WASP Dual Extrusion: Lehm und Kunststoff in einem Druckprozess

Der italienische 3D Druckerhersteller WASP arbeitet an einer Dual Extrusion, die erdbasierte Paste und Kunststoff in einem einzigen Druckprozess verarbeitet. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet und kombiniert zwei Techniken, die das Unternehmen seit Jahren einzeln einsetzt. Der Kunststoff soll Strukturen aus Lehm stützen und sich am Ende der Nutzungsdauer wieder vom Erdmaterial trennen lassen. Das geht aus einem Bericht von 3D Printing Industry hervor.
Inhaltsverzeichnis
Zwei Verfahren in einem Druckkopf
Die Technik verbindet Liquid Deposition Modeling (LDM) und Fused Granulate Fabrication (FGF). LDM extrudiert pastöse Materialien wie Erde. FGF verarbeitet Kunststoffgranulat direkt ohne den Umweg über Filament. Laut 3D Printing Industry beschäftigt sich WASP seit 2012 mit beiden Verfahren.
Das System wechselt Schicht für Schicht zwischen Erdpaste und Thermoplast. An ausgewählten Stellen entsteht so eine Kunststoffverstärkung im Erdkörper. Als Material nennt WASP für die ersten Versuche unter anderem recyceltes PLA. Welche weiteren Polymere passen, hat das Unternehmen nicht angegeben.
Der Nutzen liegt in der Geometrie. Erdpaste neigt bei Überhängen oder schlanken Formen zum Einsturz. Die Kunststoffschichten sollen dort Halt geben und Formen erlauben, die allein mit Erde schwer zu drucken wären.
Rückbau statt Verbundmaterial
Der zweite Gedanke betrifft das Lebensende. Klassische Verbunde lassen sich schlecht recyceln, weil die Bestandteile fest verbunden sind. WASP plant die Trennung dagegen von Anfang an ein: Die Kunststoffschichten sollen sich aus der Erdstruktur lösen lassen, sodass beide Materialien getrennt zurückgewonnen werden.
Das Unternehmen verknüpft das mit seinem Ansatz der frugalen Architektur, also dem Bauen mit lokal verfügbaren Materialien. Die Begründung: Kunststoff ist in Gebäuden ohnehin weit verbreitet. Dann sollte auch geklärt sein, wie er nach der Nutzung wieder herauskommt.
In der Praxis bedeutet das einen Unterschied zu gewöhnlichen Verbundbauteilen. Ob die Trennung zuverlässig und wiederholbar klappt, ist bislang offen. Das räumt auch der Bericht ein.
Frühere Projekte mit Erdmaterial
Erdbasierten Druck hat WASP schon in Projekten gezeigt. Mit dem Natural Materials Lab der Columbia University entstanden laut dem Bericht hunderte gedruckte Erdfliesen für die Installation Earthen Rituals auf der Architekturbiennale Venedig 2025. Verwendet wurden Mischungen aus Bauschuttböden und landwirtschaftlichen Nebenprodukten.
Das TreeSoil Projekt der Technion nutzte die LDM Extrusion von WASP für biologisch abbaubare Strukturen aus lokalem Boden. Die Module greifen ineinander und trocknen natürlich. Sie lassen sich ohne Klebstoff zusammenbauen.
Aktueller Status und Markterwartung
Erste Tests laufen. WASP verfeinert den Prozess und untersucht Grenzen sowie mögliche Anwendungen. Ein Markttermin ist nicht genannt. Ebenso fehlt die Angabe, in welche Druckerplattformen die Technik einfließen könnte.
Messwerte aus den Tests hat WASP bisher nicht veröffentlicht. Offen bleibt damit, wie gut die Verstärkung komplexe Geometrien trägt. Bis dahin ist das Verfahren ein Forschungsansatz und kein Produkt.
Persönliches Fazit
Aus meiner Sicht ist das ein interessanter Ansatz für Architektur und Forschung. Mit dem Alltag im Mittelstand hat er derzeit wenig zu tun. Wer Bauteile fertigt, fragt nach Festigkeit, Toleranzen und Reproduzierbarkeit. Genau dazu liefert WASP noch keine Zahlen.
Die Idee der planbaren Trennung bei Verbunden finde ich bedenkenswert. Ich bleibe aber skeptisch, bis jemand zeigt, dass sich die Schichten sauber lösen lassen. Dual Extrusion im Sinn von zwei Materialien in einem Drucker kennt man sonst eher von FDM Geräten wie dem Zaxe Z4. Das hier ist etwas anderes: Es geht um Bauen und Kreislauf, nicht um Mehrfarbdruck.





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