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Kupfer Raketendüse per Cold Spray, 3D Druck in der Raumfahrt

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • 28. Mai
  • 3 Min. Lesezeit
Kupfer-Raketendüse mit integrierten Kühlkanälen, gefertigt per Cold Spray Additive Manufacturing am NMIS
Quelle: TCT Magazine / NMIS

Das National Manufacturing Institute Scotland (NMIS) hat einen Demonstrator einer Kupfer-Raketendüse vorgestellt, der zeigt, wie Cold Spray Additive Manufacturing für hochkomplexe Triebwerkskomponenten eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht ein Bauteil mit integrierten Kühlkanälen, das bislang mit konventionellen Verfahren nur unter erheblichem Zeit- und Materialaufwand herzustellen war.




Inhaltsverzeichnis




Das Bauteil und der Anwendungsfall

Gefertigt wurde eine Raketendüse aus Kupfer mit integrierten, filigranen Kühlkanälen. Solche Kühlkanäle sind für Raketentriebwerke essenziell: Sie leiten Treibstoff oder Kühlmittel an der Innenwand der Düse entlang und verhindern, dass die extremen Verbrennungstemperaturen das Bauteil zerstören. Die Geometrie ist entsprechend komplex und stellt hohe Anforderungen an Maßhaltigkeit und Materialintegrität.

Der Demonstrator wurde als Nachweis der Fertigbarkeit entwickelt, nicht als serienreifes Triebwerksteil. Er soll zeigen, dass hochdruckbasiertes Cold Spray in der Lage ist, großvolumige Kupferstrukturen mit innenliegenden Funktionsgeometrien aufzubauen. Ähnliche Anforderungen an Hochleistungswerkstoffe in sicherheitskritischen Anwendungen beschreibt auch der Artikel über nukleares AM-Pulver für Westinghouse auf diesem Portal.




Warum hat das Institut auf Cold Spray gesetzt?

Kupfer ist thermisch hochleitfähig und korrosionsbeständig, lässt sich aber mit klassischen subtraktiven Verfahren wie Fräsen nur schwer in komplexe Geometrien bringen, ohne erheblichen Materialverlust zu erzeugen. Gussverfahren wiederum erfordern aufwendige Werkzeuge und lange Vorlaufzeiten, besonders wenn Kühlkanäle direkt in die Wand integriert werden sollen.

Laut NMIS-Seniorechnologe Calum Hicks markiert das Projekt einen wichtigen Meilenstein, weil es neue Ansätze für Wärmemanagementstrukturen eröffnet und gleichzeitig Entwicklungszeiten sowie Produktionsaufwand reduziert. Das Ziel war ein hybrider Fertigungsansatz, der die Stärken des Cold Spray mit präziser Nachbearbeitung kombiniert.




Verfahren und Material im Detail

Cold Spray (auch: Kaltgasspritzen) ist ein Beschichtungs- und Auftragsverfahren, bei dem Metallpulver mit hoher Geschwindigkeit auf ein Substrat aufgebracht wird, ohne dass das Material dabei aufgeschmolzen wird. Die Partikel werden durch einen Überschallgasstrom beschleunigt und verformen sich beim Aufprall plastisch, wodurch eine dichte, oxidarme Metallschicht entsteht. Das unterscheidet Cold Spray grundlegend von Schmelzverfahren wie SLM (Selective Laser Melting) oder WAAM (Wire Arc Additive Manufacturing), bei denen das Material verflüssigt wird.

Das NMIS-Team nutzte Hochdruck-Cold-Spray, das Kupfer mit einer Auftragsrate von bis zu 10 kg pro Stunde abscheiden kann. Kupfer eignet sich für dieses Verfahren besonders gut, weil es duktil ist und sich beim Aufprall gut verformt, was zu einer hohen Haftfestigkeit und Dichte der aufgebauten Schichten führt. Der hybride Ansatz kombiniert den additiven Aufbau der Hauptstruktur mit spanender Nachbearbeitung für die Kühlkanalgeometrien.




Was wurde konkret verbessert?

Das NMIS beziffert die Zeitersparnis als Reduktion der Durchlaufzeit von Monaten auf Tage. Das ist für Raumfahrtkomponenten, die traditionell lange Beschaffungs- und Fertigungszyklen haben, ein erheblicher Vorteil, insbesondere in frühen Entwicklungsphasen, wo Iterationen schnell folgen müssen. Hinzu kommt eine deutliche Reduzierung des Materialabfalls gegenüber subtraktiven Verfahren.

Ehrlichkeit ist hier angebracht: Das Verfahren ist noch nicht durch vollständige Raketentriebwerkstests validiert. Die Demonstratorteile belegen die Fertigbarkeit, nicht die Betriebstauglichkeit unter realen Brennkammerbedingungen. NMIS-Ingenieur Ryan Devine betont, dass der eigentliche Wert der Arbeit im Nachweis des Potenzials liegt. Für Reparaturanwendungen und andere Hochwertsektoren wie Energie, Schiffbau und allgemeine Luft- und Raumfahrt sieht das Institut ebenfalls Einsatzmöglichkeiten, wo korrosionsbeständige und robuste Materialien gefragt sind.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Cold Spray als additives Fertigungsverfahren ist im Mittelstand noch wenig verbreitet, gewinnt aber in Nischen an Bedeutung: überall dort, wo Metallbauteile repariert, beschichtet oder in kleinen Stückzahlen aufgebaut werden sollen, ohne die thermische Belastung eines Schmelzverfahrens. Typische Einstiegshürden sind die Anlagenkosten für Hochdrucksysteme sowie das notwendige Prozess-Know-how für Parameteroptimierung und Qualitätssicherung.

Für Unternehmen, die komplexe Metallbauteile in kleinen Serien oder als Ersatzteile benötigen, lohnt sich die Prüfung, ob Cold Spray oder verwandte Metall-Additivverfahren eine wirtschaftliche Alternative zu Guss oder Fräsen darstellen. Wer den Einstieg in den Metall-3D-Druck sucht, sollte zunächst den konkreten Anwendungsfall analysieren: Bauteilgröße, Stückzahl, Materialanforderungen und zulässige Nachbearbeitungstiefe bestimmen, welches Verfahren sinnvoll ist.




Persönliches Fazit

Was das NMIS hier zeigt, ist technisch beeindruckend und gleichzeitig ehrlich kommuniziert: ein Demonstrator, kein serienreifes Triebwerksteil. Das ist die richtige Haltung für Forschungsergebnisse dieser Art. Cold Spray hat echte Stärken, besonders bei Kupfer und anderen duktilen Metallen, und die Kombination aus hoher Auftragsrate und Festkörperprozess macht es für bestimmte Anwendungen attraktiver als Schmelzverfahren.

Mich überzeugt vor allem der hybride Ansatz: additiver Aufbau der Grundstruktur, spanende Nachbearbeitung für Funktionsgeometrien. Das ist pragmatisch und entspricht dem, was in der Praxis funktioniert. Reine Additivlösungen scheitern bei Hochleistungsbauteilen oft an Oberflächenqualität oder Toleranzanforderungen.

Für den Mittelstand ist Cold Spray derzeit noch ein Nischenthema, aber die Richtung stimmt. Wer heute in Forschungskooperationen mit Instituten wie dem NMIS investiert oder zumindest die Technologieentwicklung verfolgt, wird in wenigen Jahren besser positioniert sein, wenn die Verfahren reif für die Serienproduktion sind. Der Raumfahrtsektor ist dabei ein guter Treiber, weil er hohe Anforderungen stellt und Innovationen schnell in andere Branchen diffundieren.

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