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Drohnen Rumpf und Gehäuse aus dem 3D-Drucker, 3D-Druck in der Luft- und Raumfahrt

  • Autorenbild: Sascha Surbanoski
    Sascha Surbanoski
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Die Luft- und Raumfahrtbranche gehört zu den Vorreitern beim Einsatz additiver Fertigung für strukturelle Bauteile. Besonders im Segment der kommerziellen UAVs (Unmanned Aerial Vehicles, also unbemannte Luftfahrzeuge) hat sich der 3D-Druck von Rümpfen und Gehäusen in den letzten Jahren vom Prototypen-Werkzeug zum ernsthaften Fertigungsverfahren entwickelt. Nylon und kohlefaserverstärkte Composite-Filamente machen es möglich, leichte, belastbare Strukturen herzustellen, die den Anforderungen des Flugbetriebs standhalten.




Inhaltsverzeichnis




Das Bauteil und der Anwendungsfall

Im Mittelpunkt stehen Drohnen-Rümpfe, Arm-Ausleger, Akkuschächte und aerodynamische Gehäuseschalen für kommerzielle UAVs in der Größenklasse von 300 mm bis über 1.000 mm Rahmengröße. Diese Bauteile müssen gleichzeitig leicht, steif und witterungsbeständig sein, da sie im Außeneinsatz Wind, Regen und UV-Strahlung ausgesetzt sind. Klassische Fertigungsverfahren wie Spritzguss oder CNC-Fräsen stoßen hier schnell an wirtschaftliche Grenzen, sobald Stückzahlen klein und Geometrien komplex sind.

Gedruckt werden sowohl vollständige Rumpfschalen als auch Einzelkomponenten wie Kamerahalterungen, Sensorgehäuse oder Landegestelle, die anschließend zu einem Gesamtsystem zusammengefügt werden. Gerade bei UAVs für Inspektion, Kartierung oder Lieferlogistik variieren die Anforderungen je nach Einsatzprofil erheblich, was kurze Anpassungszyklen erfordert. Ähnliche Ansätze zeigt auch der Artikel über Drohnenhalterungen und Tarnnetzbefestigungen aus dem FDM-Drucker, der verdeutlicht, wie flexibel additive Fertigung im UAV-Umfeld eingesetzt werden kann.




Warum setzen UAV-Hersteller auf 3D-Druck?

Der entscheidende Auslöser ist die Kombination aus kleinen Losgrößen und hoher Variantenvielfalt. Ein kommerzieller UAV-Hersteller, der Drohnen für verschiedene Branchen anbietet, benötigt unter Umständen Dutzende unterschiedlicher Gehäusevarianten, aber jeweils nur wenige hundert Stück pro Jahr. Spritzguss-Werkzeuge für solche Varianten kosten schnell 10.000 bis 50.000 Euro pro Form und amortisieren sich bei kleinen Stückzahlen nicht.

Hinzu kommt die Entwicklungsgeschwindigkeit: Im UAV-Markt sind Iterationszyklen kurz. Neue Sensorik, geänderte Akkukapazitäten oder regulatorische Anforderungen erzwingen regelmäßige Konstruktionsanpassungen. Mit einem FDM-Drucker (Fused Deposition Modeling, Schmelzschicht-Verfahren) lässt sich ein geändertes Gehäuse innerhalb von Stunden neu drucken, während eine Werkzeugänderung beim Spritzguss Wochen dauert und erhebliche Kosten verursacht. Laut dem Fachportal All3DP nutzen zahlreiche UAV-Entwickler genau diesen Vorteil, um ihre Produktentwicklung zu beschleunigen und gleichzeitig die Fertigungskosten in der Frühphase niedrig zu halten.




Verfahren und Material im Detail

Das dominierende Verfahren für strukturelle Drohnen-Bauteile ist FDM-Druck mit technischen Filamenten. Nylon (Polyamid, PA) ist dabei das meistgenutzte Basismaterial, weil es eine gute Kombination aus Zähigkeit, Schlagfestigkeit und Temperaturbeständigkeit bietet. Reines Nylon neigt jedoch zur Feuchtigkeitsaufnahme, was die mechanischen Eigenschaften beeinträchtigen kann. Deshalb wird es häufig mit Kohlefasern (CF) oder Glasfasern (GF) compoundiert.

CF-Nylon (kohlefaserverstärktes Polyamid) erhöht die Steifigkeit erheblich und reduziert gleichzeitig das Gewicht gegenüber reinem Nylon. Für Drohnen-Rümpfe ist das ein zentraler Vorteil, da jedes eingesparte Gramm direkt die Nutzlast oder Flugzeit erhöht. Anspruchsvollere Anwendungen nutzen Continuous Fiber Fabrication (CFF), ein Verfahren von Markforged, bei dem Endlos-Kohlefasern in die gedruckte Matrix eingebettet werden. Das Ergebnis nähert sich in der Steifigkeit handlaminierten CFK-Bauteilen (kohlefaserverstärkter Kunststoff), ohne den aufwendigen Handlaminier-Prozess zu erfordern. Für das Drucken technischer Filamente wie CF-Nylon ist eine kontrollierte Druckkammertemperatur wichtig, wie etwa Systeme zur aktiven Bauraumheizung zeigen, die im Artikel über den BIQU Panda Breath beschrieben werden.




Was wurde konkret verbessert?

Die messbaren Vorteile liegen vor allem in drei Bereichen: Entwicklungszeit, Werkzeugkosten und Designfreiheit. Iterationen, die früher Wochen dauerten, sind mit FDM-Druck in ein bis zwei Tagen umsetzbar. Werkzeugkosten entfallen in der Prototypen- und Kleinserie vollständig. Komplexe Innengeometrien, Kabelführungen oder integrierte Befestigungspunkte lassen sich direkt ins Bauteil konstruieren, ohne Nachbearbeitungsschritte.

Auf der Herausforderungsseite steht die Oberflächenqualität: FDM-gedruckte Bauteile zeigen Schichtlinien, die aerodynamisch ungünstig sein können und Nachbearbeitung erfordern. Auch die Anisotropie (richtungsabhängige Festigkeit) des FDM-Verfahrens muss in der Konstruktion berücksichtigt werden, da Bauteile quer zur Druckrichtung deutlich schwächer sind als in Druckrichtung. Für sicherheitskritische Primärstrukturen bleibt der Einsatz daher auf bestimmte Lastfälle beschränkt, während Sekundärstrukturen und Gehäuseteile problemlos additiv gefertigt werden können.

In der Praxis berichten UAV-Entwickler von Kosteneinsparungen von 60 bis 80 Prozent gegenüber Spritzguss-Werkzeugkosten in der Kleinserie, bei gleichzeitig deutlich kürzeren Time-to-Market-Zeiten. Die Bauteilqualität ist bei korrekter Prozessführung und geeignetem Material für die meisten kommerziellen UAV-Anwendungen ausreichend.




Übertragbarkeit für den Mittelstand

Für mittelständische Unternehmen, die UAVs entwickeln oder einsetzen, ist der Einstieg in die additive Fertigung von Gehäuseteilen vergleichsweise niedrigschwellig. Ein industrietauglicher FDM-Drucker mit geschlossenem Bauraum, der CF-Nylon verarbeiten kann, ist ab etwa 3.000 bis 15.000 Euro erhältlich. Die eigentliche Investition liegt jedoch in der Konstruktionskompetenz: Bauteile müssen für den 3D-Druck ausgelegt sein, was andere Wandstärken, Stützstruktur-Strategien und Orientierungen im Bauraum erfordert als konventionelle Fertigungsverfahren.

Wer keine eigene Druckerkapazität aufbauen möchte, kann Gehäuseteile über einen spezialisierten Dienstleister beziehen. Das ist besonders sinnvoll für Unternehmen, die nur gelegentlich neue Varianten benötigen oder die Fertigungsqualität für Zertifizierungszwecke dokumentieren müssen. Über den Preisrechner lassen sich Kosten für konkrete Bauteile schnell einschätzen, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird. Typische Stolpersteine sind die Materialauswahl bei wechselnden Umgebungsbedingungen, die Nachbearbeitung für aerodynamische Oberflächen und die Dokumentation für behördliche Zulassungsverfahren im UAV-Bereich.




Persönliches Fazit

Der Einsatz von FDM-Druck für Drohnen-Rümpfe und Gehäuse ist kein Hype, sondern ein pragmatischer Ansatz, der in der Praxis funktioniert. Ich sehe das täglich: Wer kleine Stückzahlen, viele Varianten und kurze Entwicklungszyklen hat, kommt am 3D-Druck kaum vorbei. CF-Nylon und ähnliche technische Materialien haben die Lücke zwischen Prototyp und Serienteil deutlich verkleinert.

Gleichzeitig sollte man die Grenzen kennen. FDM ist kein Allheilmittel für strukturelle Primärbauteile, und wer Drohnen für gewerbliche Zwecke zulassen will, muss die Materialien und Prozesse sorgfältig dokumentieren. Die Anisotropie des Verfahrens ist kein Problem, wenn man sie in der Konstruktion berücksichtigt, aber sie ist kein Faktor, den man ignorieren kann.

Für den Mittelstand sehe ich den größten Hebel in der Kombination aus eigenem Drucker für schnelle Iterationen und externem Dienstleister für dokumentierte Serienteile. Das gibt Flexibilität ohne den Overhead einer vollständigen In-House-Fertigung. Wer diesen Ansatz konsequent umsetzt, kann im UAV-Markt deutlich schneller reagieren als Wettbewerber, die noch auf klassische Werkzeugketten setzen.

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