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3D-gedruckter Bootsrumpf aus proprietärem Composite, 3D-Druck im Bootsbau

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
3D-gedruckter Bootsrumpf aus proprietärem Composite-Material, Voltage Vessels, additives Fertigungsverfahren
Quelle: Voxel Matters / Voltage Vessels

Voltage Vessels ist ein Unternehmen, das den Bootsbau mit additiver Fertigung neu denkt. Statt klassischer Laminierverfahren oder Formenbau setzt das Team auf den direkten 3D-Druck von Bootsrümpfen aus einem selbst entwickelten Composite-Material. Das Ergebnis: eine Fertigungsmethode, die Gewicht, Zeit und Werkzeugkosten gleichzeitig adressiert.




Inhaltsverzeichnis




Das Bauteil und der Anwendungsfall

Im Mittelpunkt steht der Rumpf eines Elektroboots. Dieser wird nicht mehr in einer klassischen Negativform laminiert, sondern direkt per 3D-Druck gefertigt. Der Rumpf übernimmt dabei sowohl tragende als auch hydrodynamische Funktionen: Er muss wasserdicht, steif, leicht und langlebig sein. Das sind Anforderungen, die im konventionellen Bootsbau üblicherweise durch mehrlagige Glasfaser- oder Kohlefaserlaminierung erfüllt werden.

Voltage Vessels druckt den Rumpf als strukturelles Bauteil in einem Stück oder in wenigen großen Segmenten. Die genauen Abmessungen sind öffentlich nicht vollständig dokumentiert, aber das Ziel ist ein serientaugliches Kleinboot im Freizeitbereich. Ähnliche Ansätze, bei denen 3D-Druck für großflächige Composite-Strukturen eingesetzt wird, beschreibt auch der Artikel über Laminierformen für Composite-Bauteile im Leichtbau auf diesem Portal.




Warum hat das Unternehmen auf 3D-Druck gesetzt?

Der klassische Bootsbau mit Faserverbundwerkstoffen ist werkzeugintensiv. Für jede Rumpfform wird eine Negativform benötigt, deren Herstellung mehrere Wochen dauern und erhebliche Kosten verursachen kann. Bei kleinen Stückzahlen oder individuellen Designs rechnet sich dieser Aufwand kaum. Voltage Vessels wollte genau diesen Engpass umgehen.

Hinzu kommt der Trend zur Elektromobilität auf dem Wasser: Elektrische Antriebe verlangen nach leichten Rümpfen, um die Reichweite zu maximieren. Mit konventionellen Fertigungsverfahren ist Gewichtsoptimierung oft nur durch teure Kohlefaser-Handlaminierung erreichbar. Der 3D-Druck mit einem proprietären Composite-Material soll beides liefern: geringes Gewicht und niedrigere Fertigungskosten.




Verfahren und Material im Detail

Das eingesetzte Verfahren ist ein großformatiger Extrusions-basierter 3D-Druck, der dem FGF-Prinzip (Fused Granulate Fabrication, also Schmelzschichtdruck mit Pellets statt Filament) nahesteht. Dieses Verfahren erlaubt deutlich höhere Durchsatzraten als klassischer FDM-Druck mit Filament und ist für großvolumige Bauteile wie Bootsrümpfe besser geeignet.

Das Material ist ein proprietäres Composite, dessen genaue Zusammensetzung Voltage Vessels nicht vollständig offenlegt. Es handelt sich um eine faserverstärkte Kunststoffmatrix, die speziell auf die mechanischen und chemischen Anforderungen im Wasserkontakt ausgelegt ist. Faserverstärkte Materialien (kurz: Composites) kombinieren eine Kunststoffmatrix mit eingebetteten Fasern, um Steifigkeit und Festigkeit zu erhöhen, ohne das Gewicht proportional zu steigern. Die Wahl eines proprietären Materials ist strategisch: Es schützt das Know-how und sichert die Materialqualität über die gesamte Prozesskette.




Was wurde konkret verbessert?

Der größte Vorteil liegt im Wegfall der Negativform. Ohne aufwendigen Formenbau entfällt ein erheblicher Kostenfaktor, der bei kleinen Serien besonders ins Gewicht fällt. Designänderungen lassen sich direkt in der CAD-Datei umsetzen und beim nächsten Druckauftrag realisieren, ohne neue Werkzeuge anfertigen zu müssen. Das verkürzt Iterationszyklen erheblich.

Beim Gewicht verspricht das Composite-Material Vorteile gegenüber konventionell laminierten Glasfaserrümpfen. Konkrete Vergleichszahlen hat Voltage Vessels bislang nicht veröffentlicht. Offen bleibt auch die Frage der Oberflächenqualität: Gedruckte Rümpfe zeigen typischerweise eine Schichtstruktur an der Oberfläche, die für hydrodynamische Anwendungen nachbearbeitet werden muss. Wie aufwendig diese Nachbearbeitung in der Praxis ist, wird ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit des Ansatzes sein.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Das Prinzip hinter dem Ansatz von Voltage Vessels ist auf andere Branchen übertragbar: Überall dort, wo großflächige Bauteile aus Faserverbundwerkstoffen in kleinen Stückzahlen gefertigt werden, lohnt sich ein Blick auf großformatigen 3D-Druck. Das gilt für den Fahrzeugbau, den Schienenfahrzeugbereich, die Windenergie oder den Maschinenbau.

Für einen Mittelständler bedeutet der Einstieg in diesen Bereich zunächst eine Investition in geeignete Drucksysteme oder die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister. Die Mindestvoraussetzung ist ein klarer Business Case: Wie viele Formen werden pro Jahr benötigt? Wie hoch sind die aktuellen Werkzeugkosten? Wenn die Antworten auf diese Fragen eine Einsparung von mehr als 30 bis 40 Prozent der Werkzeugkosten ergeben, ist der Ansatz wirtschaftlich interessant. Wer Vorrichtungen oder Strukturbauteile aus Composite-ähnlichen Materialien fertigt, sollte diesen Weg ernsthaft prüfen. Für eine erste Kostenschätzung eignet sich der Preisrechner auf 3ddrucklife.de.




Persönliches Fazit

Was Voltage Vessels macht, ist kein Experiment mehr. Der direkte 3D-Druck von Bootsrümpfen aus Composite-Material ist ein konsequenter Schritt weg vom werkzeuggebundenen Fertigungsdenken. Ich finde diesen Ansatz überzeugend, weil er nicht auf einen einzelnen Vorteil setzt, sondern mehrere Engpässe gleichzeitig löst: Werkzeugkosten, Designflexibilität und Materialeffizienz.

Was mich skeptisch stimmt, ist die fehlende Transparenz bei den Materialdaten und den Vergleichswerten. Proprietäre Materialien sind strategisch verständlich, erschweren aber die unabhängige Bewertung. Solange keine Langzeittests unter realen Bedingungen vorliegen, bleibt ein Fragezeichen bei der Dauerhaltbarkeit im Salzwasser.

Für die Branche insgesamt ist das Signal klar: Großformatiger Composite-Druck verlässt die Forschungslabore und kommt in der Serienproduktion an. Wer im Bootsbau, Fahrzeugbau oder verwandten Bereichen noch auf klassischen Formenbau setzt, sollte die Entwicklung genau beobachten. Der Umstieg wird nicht für jeden sofort sinnvoll sein, aber die Richtung ist eindeutig.

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