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Rosa3D Glasfaser TPU 75D Flexibles Hochtemperatur-Filament für den Motorraum

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • 13. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Rosa3D hat mit dem Glasfaser-TPU 75D ein Filament vorgestellt, das eine ungewöhnliche Kombination aus Flexibilität und Hochtemperaturbeständigkeit verspricht. Das Material richtet sich an Anwender, die Bauteile unter extremen Bedingungen drucken müssen, etwa im Motorraum von Fahrzeugen, in der Nähe von Heizkörpern oder in industriellen Umgebungen mit hohen Umgebungstemperaturen. Laut Hersteller verbindet das TPU 75D die elastischen Eigenschaften eines thermoplastischen Polyurethans mit der Steifigkeit und Wärmebeständigkeit, die glasfaserverstärkte Compounds bieten. Das ist eine Materialkombination, die im FDM-Bereich (Fused Deposition Modeling, also schichtweises Schmelzdrucken) bislang selten zu finden ist.




Inhaltsverzeichnis




Was ist TPU 75D und warum Glasfaser?

TPU (Thermoplastisches Polyurethan) ist ein Elastomer, das im 3D-Druck vor allem für flexible Teile eingesetzt wird: Dichtungen, Dämpfer, Schutzhüllen oder Schläuche. Die Shore-Härte gibt dabei an, wie weich oder hart das Material ist. Ein TPU 95A ist noch deutlich flexibel, während ein TPU 75D bereits in Richtung Hartplastik tendiert und eher mit Nylon oder ABS vergleichbar ist. Die D-Skala beginnt dort, wo die A-Skala endet, und 75D entspricht einem sehr steifen, aber noch leicht nachgebenden Material.

Die Zugabe von Glasfasern (GF, kurz für Glass Fiber) erhöht die Steifigkeit weiter, verbessert die Dimensionsstabilität unter Last und hebt vor allem die Wärmeformbeständigkeit (HDT, Heat Deflection Temperature) deutlich an. Das ist der entscheidende Punkt für Motorraum-Anwendungen: Ohne Verstärkung würde ein Standard-TPU bei den dort herrschenden Temperaturen von 80 bis über 120 Grad Celsius erweichen und seine Form verlieren. Laut der Produktankündigung auf All3DP soll das Rosa3D-Material genau diesen Schwachpunkt adressieren.




Technische Eigenschaften im Überblick

Das Glasfaser-TPU 75D von Rosa3D kombiniert eine hohe Shore-Härte mit einer für TPU ungewöhnlich guten Temperaturbeständigkeit. Konkrete Kennwerte wie HDT-Wert oder genaue Zugfestigkeit hat Rosa3D zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht vollständig veröffentlicht. Bekannt ist, dass das Material für Temperaturen ausgelegt ist, wie sie im Motorraum oder in der Nähe von Abgassystemen auftreten können.

Die Glasfaserverstärkung macht das Filament abrasiv (schleifend gegenüber der Druckdüse). Das bedeutet in der Praxis: Eine Standarddüse aus Messing verschleißt schnell. Empfohlen werden gehärtete Stahldüsen oder Düsen aus Wolframkarbid. Wer regelmäßig mit faserverstärkten Materialien druckt, sollte ohnehin auf solche Düsen umsteigen. Eine ähnliche Anforderung stellt das carbonfaserverstärkte PPA-Filament von Xenia, das ebenfalls für technische Hochtemperaturanwendungen entwickelt wurde.




Anwendungsfelder: Motorraum und mehr

Der Motorraum ist ein extremes Einsatzgebiet für 3D-gedruckte Teile: Hitze, Öl, Kraftstoffdämpfe und mechanische Vibrationen belasten Bauteile dauerhaft. Bislang kamen dort vor allem Hochtemperatur-Thermoplasten wie PEEK, PEI (Ultem) oder PA12-CF zum Einsatz, die aber kaum Flexibilität bieten. Für Teile, die gleichzeitig dichten, dämpfen oder eine gewisse Nachgiebigkeit brauchen, gab es kaum geeignete FDM-Materialien.

Das Rosa3D Glasfaser-TPU 75D soll diese Lücke schließen. Typische Anwendungen wären Schlauchverbinder, Tüllen, Kabeldurchführungen, Vibrationsdämpfer oder Halterungen, die im Motorraum oder in der Nähe von Heizsystemen verbaut werden. Auch in der Industrieautomation, im Maschinenbau oder bei der Herstellung von Schutzausrüstung sind solche Eigenschaften gefragt.




Verarbeitung und Druckparameter

TPU-Filamente mit hoher Shore-Härte lassen sich in der Regel besser verarbeiten als weichere Varianten, weil sie im Bowden-Extruder weniger zum Knicken neigen. Ein Direktextruder ist dennoch empfehlenswert, besonders bei glasfaserverstärkten Compounds, die eine gleichmäßige Förderung erfordern. Die Drucktemperatur liegt bei faserverstärkten TPUs typischerweise zwischen 230 und 260 Grad Celsius, ein beheiztes Druckbett (60 bis 80 Grad) verbessert die Haftung.

Wichtig ist auch die Trocknung des Filaments vor dem Druck. TPU ist hygroskopisch (feuchtigkeitsaufnehmend) und neigt bei feuchtem Material zu Blasenbildung und schlechter Schichtverbindung. Ein Filamenttrockner ist hier keine Option, sondern Pflicht. Ein Sovol SH03 Filament Trockner eignet sich gut für solche technischen Materialien, da er auch während des Drucks aktiv trocknen kann.




Preis und Verfügbarkeit

Rosa3D ist ein polnischer Filamenthersteller, der vor allem in Europa vertrieben wird. Zum Glasfaser-TPU 75D hat das Unternehmen zum Zeitpunkt der Meldung noch keinen offiziellen Verkaufspreis kommuniziert. Technische Spezialfilamente mit Glasfaserverstärkung liegen marktüblich zwischen 40 und 80 Euro pro Kilogramm, je nach Hersteller und Vertriebskanal. Sobald Rosa3D konkrete Preise und Bezugsquellen veröffentlicht, wird dieser Abschnitt aktualisiert.

Interessenten können die Produktseite von Rosa3D im Blick behalten, um über Verfügbarkeit und Preise informiert zu bleiben. Laut der All3DP-Meldung ist das Material für den europäischen Markt vorgesehen.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Wer ein glasfaser- oder carbonfaserverstärktes Hochtemperatur-Filament mit flexiblen Eigenschaften sucht, findet aktuell nur wenige direkte Alternativen auf dem Markt:


  • HT TPU CF von colorFabb: colorFabb bietet ein carbonfaserverstärktes TPU an, das ebenfalls auf erhöhte Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit ausgelegt ist. Es richtet sich an ähnliche Anwendungsfelder wie das Rosa3D-Material, ist aber in Europa gut verfügbar und hat eine etablierte Nutzerbasis in der Industrie.

  • PolyFlex TPU95-HF von Polymaker: Polymaker bietet mit der PolyFlex-Linie flexible Materialien für den FDM-Druck an. Die HF-Variante (High Flow) ist auf schnelles Drucken optimiert, bietet aber keine Glasfaserverstärkung. Für Anwendungen, bei denen die Temperaturbeständigkeit weniger kritisch ist, eine günstigere Alternative.

  • Raise3D Industrial TPU von Raise3D: Raise3D bietet im Rahmen seiner Industrial-Filament-Linie auch TPU-Varianten an, die auf professionelle Anwendungen ausgelegt sind. Besonders interessant für Nutzer, die ohnehin auf Raise3D-Druckern arbeiten und ein abgestimmtes Material-Drucker-System bevorzugen.




Aktueller Status und Markterwartung

Der Markt für technische FDM-Filamente wächst kontinuierlich, besonders im Bereich der faserverstärkten Materialien. Hersteller wie Xenia, colorFabb, Polymaker und nun auch Rosa3D treiben die Entwicklung von Materialien voran, die klassische Kunststoffteile in anspruchsvollen Umgebungen ersetzen können. Das ist ein klarer Trend hin zur funktionalen Fertigung mit dem 3D-Drucker, weg vom reinen Prototyping.

Das Glasfaser-TPU 75D von Rosa3D ist insofern bemerkenswert, weil es eine Nische besetzt, die bislang kaum adressiert wurde: flexible Hochtemperaturteile im FDM-Verfahren. Ob das Material die versprochenen Eigenschaften in der Praxis hält, wird sich erst nach unabhängigen Tests zeigen. Die Ankündigung selbst ist aber ein Signal, dass der Markt für solche Spezialmaterialien reif genug ist, um neue Anbieter anzuziehen. Auch der interne Vergleich mit carbonfaserverstärktem PPA von Xenia zeigt, wie aktiv dieser Bereich gerade ist.




Stimmen aus der Community und erste Einschätzungen

In der deutschsprachigen 3D-Druck-Community wird das Thema flexible Hochtemperaturfilamente durchaus diskutiert. Im Subreddit r/3DDruck etwa wurde zuletzt debattiert, ob neuere Materialien wie PEBA TPU als Werkstoff ablösen könnten, ein Kontext, der zeigt, dass Anwender aktiv nach Alternativen zu klassischem TPU suchen, wenn es um spezifische Anforderungen wie Gewicht, Rückfederung oder Temperaturbeständigkeit geht. Das Glasfaser-TPU 75D von Rosa3D adressiert eine ähnliche Lücke, nämlich den Bedarf an einem Material, das Flexibilität und Wärmebeständigkeit kombiniert, ohne auf eines der beiden zu verzichten.

Spezifische Erfahrungsberichte zum Rosa3D Glasfaser-TPU 75D lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in öffentlichen Foren noch nicht vor. Das Material ist neu auf dem Markt, und praxisnahe Einschätzungen zu Druckbarkeit, Langzeitverhalten im Motorraum oder Abriebfestigkeit fehlen bislang. Sobald sich entsprechende Threads oder Testberichte in Communities wie r/3DDruck abzeichnen, wird dieser Abschnitt aktualisiert.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist das Glasfaser-TPU 75D von Rosa3D ein interessanter Ansatz, der eine echte Lücke im Materialportfolio für den FDM-Druck schließen könnte. In der Praxis bei Kundenprojekten stoße ich immer wieder auf die Anforderung, Teile zu drucken, die gleichzeitig flexibel, hitzebeständig und mechanisch belastbar sein müssen. Bislang war das oft nur mit teuren Hochleistungspolymeren oder aufwendigen Nachbearbeitungsschritten möglich. Ein glasfaserverstärktes TPU 75D könnte hier eine pragmatische und kosteneffiziente Alternative sein. Allerdings warte ich auf unabhängige Testergebnisse, bevor ich das Material für sicherheitskritische Bauteile empfehlen würde. Die Ankündigung allein reicht nicht aus, um Kennwerte wie HDT, Zugfestigkeit oder Langzeitbeständigkeit gegenüber Ölen und Kraftstoffen zu beurteilen. Wer jetzt schon experimentieren möchte, sollte die Düsenwahl nicht unterschätzen und unbedingt auf gehärteten Stahl setzen.

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