top of page

NonOilen Projekt: 3D Druck hilft Blinden beim Einschenken

Autorenbild: Sascha Surbanoski
Sascha Surbanoski
27. Okt.
3 Min. Lesezeit
Mechanischer Füllstandsanzeiger für Blinde von Richvalsky Manufacturing, gedruckt aus Fillamentum NonOilen
Quelle: Fillamentum


Fillamentum stellt in einem Projektbericht ein Hilfsmittel vor, das Richvalsky Manufacturing aus dem Filament NonOilen druckt: einen mechanischen Füllstandsanzeiger für blinde und sehbehinderte Menschen. Das Gerät meldet beim Einschenken, wann ein Glas oder eine Tasse voll ist. Das 3D Modell samt Druckanleitung kann jeder herunterladen. Das Beispiel zeigt, wie sich 3D Druck für einen konkreten Alltagsnutzen einsetzen lässt.




Inhaltsverzeichnis




Die Idee hinter dem Projekt

Richvalsky Manufacturing beschreibt sich laut Fillamentum Blog als Gruppe moderner Handwerker mit einer eigenen 3D Druckfarm. Sie nutzen lokale Ressourcen und bieten Auftragsdruck sowie Workshops an. Auch Ideen junger Maker setzen sie um.

Den Anstoß lieferten Gespräche mit blinden Freunden. Im Austausch ging es darum, was den Alltag erleichtern würde und wie vorhandene Hilfsmittel einfacher und günstiger werden könnten. Viele Produkte für Blinde gibt es zwar am Markt. Laut den Machern kennen sie aber nur wenige.




So ist der Füllstandsanzeiger aufgebaut

Wer wenig oder nichts sieht, hat beim Einschenken von Getränken oder Suppe ein Problem. Üblich sind kleine elektronische Geräte, die in die Tasse gelegt werden und bei vollem Füllstand piepen oder vibrieren. Als Beispiel für den Nutzen solcher Hilfen nennt der Bericht das Café POTMĚ. Dort wird in einem komplett abgedunkelten Raum von Personen bedient, die sich über Gehör und Tastsinn orientieren.

Die Entwickler kritisieren an den elektronischen Modellen den lauten Signalton. Gäste, die das Gerät nicht kennen, würden davon oft erschreckt. Außerdem bestehen die üblichen Geräte aus zwei Teilen: einem größeren außerhalb der Tasse und einem kleineren darin.

Beim mechanischen Modell ist es umgekehrt. Der kleinere Teil ist ein Griff zum Einhängen am Tassenrand. Der größere Teil wird in die Tasse geschoben. Weil die Oberfläche gelegentlich gereinigt werden sollte, lässt sich das Hilfsmittel zerlegen und wieder zusammenbauen. Wie der Mechanismus im Detail anzeigt, dass die Tasse voll ist, erklärt die Quelle nicht.




Warum NonOilen als Material

Gedruckt wird laut Projektbericht mit NonOilen. Das ist ein Filament (der Kunststoffdraht für FDM Drucker), das nach Herstellerangaben vollständig biologisch abbaubar und leicht zu drucken ist. Es soll auch bei dünnen Wänden nicht verziehen und in kochendem Wasser nicht aufweichen. Die Drucke riechen nicht und geben beim Druck keine schädlichen Dämpfe ab.

Für ein Teil, das öfter gespült wird und mit warmen Getränken in Kontakt kommt, ist die Hitzebeständigkeit das wichtigste Argument. Richvalsky Manufacturing hat nach eigenen Angaben schon PLA, CPE und PETG von Fillamentum verwendet. TPE und TPU gefielen besonders gut. Als Nächstes will das Team CPE testen.

Design und Druck stammen von Jan Veselský (UTB Zlín) für Richvalsky Manufacturing. Das Hilfsmittel ist als 3D Modell, als Ersatzteil oder als fertig gedrucktes Objekt erhältlich. Wer sich für die Marke interessiert, findet einen Überblick zu den Fillamentum Filamenten und eine Vergleichstabelle mit 22 Filamenten.




Einordnung für Maker und Betriebe

Der Kern des Projekts ist der Vertriebsweg. Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung sind laut den Machern oft teure Fertigprodukte. Wer eine Datei herunterlädt und selbst druckt, umgeht das. Das Team argumentiert außerdem, dass der lokale Druck Transportwege und Ressourcen spart.

Zu beachten ist: Alle Angaben stammen vom Hersteller und vom Projektteam. Einen unabhängigen Test oder Preise nennt der Bericht nicht. Ob das Material für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln freigegeben ist, steht ebenfalls nicht in der Quelle. Wer das Hilfsmittel für Getränke drucken will, sollte das vorab klären.




Alternativen und vergleichbare Produkte

Für ähnliche Projekte mit nachhaltigen Filamenten kommen weitere FDM Hersteller infrage.


  • Filamente von ColorFabb: Niederländischer Hersteller mit breitem Filamentsortiment. Eine passende Wahl für Maker, die Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe suchen.

  • Z-Filamente von Zortrax: Der Druckerhersteller bietet eigene Filamente an. Sie sind vor allem auf die hauseigenen Drucker abgestimmt.

  • 3D Filamente von Verbatim: Bekannte Marke mit Filamenten für gängige FDM Drucker. Geeignet für Standardanwendungen.




Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wofür 3D Druck wirklich taugt: kleine Stückzahlen, ein klarer Nutzen und keine Lagerhaltung. Die Idee, das Signal vom Piepton auf eine mechanische Lösung zu verlegen, finde ich nachvollziehbar. Die Zerlegbarkeit zum Reinigen ist ein Detail, das bei Hilfsmitteln im Alltag oft entscheidet.

In der Praxis bei meinen Kunden zählt bei solchen Teilen aber mehr als Datei und Filament. Hygiene, Lebensmittelkontakt und Wiederholgenauigkeit müssen geklärt sein. Dazu liefert der Bericht von Fillamentum keine Zahlen. Als Anregung für Maker und soziale Projekte taugt er trotzdem. Für den Einsatz in der Gastronomie würde ich das Material vorher prüfen.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page