Zeitpläne nennt sie nicht. Ich beobachte das mit Interesse, aber ohne Vorschusslorbeeren.

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